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Synoptische Karten lesen: Isobaren, Wind und das kommende Wetter

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Meteorologie≈ 3 Min. Lesezeit

Bodenwind: Reibung, Rechtsdrehen und Rückdrehen

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Reibung bremst den Bodenwind und lenkt ihn zum Tief hin ab: auf der Nordhalbkugel rückgedreht, auf der Südhalbkugel rechtsgedreht.

Reibung bremst und dreht

Nahe der Oberfläche bremst Reibung den Wind. Damit nimmt die Corioliskraft ab, und der Wind kreuzt die Isobaren zum tiefen Druck hin. Rückdrehen bedeutet, dass sich die Richtung, aus der der Wind kommt, gegen den Uhrzeigersinn ändert; Rechtsdrehen bedeutet im Uhrzeigersinn. Gegenüber dem geostrophischen Wind ist der Bodenwind auf der Nordhalbkugel (NH) rückgedreht und auf der Südhalbkugel (SH) rechtsgedreht.

Über See

Die Meeresoberfläche ist glatt, die Reibung daher relativ gering. Auf der Nordhalbkugel ist der Bodenwind über offener See etwa 10–20° rückgedreht und erreicht etwa zwei Drittel bis drei Viertel der geostrophischen Geschwindigkeit. Über Land ist die Reibung größer: etwa 30° oder mehr rückgedreht und oft nur halb so schnell.

Die Schichtung verändert den Wind

Bei labiler Luft, etwa kalter Luft über wärmerem Wasser, bringt Durchmischung schnelle Luft von oben nach unten. Der Bodenwind ist stärker und böig, mit kleinerem Ablenkwinkel zum Tief hin. Bei stabiler Luft, etwa warmer Luft über kälterem Wasser, ist der Bodenwind schwächer und stärker abgelenkt. Knapp über dem Mast kann er aber stark bleiben.

Rechenbeispiel (Nordhalbkugel)

Die Karte ergibt einen geostrophischen Wind von 30 Knoten aus 270°. Über offener See erwartest du etwa 20–23 Knoten, Windstärke 5 bis 6, aus etwa 250–260°. Stabile Luft kann den Bodenwind weiter abschwächen. Küsteneffekte können ihn verstärken oder abschwächen; Schauerböen können fast 30 Knoten erreichen.

Über die Küste hinweg (Nordhalbkugel)

Wind vom Land trifft über See auf weniger Reibung: Er dreht rechts und wird stärker. Auflandiger Wind dreht rück und wird schwächer. Stehst du mit dem Rücken zu einem küstenparallel wehenden Wind, drängt Land zu deiner Rechten die Strömung zusammen: stärkerer Wind nahe der Küste. Land zu deiner Linken lässt sie auseinanderströmen: schwächerer Wind. Zusammenströmen heißt Konvergenz, Auseinanderströmen Divergenz.

2Wichtige Daten

Über See (NH)
~10–20° rückgedreht; etwa 2/3 bis 3/4 der geostrophischen Geschwindigkeit
Über Land (NH)
~30° oder mehr rückgedreht; oft etwa halbe Geschwindigkeit
Südhalbkugel
Bodenwind gegenüber geostrophischem Wind rechtsgedreht, nicht rückgedreht
Beispiel (NH)
Geostrophisch 270°/30 kn → über See ~255°, 20–23 kn
Ablandiger Wind (NH)
Dreht über See rechts und wird stärker
Entlang einer Küste (NH)
Rücken zum Wind, Land rechts: stärker; Land links: schwächer

3Kernpunkte

  1. 1

    Reibung lenkt den Bodenwind zum Tief hin ab.

  2. 2

    Nordhalbkugel: Bodenwind rückgedreht; Südhalbkugel: rechtsgedreht.

  3. 3

    Über See (NH): etwa 10–20° rückgedreht, etwa zwei Drittel bis drei Viertel der geostrophischen Geschwindigkeit.

  4. 4

    Labile Luft: stärker und böig; stabile Luft: schwächer an der Oberfläche.

  5. 5

    Ablandiger Wind dreht über See rechts und wird stärker (NH).

4Häufige Fehler

  • Falsch: Der Bodenwind über See entspricht dem geostrophischen Wind aus der Karte.

    Richtig: Verringere ihn auf etwa zwei Drittel bis drei Viertel und drehe ihn 10–20° rück (NH). Berücksichtige dann Böen.

  • Falsch: Reibung dreht den Wind auf beiden Halbkugeln rück.

    Richtig: Reibung lenkt den Wind zum Tief hin ab. Im Norden ist das Rückdrehen, im Süden Rechtsdrehen.

  • Falsch: Windstille im Hafen bedeutet Windstille auf See.

    Richtig: Windschutz kann im Hafen Windgeschwindigkeit und Windrichtung verändern. Schätze den Wind auf offener See anhand der Karte und der amtlichen Vorhersage ab.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Die Karte über dem Golfe du Lion zeigt einen geostrophischen Wind von 45 Knoten aus 320°. Kalte Luft strömt über wärmeres Wasser. Welchen Bodenwind erwartest du auf See?

Antwort zeigen

Die übliche Korrektur ergibt etwa 30–34 Knoten, Windstärke 7–8, aus 300–310°. Kalte Luft über wärmerem Wasser fördert die Durchmischung. Der Mittelwind kann daher stärker und weniger rückgedreht sein, also näher an 320° liegen. Böen können 45 Knoten erreichen oder überschreiten; die Karte allein kann sie nicht vorhersagen. Prüfe die amtliche Wind- und Böenvorhersage.

Prüfungstipps

  • Bodenreibung bremst den Wind und lenkt ihn zum Tief hin ab (NH: rückgedreht, SH: rechtsgedreht).
  • Über See (NH): ungefähr 10–20° rückgedreht und 2/3–3/4 der geostrophischen Geschwindigkeit; über Land stärker rückgedreht und langsamer.
  • Ablandiger Wind dreht über See rechts und wird stärker (NH); auflandiger Wind dreht rück und wird schwächer.

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