Seekrankheit: Ursachen und Vorbeugung
1Die Lektion in einfachen Worten
Seekrankheit entsteht, wenn Augen und Gleichgewichtsorgane unterschiedliche Bewegungen melden. Sie ist keine Schwäche, aber ein Sicherheitsproblem.
Warum sie entsteht
Dein Innenohr nimmt Bewegungen wahr. Unter Deck sehen deine Augen eine scheinbar ruhige Kajüte. Das Innenohr spürt aber das Rollen und Stampfen des Bootes: Es neigt sich seitlich hin und her, und der Bug hebt und senkt sich. Das Gehirn erhält widersprüchliche Meldungen. Daraus entsteht Seekrankheit: Gähnen, kalter Schweiß, blasse Haut, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Unter passenden Bedingungen kann es fast jeden treffen, auch erfahrene Segler.
Warum sie gefährlich ist
Seekrankheit ist mehr als unangenehm. Betroffene frieren, werden müde und verlieren Flüssigkeit. Sie denken langsamer und kümmern sich womöglich nicht mehr um Sicherheit. Wer sich zum Erbrechen über die Reling beugt, kann über Bord fallen. Ein seekranker Skipper trifft schlechte Entscheidungen. Die meisten gewöhnen sich nach zwei oder drei Tagen auf See an die Bewegung, manche jedoch nie vollständig.
Vorbeugung an Deck
Bleibe an Deck an der frischen Luft und schaue auf den Horizont. Steuern kann helfen, die Bewegungen vorauszuahnen. Übernimm das Ruder aber nur, wenn du wach und einsatzfähig bist. Setze dich tief und nahe der Bootsmitte (mittschiffs) hin. Dort bewegt sich das Boot am wenigsten. Halte dich warm und trocken. Meide Dieselabgase und starke Gerüche.
Vor und während des Törns
Schlafe in der Nacht davor gut. Meide Alkohol und schwere oder fettige Speisen. Iss häufig kleine, einfache Mahlzeiten und Snacks. Trinke regelmäßig kleine Mengen. Lege dich unter Deck mit geschlossenen Augen hin. Vermeide Lesen, Bildschirme und Kartenarbeit unter Deck, wenn dir übel ist. Ingwer und Akupressur-Armbänder helfen manchen Menschen. Ihre Wirksamkeit ist jedoch nur schwach belegt.
Seekranke betreuen
Lass Betroffene möglichst an Deck bleiben. Sie tragen einen Sicherheitsgurt und sind mit einer Sicherungsleine an einem geeigneten festen Anschlagpunkt eingepickt. Beaufsichtige sie und gib ihnen einen Eimer im Cockpit (offener Sitzbereich). Lass sie sich nicht über die Leereling (Reling an der windabgewandten Seite) beugen. Gib häufig kleine Schlucke Wasser. Bei starkem Unwohlsein können sie sich unter Deck warm und gegen Verrutschen abgestützt mit einem Eimer hinlegen. Lass sie an Deck nicht allein.
2Wichtige Daten
- Ursache
- Augen und Innenohr senden unterschiedliche Meldungen
- Frühe Anzeichen
- Gähnen, kalter Schweiß, Blässe, Kopfschmerzen
- Gewöhnung
- Bei den meisten nach 2–3 Tagen auf See
- Bester Platz
- An Deck, tief und mittschiffs, mit Blick zum Horizont
3Kernpunkte
- 1
Seekrankheit entsteht durch widersprüchliche Signale von Augen und Innenohr.
- 2
Ein Sicherheitsproblem: Kälte, Müdigkeit, Flüssigkeitsmangel und Gefahr, über Bord zu fallen.
- 3
Tief nahe der Bootsmitte zum Horizont schauen. Nur wach und einsatzfähig steuern.
- 4
Ruhe, kein Alkohol, kleine einfache Mahlzeiten, regelmäßig kleine Trinkmengen.
- 5
Seekranke bleiben eingepickt und beaufsichtigt. Zum Erbrechen bekommen sie einen Eimer.
4Häufige Fehler
Falsch: Geh zum Ausruhen unter Deck und lies, bis es dir besser geht.
Richtig: Lesen unter Deck verstärkt die Beschwerden. Schau an Deck zum Horizont oder lege dich mit geschlossenen Augen hin.
Falsch: Lass ein seekrankes Crewmitglied ungesichert über die Leereling hängen.
Richtig: Sichere die Person mit einer Sicherungsleine, beaufsichtige sie und gib ihr einen Eimer im Cockpit.
Falsch: Erfahrene Segler werden nie seekrank.
Richtig: Unter passenden Bedingungen kann jeder seekrank werden. Plane das auf jedem Törn ein.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Nach zwei Stunden Überfahrt in unruhiger See kommt eine Mitseglerin vom Navigieren am Kartentisch unter Deck hoch: blass, schwitzend und gähnend. Sie fühlt sich elend und möchte sich aufs Vorschiff legen.
Antwort zeigen
Sie wird seekrank. Lass sie im Cockpit bleiben, nicht auf dem Vorschiff, eingepickt und tief nahe der Bootsmitte. Bitte sie, zum Horizont zu schauen. Biete ihr das Ruder an, wenn sie sich dazu in der Lage fühlt. Gib kleine Schlucke Wasser und einen schlichten Keks. Halte sie warm und gib ihr einen Eimer. Übernimm selbst die Navigation.
Prüfungstipps
- Ursache: widersprüchliche Bewegungssignale von Augen und Innenohr.
- Sicherheitsproblem: Kälte, Müdigkeit, Flüssigkeitsmangel, schlechtes Urteilsvermögen, Überbordfallen.
- Vorbeugung: an Deck, Horizont, nur einsatzfähig steuern, tief und mittschiffs, Ruhe, kein Alkohol, kleine Mahlzeiten.
- Seekranke Crew: eingepickt, beaufsichtigt, Eimer, kleine Schlucke.
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