Notfälle üben: Mensch über Bord, Brand und Verlassen des Schiffs
1Die Lektion in einfachen Worten
Einmal bei ruhigem Wasser üben bringt mehr als zehnmal darüber zu lesen. Übe MOB, Brand und Verlassen des Schiffs, bis die ersten Schritte von selbst sitzen.
Warum üben?
Unter Stress tust du, was du geübt hast. Ungeübtes lässt dich erstarren. Bei Regatten nach den Offshore Special Regulations (OSR) von World Sailing muss die Crew mindestens jährlich die Bergung einer Person über Bord und das Verlassen des Schiffs üben. Halte Übungen kurz, sicher und regelmäßig. Beziehe Brandübungen ein. Beginne bei ruhigem Wasser mit viel Platz. Probiere danach etwas mehr Wind oder Dunkelheit.
MOB-Übung
Wirf ohne Vorwarnung einen Fender (Schutzpolster für die Bordwand) mit angebundenem Eimer über Bord. Er treibt ähnlich wie eine Person. Rufe dabei „Mensch über Bord!“. Die Crew führt die Sofortmaßnahmen aus: rufen, werfen, zeigen, MOB-Taste drücken, Hilfe rufen. Die Person am Ruder wählt das Manöver und kehrt zurück. Hole den Übungskörper mit der vorgesehenen Bergungsmethode an Bord. Lass danach ein weniger erfahrenes Crewmitglied steuern. Der Skipper spielt die Person „über Bord“ und schaut nur zu.
Brandübung
Kündige an: „Übung: Feuer im Motorraum“. Zeige Motorstopp, Kraftstoffabsperrung und Lüftungsverschlüsse. Simuliere die Bedienung, außer der Skipper bestätigt, dass das tatsächliche Abschalten sicher und geplant ist. Zeige die Löschöffnung zum Einbringen des Löschmittels. Öffne den Motorraum nicht und gib kein Löschmittel ab. Übe einen Mayday-Ruf ohne zu senden. Wechsle den Brandort: Pantry (Bordküche), Kabine, Elektrik. Prüfe, ob alle Feuerlöscher und Löschdecke finden.
Verlassen des Schiffs
Gehe an einem ruhigen Tag am Liegeplatz die Schritte durch: Mayday und EPIRB simulieren, warme Kleidung und Rettungswesten, Notfalltasche ins Cockpit, Rettungsinsel bereithalten, Aufgaben verteilen. Stoppe die Zeit. Besuche ein Sicherheitstraining für den Seenotfall: Eine echte Rettungsinsel im Schwimmbecken aufzublasen und zu besteigen ist die beste Übung. Dafür verwendest du nicht deine eigene Insel.
Sicher üben
Nutze niemals einen Menschen im Wasser als Übungsziel. Simuliere Funkrufe am Übungsgerät oder unter Anleitung mit einem fachgerecht vom Antennensystem getrennten Abschlusswiderstand, der die Sendeleistung aufnimmt. Sende nie über Funk. Sage der Crew, dass es eine Übung ist, halte Ausguck nach anderen Booten und brich ab, wenn etwas schiefgeht.
2Schritt für Schritt
Eine Mensch-über-Bord-Übung durchführen
- 1
Wähle ruhiges Wasser mit ausreichend Platz. Kündige Übungen an und halte Ausguck.
Die Übung darf keinen echten Notfall verursachen.
- 2
Wirf den Übungskörper ohne Vorwarnung über Bord und rufe „Mensch über Bord!“.
Die Überraschung prüft die ersten Reaktionen.
- 3
Lass die Crew die Sofortmaßnahmen und das Manöver ausführen, während du beobachtest.
Sie lernt durch eigenes Handeln, nicht nur durch Anweisungen.
- 4
Übe, den Übungskörper mit der Bergungsausrüstung deines Boots an Bord zu holen.
So übst du den Bergungsablauf. Ein leichter Übungskörper beweist nicht, dass du einen Menschen an Bord heben kannst.
- 5
Stoppe die Zeit. Tauscht dann die Rollen, damit jemand anderes steuert.
Jeder könnte das Manöver fahren müssen, auch wenn der Skipper über Bord geht.
- 6
Besprecht kurz, was gut lief und was ihr ändern wollt.
Jede Übung verbessert die nächste.
3Kernpunkte
- 1
Übe MOB und Verlassen des Schiffs mindestens jährlich; ergänze regelmäßige Brandübungen.
- 2
Nutze Fender und Eimer als MOB-Übungskörper, niemals einen Menschen.
- 3
Tauscht die Rollen, damit auch andere steuern, nicht nur der Skipper.
- 4
Simuliere Funkrufe ohne zu senden.
- 5
Ein Sicherheitstraining für den Seenotfall bietet echte Praxis mit Rettungsinseln.
4Häufige Fehler
Falsch: Blase deine eigene Rettungsinsel zur Übung auf.
Richtig: Danach muss eine Wartungsstation sie neu packen. Übe in einem Kurs mit einer Trainingsinsel.
Falsch: Setze einen echten Mayday-Ruf auf Kanal 16 ab, damit die Übung realistisch ist.
Richtig: Übe am Simulator oder unter Anleitung mit fachgerecht getrenntem Abschlusswiderstand. Ein falscher Mayday-Ruf kann eine echte Suche auslösen.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Heute ist eine MOB-Übung geplant. Die Crew ist neu, die Hafeneinfahrt stark befahren und der Wind nimmt zu. Morgen gibt es geschütztes Wasser. Was übst du jetzt, was später?
Antwort zeigen
Gehe jetzt am Liegeplatz die Abläufe durch und kündige die Übung klar an. Übe Rollen und Rufe ohne Senden. Verschiebe die Bergung des Übungskörpers, bis du ruhiges, freies Wasser und eine Person eigens Ausguck hält. Besprich Abbruchbedingungen, führe die Übung durch, tauscht Rollen und besprecht sie nach. Richte die Ablaufübungen für Brand und Verlassen des Schiffs nach sicheren Bedingungen statt nach einem festen Zeitplan.
Prüfungstipps
- MOB und Verlassen des Schiffs mindestens jährlich üben, mit neuer Crew häufiger; regelmäßig Brandübungen einplanen.
- MOB-Übungskörper: Fender und Eimer; vollständiger Ablauf einschließlich Bergung an Bord.
- Brandübungen mit wechselndem Brandort; Verlassen des Schiffs durchgehen; Sicherheitstraining für Rettungsinselpraxis.
- Sicherheit: kein Mensch im Wasser, Funkrufe ohne Senden, Ausguck halten.
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