1Die Regel in einfachen Worten
In einem Satz…
COLREG legt fest, wer ausweicht, und verlangt von Fahrzeugen mit besonderen Bedingungen, die Navigation anderer nicht zu behindern.
Was tut ein fahrendes Maschinenfahrzeug?
Es hält sich von einem nicht unter Kommando stehenden, in seiner Manövrierfähigkeit behinderten, fischenden oder segelnden Fahrzeug frei: Das ist die vollständige Reihenfolge.
Was ist mit Segel- und Fischereifahrzeugen?
Ein fahrendes Segelfahrzeug hält sich von nicht unter Kommando stehenden, in ihrer Manövrierfähigkeit behinderten oder fischenden Fahrzeugen frei. Ein fischendes Fahrzeug tut dies bei den ersten beiden soweit wie möglich.
Was gilt für ein durch seinen Tiefgang beschränktes Fahrzeug?
Jedes andere Fahrzeug außer einem nicht unter Kommando stehenden oder in seiner Manövrierfähigkeit behinderten Fahrzeug vermeidet, wenn die Umstände es zulassen, die sichere Passage eines Fahrzeugs mit Signalen nach Regel 28 zu behindern; es navigiert mit besonderer Vorsicht.
Was gilt für Wasserflugzeuge und Bodeneffektfahrzeuge?
Auf dem Wasser hält sich ein Wasserflugzeug von allen Fahrzeugen gut frei und vermeidet Behinderung der Navigation; bei Kollisionsgefahr befolgt es diese Regeln. Beim Starten, Landen oder oberflächennahen Flug gilt dasselbe für ein Bodeneffektfahrzeug; auf dem Wasser befolgt es die Regeln wie ein Maschinenfahrzeug.
Amtlicher Wortlaut
IMO COLREG 1972Bundesministerium der Justiz – Kollisionsverhütungsregeln (KVR)
Vollständiger Wortlaut der Regel aus der unten angegebenen amtlichen Quelle.
Sofern in den Regeln 9, 10 und 13 nicht etwas anderes bestimmt ist, gilt folgendes:
a) Ein Maschinenfahrzeug in Fahrt muß ausweichen
i) einen manövrierunfähigen Fahrzeug;
ii) einem manövrierbehinderten Fahrzeug;
iii) einem fischenden Fahrzeug;
iv) einem Segelfahrzeug.
b) Ein Segelfahrzeug in Fahrt muß ausweichen
i) einen manövrierunfähigen Fahrzeug;
ii) einem manövrierbehinderten Fahrzeug;
iii) einem fischenden Fahrzeug.
c) Ein fischendes Fahrzeug in Fahrt muß, soweit möglich, ausweichen
i) einem manövrierunfähigen Fahrzeug;
ii) einem manövrierbehinderten Fahrzeug.
d)
i) Jedes Fahrzeug mit Ausnahme eines manövrierunfähigen oder manövrierbehinderten muß, sofern die Umstände es zulassen, vermeiden, die sichere Durchfahrt eines tiefgangbehinderten Fahrzeugs zu behindern, das Signale nach Regel 28 zeigt.
ii) Ein tiefgangbehindertes Fahrzeug muß unter Berücksichtigung seines besonderen Zustands mit besonderer Vorsicht navigieren.
e) Ein Wasserflugzeug auf dem Wasser muß sich in der Regel von allen Fahrzeugen gut klar halten und vermeiden, deren Manöver zu behindern. Sobald jedoch die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes besteht, muß es die Regeln dieses Teiles befolgen.
f)
i) Ein Bodeneffektfahrzeug muss sich bei Start, Landung und oberflächennahem Flug von allen Fahrzeugen gut klar halten und vermeiden, deren Manöver zu behindern;
ii)
ein Bodeneffektfahrzeug, das auf der Wasseroberfläche betrieben wird, muss die Regeln dieses Teiles für Maschinenfahrzeuge erfüllen.Englischer Originaltext
Except where Rules 9, 10 and 13 otherwise require:
(a) A power-driven vessel underway shall keep out of the way of:
(i) a vessel not under command;
(ii) a vessel restricted in her ability to maneuver;
(iii) a vessel engaged in fishing;
(iv) a sailing vessel.
(b) A sailing vessel underway shall keep out of the way of:
(i) a vessel not under command;
(ii) a vessel restricted in her ability to maneuver;
(iii) a vessel engaged in fishing.
(c) A vessel engaged in fishing when underway shall, so far as possible, keep out of the way of:
(i) a vessel not under command;
(ii) a vessel restricted in her ability to maneuver.
(d) (i) Any vessel other than a vessel not under command or a vessel restricted in her ability to maneuver shall, if the circumstances of the case admit, avoid impeding the safe passage of a vessel constrained by her draft, exhibiting the signals in Rule 28.
(ii) A vessel constrained by her draft shall navigate with particular caution having full regard to her special condition.
(e) A seaplane on the water shall, in general, keep well clear of all vessels and avoid impeding their navigation. In circumstances, however, where risk of collision exists, she shall comply with the Rules of this Part.
(f) (i) A WIG craft shall, when taking off, landing and in flight near the surface, keep well clear of all other vessels and avoid impeding their navigation;
(ii) A WIG craft operating on the water surface shall comply with the Rules of this Part as a power-driven vessel.2Kernpunkte
- 1.
