VHF ist das am häufigsten verwendete Gerät an Bord und das erste, das du beherrschen musst. Es arbeitet im Bereich 156-174 MHz mit direkter Welle: Wenn die Antenne der anderen Funkstelle nicht "in Sicht" ist, kommt dein Signal nicht an.
Geräteteile
Ein maritimes VHF-DSC-Gerät besteht im Kern aus sieben Teilen, die du bei jeder Marke wiedererkennst:
- Transceiver mit Bildschirm und Tastatur.
- Mikrofon mit PTT (Push-To-Talk).
- Kanalwähler (Drehknopf oder numerisch).
- Leistungswahl — hoch (≈25 W) / niedrig (1 W).
- Squelch — unterdrückt Hintergrundrauschen, wenn kein Signal anliegt.
- DSC-Schnittstelle mit rotem DISTRESS-Taster unter Schutzklappe.
- Anschlüsse an GPS (automatische Position) und Antenne.

Wichtige Kanäle
| Kanal | Frequenz | Verwendung | Betriebsart |
|---|---|---|---|
| 16 | 156.800 MHz | Anruf und Seenot per Sprache | Simplex |
| 70 | 156.525 MHz | nur DSC — niemals Sprache | Simplex |
| 6 | 156.300 MHz | Schiff-Schiff-SAR-Koordination | Simplex |
| 13 | 156.650 MHz | Bridge-to-bridge (intership safety) | Simplex |
| 67 | 156.375 MHz | Ergänzender Seenot-/Sicherheitskanal (UK) | Simplex |
| 72 / 77 | 156.625 / 156.875 MHz | Arbeitsverkehr zwischen Schiffen | Simplex |
Was macht DSC genau?
Digital Selective Calling ist eine kurze Datenmeldung auf Kanal 70, die:
- 1An eine bestimmte MMSI gerichtet ist (ein Fahrzeug, eine Küstenfunkstelle oder "all ships" über eine besondere 9-stellige MMSI).
- 2Die Kategorie des Verkehrs ankündigt: Routine, Sicherheit, Dringlichkeit oder Seenot.
- 3Den Arbeitskanal angibt, auf dem der Sprechfunk fortgesetzt wird.
- 4Bei Seenot MMSI + Position + UTC-Zeit + Art der Seenot enthält.
Der Empfänger verarbeitet dies automatisch: Er überwacht Kanal 70 ständig still und "weckt" den Funker nur, wenn der Ruf an seine MMSI gerichtet ist oder allgemeine Seenot/Dringlichkeit betrifft.
VHF-DSC-Seenotalarmverfahren
Die offizielle Reihenfolge besteht aus 5 Schritten. Du musst sie ohne Nachdenken ausführen können — in der praktischen Prüfung werden die ersten beiden gestoppt.
- 1Rote Schutzklappe über dem DISTRESS-Taster öffnen.
- 23-5 Sekunden drücken und halten, bis das Gerät die Aussendung bestätigt. Wenn Zeit bleibt, im Menü die nature of distress vorwählen (Feuer, Wassereinbruch, Kollision usw.).
- 3Das Gerät sendet den Alarm auf Kanal 70 mit MMSI, Position, UTC-Zeit und Art der Seenot.
- 4Nach dem Alarm schaltet das Gerät automatisch auf Kanal 16 für den Sprechfunk.
- 5Das Mayday per Sprache aussenden mit: Identifikation, Position, Art der Seenot, Anzahl Personen an Bord und benötigter Hilfe.

Aufhebung eines Fehlalarms
Wenn ein Alarm versehentlich ausgelöst wird (Taster unbeabsichtigt gedrückt, Übung falsch konfiguriert), muss er sofort auf zwei Wegen aufgehoben werden:
- 1Per DSC: Aufhebungsmeldung senden, wenn das Gerät dies unterstützt.
- 2Per Sprache, auf Kanal 16, mit der Formel:
> All stations, all stations, all stations, this is [vessel name, MMSI, callsign]. Cancel my distress alert of [UTC time]. Out.
STCW-Blick der Brückenwache
Kläre vor dem Manövrieren die Anwendbarkeit: Die Regeln 4-10 der KVR gelten bei jeder Sicht, die Regeln 11-18 nur für Fahrzeuge in Sicht voneinander, und Regel 19 regelt reine Radarkontakte bei verminderter Sicht.
Baue das Verkehrsbild mit Auge, Ohr, Radar/ARPA und Kartenkontext auf.
Lass AIS oder eine einzelne Peilung niemals die systematische Beobachtung ersetzen.
Überwache nach dem Manöver weiter Peilung, Abstand, CPA/TCPA und Passierabstand, bis das andere Fahrzeug endgültig klar vorbei ist.
Prüfungsfokus
Beginne jedes Szenario mit der Einordnung der Begegnung: Überholen, entgegengesetzte Kurse, kreuzende Kurse, enges Fahrwasser, Verkehrstrennungsgebiet oder verminderte Sicht.
Scheinen zwei Regeln zu kollidieren, prüfe die Rangfolge genau: Die Pflichten des überholenden Fahrzeugs bleiben bestehen, und Regel 2 verlangt weiterhin gute Seemannschaft.
Wichtige Erkenntnisse
Kanal 70 ist nur DSC; Kanal 16 ist Sprache.
Der DSC-Alarm ersetzt das Mayday per Sprache NICHT — er geht ihm voraus.
Ein versehentlicher Alarm muss sofort per Sprache aufgehoben werden.
Hohe Leistung nur bei Bedarf verwenden: im Hafen niedrige Leistung.
Häufige Fehler
Sprache auf Kanal 70 zu senden.
Das Mayday per Sprache nach dem DSC-Alarm zu vergessen.
Einen Fehlalarm nicht aufzuheben.
Falsche oder nicht programmierte MMSI.
Teste dein Wissen
Teste dein Wissen und beweise dein Können.
Weitere Regeln in diesem Teil
- Modul 5 — NBDP / RadiotelexSchriftliche MF/HF-Kommunikation: ARQ- gegenüber FEC-Betriebsarten, heutige Einordnung von NBDP im GMDSS und seine Grenzen.
- Modul 6 — Inmarsat C und EGCInmarsat-C-Satellitenterminal: Login, Positionsaktualisierung, Nachrichtenprioritäten, Seenotalarme und MSI-Empfang über EGC / SafetyNET.
- Modul 7 — NAVTEX und Maritime Safety InformationNAVTEX-Empfänger auf 518 / 490 kHz, Stationskennung, Filterung abweisbarer Meldungen und operative Auswertung von Navigations- und Wetterwarnungen.
- Modul 8 — EPIRB / 406-MHz-Bake406-MHz-Cospas-Sarsat-Bake: manuelle und automatische Aktivierung, hydrostatische Auslösung, zugelassene Selbsttests und Behandlung von Fehlalarmen.
Zuletzt geprüft: