Zwei Mittagsbeobachtungen durchgerechnet
1Die Lektion in einfachen Worten
Eine Novemberbeobachtung vor Westafrika mit ungleichnamigen und eine Maibeobachtung nahe den Azoren mit gleichnamigen Werten, beide mit echten Almanachwerten für 2026.
Beispiel 1: die Daten
26. November 2026, Koppelort 21°10′N 027°45′W, Kurs nach Westen. Mittag um 1338 UT. Sonnenunterrand, Sextantenhöhe beim Meridiandurchgang Hs 47°31,4′, Sonne im Süden. Indexfehler (IE) 1,8′ hinter Null, also auf der negativen Skalenseite, Augeshöhe 2,5 m. Dec um 1338 UT: S 21°00,2′.
Beispiel 1: das Ergebnis
Ho = 47°45,8′, wie in der Sextant-Lektion berichtigt. ZD = 90° − 47°45,8′ = 42°14,2′, mit N bezeichnet, da die Sonne im Süden steht. Dec S: ungleichnamig, subtrahieren: 42°14,2′ − 21°00,2′ = 21°14,0′N. Die Koppelbreite war 21°10′N: Du bist 4 M nördlich davon.
Beispiel 2: die Daten
13. Mai 2026, Koppelort 37°50′N 035°20′W, auf dem Weg zu den Azoren. Beim Meridiandurchgang steht die Sonne im Süden. Die wahre Höhe Ho ist 70°42,8′, die Deklination N 18°28,8′.
Beispiel 2: das Ergebnis
ZD = 90° − 70°42,8′ = 19°17,2′, mit N bezeichnet. Dec N: gleichnamig, addieren: 19°17,2′ + 18°28,8′ = 37°46,0′N, 4 M südlich des Koppelorts. Der Online-Almanach des US Naval Observatory berechnet für diese Breiten Höhen von 47°45,8′ und 70°42,8′: eine Kontrolle beider Beispiele.
Die Anwendung
Die Mittagsbreite ist eine Ost-West-Standlinie. Sie zeigt dir, wie weit nördlich oder südlich du bist, liefert aber keine Länge. Früher steuerten Navigatoren erst die Breite einer Insel an und segelten dann darauf nach Osten oder Westen: Breitensegeln.
2Wichtige Daten
- Beispiel 1: Daten
- 26. Nov. 2026: Ho 47°45,8′, Sonne S, Dec S 21°00,2′
- Beispiel 1: Breite
- ZD 42°14,2′ N − Dec 21°00,2′ S = 21°14,0′N
- Beispiel 2: Daten
- 13. Mai 2026: Ho 70°42,8′, Sonne S, Dec N 18°28,8′
- Beispiel 2: Breite
- ZD 19°17,2′ N + Dec 18°28,8′ N = 37°46,0′N
- Standlinie
- Die Mittagsbreite verläuft in Ost-West-Richtung
3Kernpunkte
- 1
Bsp. 1 (ungleichnamig): 42°14,2′ N − 21°00,2′ S = 21°14,0′N.
- 2
Bsp. 2 (gleichnamig): 19°17,2′ N + 18°28,8′ N = 37°46,0′N.
- 3
Bezeichne ZD vor der Rechnung immer anhand der Sonnenpeilung.
- 4
Die Mittagsbreite ist eine Ost-West-Standlinie.
4Häufige Fehler
Falsch: Addiere im November vor Afrika Dec, weil Breite und ZD beide nördlich sind.
Richtig: Vergleiche ZD mit Dec: ZD N, Dec S, also ungleichnamig und daher subtrahieren.
Falsch: Eine Mittagsbeobachtung liefert einen vollständigen Standort.
Richtig: Sie liefert nur die Breite, eine Ost-West-Standlinie. Wie du Standlinien kombinierst, erfährst du unter Astronavigation: Auswertung von Gestirnsbeobachtungen.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Am 26. November 2026 berechnet dein Mitsegler aus der Mittagsbeobachtung 63°14,4′N. Der Koppelort liegt auf 21°10′N. Finde den Fehler und das richtige Ergebnis mit Ho 47°45,8′ und Dec S 21°00,2′.
Antwort zeigen
63°14,4′ ist ZD + Dec: Dein Mitsegler hat südliche Dec zu nördlicher ZD addiert. ZD = 42°14,2′, mit N bezeichnet, weil die Sonne im Süden stand. Dec hat die Bezeichnung S: ungleichnamig, also subtrahieren: 42°14,2′ − 21°00,2′ = 21°14,0′N. Das liegt nur 4 M vom Koppelort entfernt: eine weitere Kontrolle.
Prüfungstipps
- Ungleichnamig: kleineren Betrag vom größeren abziehen; Bezeichnung des größeren behalten.
- Gleichnamig: Beträge addieren und die gemeinsame Bezeichnung behalten.
- Vergleiche das Ergebnis mit dem Koppelort; bei großer Abweichung nachrechnen.
- Breitensegeln: erst die Zielbreite erreichen, dann nach Osten oder Westen segeln.
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