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Radar und Kollisionsverhütung: Regeln 7, 8 und 19 im Detail

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KVR≈ 3 Min. Lesezeit

Besteht Kollisionsgefahr? Regel 7 mit Radar

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Nutze alle verfügbaren Mittel und plotte, statt zu raten. Nimm im Zweifel Gefahr an. Eine stehende Peilung ist das klassische Warnzeichen.

Alle verfügbaren Mittel

Regel 7(a): Jedes Fahrzeug nutzt alle den Umständen angemessenen verfügbaren Mittel, um festzustellen, ob Kollisionsgefahr besteht. Im Zweifel ist diese Gefahr anzunehmen. Du brauchst keinen Gefahrenbeweis, bevor du handelst. Erst wenn Sicherheit feststeht, kannst du dich entspannen.

Die stehende Peilung

Ändert sich die Kompasspeilung zu einem näher kommenden Fahrzeug nicht merklich, ist Kollisionsgefahr anzunehmen (Regel 7(d)(i)). Eine Kompasspeilung bezieht sich auf Nord. Nutze sie statt einer Peilung relativ zum Bug, wenn sich dein eigener Steuerkurs ändert. Eine kleine Peilungsänderung allein beweist keine Sicherheit.

Wenn Peilungsänderungen täuschen

Auch bei merklicher Peilungsänderung kann Gefahr bestehen (Regel 7(d)(ii)), besonders bei sehr großen Fahrzeugen, einem Schleppzug, also Schlepper mit Anhang, oder auf kurze Entfernung. Eine sich ändernde Peilung zum Bug oder Schlepper beweist nicht, dass du das ganze Fahrzeug oder den Schleppzug frei passierst. Im Nahbereich kann der Passierabstand trotz merklicher Peilungsänderung zu klein bleiben, selbst wenn niemand den Kurs ändert. Beobachte auch die Entfernung.

Unzureichende Informationen

Triff keine Annahmen auf Grundlage unzureichender Informationen, besonders unzureichender Radarinformationen (Regel 7(c)). Eine einzelne Beobachtung, ein kurzer Blick auf eine Echospur oder ein AIS-Wert allein beweist keine Sicherheit. Mehrere Beobachtungen erhöhen die Zuverlässigkeit. Verzögere nötige Maßnahmen aber nie für eine feste Zahl von Plots. Beurteile ein erst im Nahbereich erkanntes Ziel oder eines mit möglichem Manöver neu.

Systematische Beobachtung

Regel 7(b) verlangt Radarplotten oder gleichwertige systematische Beobachtung. Wähle die Beobachtungsabstände nach der Annäherungsgeschwindigkeit. Halte Kurs und Geschwindigkeit nur, solange es sicher ist. Eine automatische Radarplotthilfe (ARPA), eine kleine automatische Radarplotthilfe (MARPA) oder AIS unterstützt die Beurteilung. Vergleiche Vorhersagen mit Beobachtungen. CPA bezeichnet den kleinsten Passierabstand bei größter Annäherung; TCPA die Zeit bis dahin. Prüfe weiter, sobald eines der Fahrzeuge manövriert. Volltext: /colreg/rule-7.

2Schritt für Schritt

Ein Radarziel systematisch beobachten

  1. 1

    Beurteile die Gefahr sofort; nimm im Zweifel Gefahr an.

    Warte vor nötigen Ausweichmanövern nicht auf eine feste Zahl von Plots.

  2. 2

    Wiederhole Beobachtungen in Abständen, die zur Annäherungsgeschwindigkeit passen.

    Ermittle einen verlässlichen Verlauf. Halte Kurs und Geschwindigkeit nur, solange es sicher ist. Verkürze die Abstände bei Bedarf.

  3. 3

    Vergleiche automatische Vorhersagen mit aktuellen Beobachtungen.

    Angezeigte CPA und TCPA setzen unveränderte Bewegung voraus. Beurteile die Lage bei Abweichungen sofort neu.

  4. 4

    Beurteile die Lage nach jedem Manöver eines der Fahrzeuge neu, bis das andere vorbei und klar ist.

    Änderungen können frühere Vorhersagen entwerten. Prüfe, ob das Ausweichmanöver weiter wirkt.

3Kernpunkte

  1. 1

    Im Zweifel ist Kollisionsgefahr anzunehmen (Regel 7(a)).

  2. 2

    Eine kaum veränderte Kompasspeilung bei abnehmender Entfernung bedeutet Gefahr.

  3. 3

    Große Schiffe, Schleppzüge und kurze Entfernungen können auch bei Peilungsänderungen gefährlich sein.

  4. 4

    Prüfe den Verlauf durch wiederholte Beobachtungen. Verzögere nötige Maßnahmen nie, um einen Plot fertigzustellen.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Die Peilung hat sich um 2° geändert. Das Fahrzeug wird klar passieren.

    Richtig: Eine kleine Änderung beweist keine Sicherheit, besonders im Nahbereich oder bei großen Schiffen. Nimm im Zweifel sofort Gefahr an.

  • Falsch: Wir müssen erst drei Plots fertigstellen, bevor wir handeln.

    Richtig: Regel 7 schreibt keine Mindestzahl vor. Mehrere Beobachtungen erhöhen die Zuverlässigkeit. Verzögere nötige Maßnahmen nie, um einen Plot fertigzustellen.

  • Falsch: ARPA zeigt den CPA. Plotten ist also unnötig.

    Richtig: ARPA ist nur dann eine gleichwertige systematische Beobachtung, wenn du die Daten prüfst und Änderungen beachtest.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Im Nebel erfasst du ein Fahrzeug nur mit Radar in 7 M Entfernung an Steuerbord voraus. Seine Peilung wandert in 6 Minuten von 040° auf 038°, während es näher kommt. Deine Crew meint, die Änderung bedeute keine Gefahr.

Antwort zeigen

Die kleine Peilungsänderung beweist keine Sicherheit. Nimm im Zweifel sofort Gefahr an. Beobachte systematisch weiter, in Abständen passend zur Annäherungsgeschwindigkeit. Halte aber nicht Kurs und Geschwindigkeit, nur um drei Plots fertigzustellen. Weiche nach Regel 19 rechtzeitig aus und prüfe die Wirkung, bis das andere Fahrzeug vorbei und klar ist.

Prüfungstipps

  • Regel 7(a): alle verfügbaren Mittel nutzen; im Zweifel ist Gefahr anzunehmen.
  • Regel 7(d)(i): Gefahr, wenn sich die Kompasspeilung nicht merklich ändert.
  • Regel 7(d)(ii): Gefahr trotz Peilungsänderung möglich: sehr großes Fahrzeug, Schleppzug, kurze Entfernung.
  • Regel 7(c): keine Annahmen aus unzureichenden Radarinformationen; systematisch plotten (7(b)).

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