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Gezeitenströme: Stromatlanten, Stromrauten und die Zeitplanung des Törns

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Wind gegen Strom

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Weht der Wind gegen den Strom, werden Wellen kürzer, steiler und brechen. Plane mit den Stunden, in denen Wind und Strom gleichgerichtet sind.

Was geschieht?

Wellen laufen mit dem Wind. Läuft der Strom ihnen entgegen, heißt das Wind gegen Strom. Die Wellen werden kürzer und steiler, und mehr Wellen brechen. Bei starkem Strom kann mäßiger Wind eine für kleine Boote gefährliche See erzeugen. Laufen Wind und Strom gleichgerichtet, sind die Wellen länger und niedriger.

Richtungen richtig benennen

Wind wird danach benannt, woher er kommt. Die Stromrichtung sagt, wohin er fließt. Westwind weht nach Osten. Ein Strom mit Richtung 090°T läuft also mit ihm, ein Strom mit Richtung 270°T gegen ihn.

Wo ist es am schlimmsten?

Der Effekt wächst mit der Stromgeschwindigkeit. Am stärksten ist er, wenn der örtliche Strom gegen den Wind am schnellsten fließt. Prüfe die örtlichen Werte. Springzeit, Kaps, Engstellen und Untiefen (flache Stellen) können ihn verstärken. Eine Barre ist eine flache Schwelle quer vor einer Flussmündung. Ein Strom, der einlaufender Dünung von See entgegenläuft, macht sie steiler, selbst bei wenig Wind. Meide das Queren einer Barre bei Ebbstrom und auflandigem Wind oder auflandiger Dünung.

Planung

Vergleiche für jede Passagestunde die Windvorhersage mit dem Stromatlas. Markiere die Stunden, in denen sich beide an Gefahrenstellen entgegenstehen. Verschiebe die Abfahrt, wähle eine Route abseits von Stromschnellen und Barren oder warte auf Nippzeit oder weniger Wind. Mitlaufender Strom gegen den Wind bringt Fahrt, aber raue See. Gegenstrom mit dem Wind bringt ruhigere See, aber langsames Vorankommen. Halte deine Wahl und den Grund im Plan fest.

2Wichtige Daten

Wind gegen Strom
Kürzere, steilere, brechende See
Am schlimmsten
Stärkster Strom gegen den Wind; Springzeit, Kaps, Engstellen, Untiefen und Barren
Windrichtung
WOHER der Wind weht
Stromrichtung
WOHIN das Wasser fließt
Barre queren
Ebbstrom bei auflandigem Wind oder auflandiger Dünung meiden

3Kernpunkte

  1. 1

    Wind gegen Strom erzeugt kurze, steile, brechende See. Mit dem Wind ist die See ruhiger.

  2. 2

    Wind heißt woher, Strom wohin: Westwind und ein 090°T-Strom sind gleichgerichtet.

  3. 3

    Am schlimmsten nahe dem stärksten Strom gegen den Wind, besonders zur Springzeit, vor Kaps, in Engstellen und über Barren.

  4. 4

    Plane Abfahrt und Route so, dass Wind und Strom an Gefahrenstellen nicht entgegengesetzt sind.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Westwind und ein Strom mit Richtung 090°T sind entgegengesetzt.

    Richtig: Beide laufen nach Osten. Westwind steht einem Strom mit Richtung 270°T entgegen.

  • Falsch: Wind gegen Strom zählt nur bei Sturm.

    Richtig: Bei starkem Strom können mäßiger Wind oder Dünung von See für gefährlichen Seegang ausreichen.

  • Falsch: Mit gutem Motor kannst du eine Barre bei jedem Gezeitenstand queren.

    Richtig: Befolge örtliche Hinweise zur Barre. Du brauchst genug Tiefe, passenden Strom und keine brechende See. HW garantiert kein Stillwasser.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Vorhersage: West, Stärke 5. Du fährst nach Osten um ein Kap mit einer Stromschnelle. Dort setzt der Strom von HW−6 bis HW am Bezugsort nach 270°T und von HW bis HW+6 nach 090°T. Wann ist die Stromschnelle am schlimmsten, und wann umrundest du das Kap?

Antwort zeigen

Westwind steht dem 270°T-Strom von HW−6 bis HW entgegen. Prüfe im Atlas die Geschwindigkeiten für die stärksten Stunden. Nach HW läuft der 090°T-Strom mit Wind und Kurs. Sofern örtliche Hinweise und Seegang es zulassen, plane die Passage zu Beginn dieses Stroms und halte Abstand zur Stromschnelle.

Prüfungstipps

  • Wind gegen Strom: kurze, steile, brechende See.
  • Wind heißt woher; Stromrichtung wohin.
  • Am schlimmsten nahe dem stärksten Strom gegen den Wind, besonders zur Springzeit, vor Kaps, in Engstellen und über Barren.
  • Ein Strom gegen die Laufrichtung der Dünung macht sie steiler. Meide Barren bei Ebbstrom und auflandiger Dünung.

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