Maschinenfahrzeug → vier Kategorien; Segelfahrzeug → drei; Fischereifahrzeug → zwei.
- 2.
Fischereifahrzeug weicht soweit wie möglich; tiefgangbeschränktes Fahrzeug bleibt besonders vorsichtig.
- 3.
Tiefgangbeschränkt → Signale nach Regel 28 · besondere Bedingung.
- 4.
Luftfahrzeug auf dem Wasser → freihalten und nicht behindern; Bodeneffektfahrzeug auf dem Wasser = Maschinenfahrzeug.
3Häufige Fehler
Falsch: „Ein Maschinenfahrzeug hat immer Vorrang.“
Richtig: Es hält sich von vier Kategorien frei, sofern Regeln 9, 10 oder 13 nichts anderes verlangen.
Falsch: „Ein durch den Tiefgang beschränktes Fahrzeug lässt immer alle anderen ausweichen.“
Richtig: Fahrzeuge, die nicht unter Kommando stehen oder in ihrer Manövrierfähigkeit behindert sind, sind von dieser Pflicht zur Nichtbehinderung ausgenommen.
Falsch: „Ein Wasserflugzeug hält sich nur bei Kollisionsgefahr frei.“
Richtig: Es hält sich grundsätzlich gut frei und vermeidet Behinderung; bei Kollisionsgefahr befolgt es zusätzlich diese Regeln.
4Prüfungstipps & Auslegung
Prüfungstipps
Prüfungsreihenfolge: Maschinenfahrzeug → nicht unter Kommando, behindert, fischend, segelnd; Segel- und Fischereifahrzeuge haben kürzere Listen.
Achte auf die einleitende Ausnahme: Regeln 9, 10 und 13 können eine andere Maßnahme verlangen.
Bei Tiefgangfragen trenne „wenn die Umstände es zulassen“ von der eigenen Pflicht zu besonderer Vorsicht.
Auslegung
Lies die Liste nach Fahrzeugart: Sie weist im Unterwegszustand eine Ausweichpflicht zu, verleiht aber keinen allgemeinen Vorrang.
Bei einer besonderen Bedingung prüfe zuerst die ausdrückliche Ausnahme in den Regeln 9, 10 und 13.
5Teste dein Wissen
Welche Liste entspricht Regel 18(a)?
Regel 18 anwenden: wann die Ausnahmen gelten
COLREG · USCG NAVCEN · 2026-09-19Ein Segelfahrzeug ist in Sicht auf freiem Wasser und überholt ein gewöhnliches Maschinenfahrzeug. Die relative Peilung liegt mehr als 22,5° achterlicher als querab des anderen Fahrzeugs, und das Segelfahrzeug bleibt überholendes Fahrzeug, bis es endgültig vorbei und klar ist.
Darf das überholende Segelfahrzeug erwarten, dass das Maschinenfahrzeug ihm ausweicht, weil es segelt?
Nein. Regel 13 bestimmt die Überholsituation: Das Segelfahrzeug weicht aus und bleibt verantwortlich, bis es endgültig vorbei und klar ist. Regel 18(a)(iv) hebt diese Pflicht nicht auf und schafft keinen allgemeinen Vorrang für das Segelfahrzeug.
Der einleitende Vorbehalt von Regel 18 lässt Regel 13 für das Überholen maßgebend. Die Einordnung als Segelfahrzeug nach Regel 18 kehrt die besondere Ausweichpflicht des Überholers nicht um und beendet sie nicht, bevor das Fahrzeug endgültig vorbei und klar ist.
Ein Segelfahrzeug ist in Sicht eines Maschinenfahrzeugs, das einem Einbahnweg eines von der IMO festgelegten Verkehrstrennungsgebiets folgt. Das Segelfahrzeug ist nahe dem Einbahnweg und erwägt, einzulaufen oder ihn zu queren. Das Queren ist nicht zur Abwendung einer unmittelbaren Gefahr nötig, und das Segelfahrzeug kann warten, ohne einzulaufen.
Gibt die Einordnung als Segelfahrzeug nach Regel 18 Vorrang, um in den Einbahnweg einzulaufen oder ihn zu queren?
Nein. Das Maschinenfahrzeug auf dem Einbahnweg nicht behindern. Nach Regel 8(f) frühzeitig handeln, um ihm genügend Seeraum zu lassen, und sich klar halten, solange Einlaufen oder Queren vermeidbar ist. Wird das Queren später nötig, dann mit einer Kielrichtung möglichst im rechten Winkel zum Verkehrsfluss. Diese Pflicht, nicht zu behindern, entbindet keines der beiden Fahrzeuge von seinen übrigen Pflichten zur Kollisionsverhütung, wenn Gefahr entsteht.
Regel 18 gilt, soweit nicht Regel 10 etwas anderes bestimmt. Nach Regel 10(j) darf ein Segelfahrzeug die sichere Durchfahrt eines Maschinenfahrzeugs auf dem Einbahnweg nicht behindern; Regel 10(c) regelt das notwendige Queren. Regel 8(f) verlangt frühzeitiges Handeln und lässt die übrigen Pflichten zur Kollisionsverhütung bestehen, wenn Gefahr entsteht. Die Fahrzeugkategorie allein schafft keine Vorrangordnung.
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Geprüft von Ramon Curto, Nautiklehrer am IECNPC · Zuletzt geprüft:
