Rechenbeispiel
- Wassertiefe bei Hochwasser
- 5 m
- Bugrolle über Wasser (m)
- 1 m
- Bootslänge (m)
- 10 m
- Längenverhältnis (:1)
- 4:1
Auszubringende Länge: (5 + 1) × 4 = 24 m
Ungefährer Schwojradius: 24 + 10 = 34 m
So funktioniert es
Nimm die größte während deines Aufenthalts erwartete Wassertiefe und addiere die Höhe der Bugrolle über Wasser. Kennst du die aktuelle Tiefe, addiere nur den noch ausstehenden Gezeitenanstieg, nicht erneut den gesamten Tidenhub. Prüfe, ob das Echolot die Tiefe unter dem Kiel, unter dem Geber oder ab der Wasseroberfläche anzeigt, und korrigiere den Wert entsprechend. Kontrolliere außerdem, dass bei Niedrigwasser genügend Wasser unter dem Kiel bleibt. Berücksichtige dabei auch möglichen Wellengang am Ankerplatz.
Multipliziere diesen senkrechten Abstand mit dem gewählten Verhältnis. Das Werkzeug startet mit 4:1 für Kette und 7:1 für Kette mit Leine: verbreitete Faustregeln für geschützte Verhältnisse, keine Vorschriften oder Garantien. Veröffentlichte Empfehlungen unterscheiden sich: PBO nennt die dreifache maximale Tiefe für Kette, die fünffache für gemischtes Geschirr und die siebenfache für Leine; BoatUS empfiehlt 7:1. Stecke mehr, wenn Wetter, Grund oder Hersteller es erfordern und genügend Platz bleibt. Das Kettengewicht gewährleistet bei starkem Wind keinen waagerechten Zug am Anker. Der RYA-Leitfaden Anchoring with Care nennt die vierfache maximale Hochwassertiefe für Kette und die sechsfache für gemischtes Geschirr; unser Startwert 7:1 folgt der allgemeinen BoatUS-Empfehlung.
Im Beispiel beträgt die Hochwassertiefe 5 m, die Bugrollenhöhe 1 m. Bei 4:1 bringst du (5 + 1) × 4 = 24 m aus. Für ein 10 m langes Boot ergibt sich ein vorsichtiger Planungsradius von ungefähr 24 + 10 = 34 m um den Anker, nicht um den jetzigen Bootsstandort. Ein Rumpfpunkt in 40 m Entfernung liegt momentan außerhalb, mit rechnerisch 6 m Reserve. Diese Reserve berücksichtigt weder die Bewegung des Nachbarn noch Messfehler oder ein Schleppen des Ankers.
Wähle einen erlaubten, geschützten Platz mit geeignetem Grund und Raum für Wind- und Stromwechsel. Fiere den Anker kontrolliert, lege die Kette ohne Haufen aus und fahre ihn sanft rückwärts ein. Überwache Peilungen oder einen Ankeralarm. Ankern und Gezeitenplanung gehören zum RYA Day Skipper; beim Lernen solltest du Tiefenbezug und Verhältnis erklären können. Für die KVR-Fragen im SBF See wiederhole die Lichter und Signalkörper nach Regel 30 sowie Schallsignale nach Regel 35. Die Ausnahmen richten sich nach der Fahrzeuglänge.
Welcher Grund hält?
- Sand: oft guter Halt bei eingegrabenem Anker; fester Sand kann das Eindringen erschweren.
- Schlick: wechselnder Halt; sehr weicher Schlick kann größere Flunken und mehr Länge erfordern.
- Ton: kann nach dem Eindringen gut halten, harter Ton erschwert jedoch das Eingraben.
- Bewuchs: unzuverlässig, wenn der Anker nur Pflanzen greift; geschützte Seegrasflächen meiden.
- Fels: unberechenbarer Halt und Verklemmungsgefahr; möglichst einen anderen Platz wählen.
Ankertypen
- Pflug / CQR: vielseitig auf geeignetem Grund; das Gelenk kann das Eingraben in festen Boden verzögern.
- Delta: Pflug mit festem Schaft, der in Sand gut greifen kann; keine Garantie bei Bewuchs oder Fels.
- Bruce / Klauenanker: greift oft rasch in Sand und Schlick; die Haltekraft je Gewicht hängt vom Grund ab.
- Rocna / Schaufelanker: für schnelles Greifen und Eingraben ausgelegt; Bewuchs und harter Boden können dies verhindern.
- Danforth / Plattenanker: große Flunken können in Sand und Schlick gut halten; weniger geeignet für Fels oder Bewuchs, muss nach Zugwechsel eventuell neu greifen.