Tauwerksfasern: Nylon, Polyester, Polypropylen und HMPE
1Die Lektion in einfachen Worten
Die Faser bestimmt, wie sich eine Leine dehnt, ob sie schwimmt und wie sie altert. Wähle Dehnung zum Abfedern plötzlicher Lasten und wenig Dehnung zur Segelkontrolle.
Nylon
Nylon (Polyamid) ist fest und dehnt sich unter Last stark. Diese Dehnung fängt Rucklasten auf. Deshalb eignet sich Nylon für Ankerleinen (Leinen zwischen Boot und Anker), Festmacher und Schleppleinen. Nass verliert es etwas Festigkeit. Lange Sonneneinstrahlung schadet ihm. Es sinkt.
Polyester
Polyester ist fast so fest wie Nylon, dehnt sich aber weniger. Es behält nass seine Festigkeit und widersteht Sonnenlicht gut. Es ist das Allzwecktauwerk auf Yachten: für Schoten (Leinen zum Einstellen der Segel), Fallen (Leinen zum Hochziehen der Segel) auf Fahrtenbooten, andere Bedienleinen und auch Festmacher. Es sinkt.
Polypropylen
Polypropylen ist leicht, günstig und schwimmt. Deshalb nutzt man es für Rettungsleinen, Beiboot-Vorleinen und Sorgleinen (pick-up lines), mit denen du eine Festmacherleine an Bord holst. Es ist weniger fest, schmilzt bei niedriger Temperatur und wird im Sonnenlicht schnell geschädigt. Vertraue einer alten, ausgeblichenen Polypropylenleine niemals eine Last an.
HMPE
HMPE (hochmoduliges Polyethylen, als Dyneema oder Spectra erhältlich) ist gemessen am Gewicht sehr fest und dehnt sich kaum. Es eignet sich für Fallen und andere Segelbedienleinen, bei denen geringe Dehnung zählt. Grenzen: Es kriecht (verlängert sich unter Dauerlast langsam), schmilzt durch Reibungswärme schon bei niedriger Temperatur und ist glatt. Viele Knoten halten darin schlecht. Es schwimmt.
Weitere Fasern
Aramidfasern, etwa Kevlar und Technora, dehnen sich sehr wenig. Sie brauchen aber Schutz vor Sonnenlicht und wiederholtem engem Biegen. LCP (Flüssigkristallpolymer), etwa Vectran, dehnt sich wenig und kriecht kaum. PBO (Polyphenylenbenzobisoxazol), als Zylon erhältlich, ist fest, aber besonders empfindlich gegen Sonnenlicht und Feuchtigkeit. Diese Spezialfasern sind teuer. Naturfasern wie Manila und Hanf können bei nasser Lagerung verrotten.
2Wichtige Daten
- Nylon
- Hohe Dehnung: Ankern, Festmachen, Schleppen; sinkt
- Polyester
- Wenig Dehnung, UV-beständig: Schoten, Fallen, Allzwecktauwerk
- Polypropylen
- Schwimmt; wenig fest, sonnenempfindlich: Rettungsleinen
- HMPE (Dyneema)
- Sehr fest, sehr wenig Dehnung; kriecht, glatt
3Kernpunkte
- 1
Nylon dehnt sich am stärksten: Nutze es zum Auffangen von Rucklasten.
- 2
Polyester ist das Allzwecktauwerk auf Yachten: wenig Dehnung, sonnenbeständig.
- 3
Polypropylen schwimmt, ist aber wenig fest und wird im Sonnenlicht geschädigt.
- 4
HMPE ist sehr fest und dehnt sich kaum. Kriechen und Reibungswärme begrenzen seinen Einsatz.
4Häufige Fehler
Falsch: Verwende dehnungsarmes HMPE als Ankerkettenentlastung.
Richtig: Eine Ankerkettenentlastung ist eine kurze, dehnbare Leine, die plötzliche Lasten auf der Ankerkette abfedert. Nimm Nylon.
Falsch: Polypropylen eignet sich zum Festmachen, weil es schwimmt.
Richtig: Schwimmfähigkeit allein macht noch keinen geeigneten Festmacher. Prüfe die angegebene Festigkeit, Dehnung, Beständigkeit gegen Schamfilen (Verschleiß durch Reiben) und den Schutz vor UV-Strahlung (Sonnenlicht).
5Praxisfall & Prüfungstipps
Du kaufst neue Leinen für eine 10 m lange Fahrtenyacht: zwei Festmacher, eine Ankerkettenentlastung, eine Großschot und eine Leine für den Rettungswurfbeutel. Welche Faser wählst du jeweils?
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Festmacher: Nylon zum Abfedern bei Schwell oder Polyester für weniger Dehnung im ruhigen Yachthafen. Ankerkettenentlastung: Nylon wegen seiner Dehnung. Großschot: Polyester wegen geringer Dehnung und guter Handhabung. Wurfbeutel: Polypropylen, weil es an der Oberfläche schwimmt, wo die Person im Wasser es erreichen kann.
Prüfungstipps
- Nylon: größte Dehnung; Ankerleinen und Festmacher.
- Polyester: wenig Dehnung, UV-beständig; Schoten und Fallen.
- Polypropylen: schwimmt; Rettungsleinen; sonnenempfindlich.
- HMPE: sehr wenig Dehnung, kriecht, niedriger Schmelzpunkt.
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