Sicherheitsunterweisung, Ausbildung und Übungen an Bord
1Die Lektion in einfachen Worten
Bevor du erstmals Aufgaben an Bord übernimmst, erhältst du eine Sicherheitsunterweisung. Binnen zwei Wochen folgt die Ausbildung an Bord. SOLAS schreibt regelmäßige Übungen vor. Die Intervalle sind Prüfungsstoff.
Zuerst die Unterweisung
Bevor du Aufgaben übernimmst, erhältst du an Bord eine Sicherheitsunterweisung (STCW-Regel VI/1, STCW-Code Abschnitt A-VI/1). Du lernst Sicherheitszeichen und Alarmsignale zu verstehen. Du erfährst, was bei Mensch über Bord, entdecktem Feuer oder Rauch sowie bei Feueralarm oder Alarm zum Verlassen des Schiffes zu tun ist. Du lernst Sammelstation, Einbootungsstation und Fluchtwege kennen, legst eine Rettungsweste an und übst die Alarmierung, den Umgang mit tragbaren Feuerlöschern, die sofortige Erste Hilfe sowie das Schließen von Brandschutztüren, wetterdichten und wasserdichten Türen.
Ausbildung an Bord
SOLAS III/19 verlangt zusätzlich, dass Besatzungsmitglieder ihre Notfallaufgaben vor Reisebeginn kennen. Die Ausbildung an den Rettungsmitteln und Brandbekämpfungseinrichtungen des Schiffes erfolgt so bald wie möglich, spätestens zwei Wochen nach Dienstantritt.
Wie oft
Jedes Besatzungsmitglied nimmt monatlich mindestens an einer Übung zum Verlassen des Schiffes und einer Brandabwehrübung teil. Haben mehr als 25 % der Besatzung im Vormonat nicht an diesen Übungen auf diesem Schiff teilgenommen, finden sie binnen 24 Stunden nach dem Auslaufen statt. Auf neuen Schiffen, nach größeren Umbauten oder mit neuer Besatzung wird vor dem Auslaufen geübt. Fahrgastschiffe halten diese Übungen jede Woche ab. Besatzungsmitglieder mit Aufgaben in geschlossenen Räumen üben mindestens alle zwei Monate.
Boote im Wasser
Herkömmliche Rettungsboote an Davits (Schwenk- oder Aussetzarmen für Boote) werden mindestens alle drei Monate mit ihrer Bedienungsmannschaft ausgesetzt und manövriert. Bei Freifallrettungsbooten steigt die Besatzung alle drei Monate ein, schnallt sich an und übt den Ablauf bis unmittelbar vor dem Auslösen, ohne den Auslösemechanismus zu betätigen. Anschließend wird das Boot mit der Bedienungsmannschaft im freien Fall ausgesetzt oder mit dem zweiten Aussetzsystem gefiert und von dieser Mannschaft manövriert. Mindestens alle sechs Monate erfolgt ein Freifall mit Bedienungsmannschaft oder ein zugelassenes simuliertes Aussetzen. Bereitschaftsboote werden möglichst monatlich, mindestens alle drei Monate, mit ihrer Besatzung ausgesetzt und manövriert.
Ablauf einer Übung zum Verlassen des Schiffes
Die Übung beginnt mit Generalalarm und Lautsprecherdurchsage. Die Besatzung meldet sich an den Sammelstationen und bereitet ihre Aufgaben vor. Geeignete Kleidung und richtig angelegte Rettungswesten werden geprüft. Nach den Vorbereitungen zum Aussetzen wird mindestens ein Rettungsboot gefiert und sein Motor gestartet. Rettungsfloßdavits werden bedient. Die Besatzung lernt den Umgang mit Funkrettungsmitteln. Bei jeder Übung wird die Notbeleuchtung für das Sammeln und Verlassen des Schiffes geprüft. Übungen werden im Schiffstagebuch vermerkt.
Sicher üben
Eine Übung soll ausbilden, niemanden verletzen. Befolge die Einweisung des Offiziers, melde defekte Ausrüstung und stehe niemals unter einem Boot, das gefiert wird. Die IMO-Leitlinien zur Sicherheit bei Übungen zum Verlassen des Schiffes (MSC.1/Circ.1578) helfen Offizieren bei der Planung. Übungen auf kleinen Booten behandelt Notfälle: Übungen.
2Wichtige Daten
- Verlassen des Schiffes und Brandabwehr
- Jedes Besatzungsmitglied monatlich; auf Fahrgastschiffen Übungen wöchentlich
- 24-Stunden-Regel
- Binnen 24 h nach Auslaufen, wenn über 25 % die Übungen im Vormonat versäumt haben
- Rettungsboot im Wasser
- Jedes Rettungsboot mit seiner Bedienungsmannschaft mindestens alle 3 Monate
- Freifallrettungsboot
- Alle 3 Monate Ablauf- und Wasserübung; Freifall oder Simulation alle 6 Monate
- Übung für geschlossene Räume
- Mindestens alle 2 Monate
- Ausbildung an Bord
- Binnen 2 Wochen nach Dienstantritt (SOLAS III/19)
3Kernpunkte
- 1
Die Sicherheitsunterweisung erfolgt vor jeder Aufgabenübernahme an Bord (STCW VI/1).
- 2
Jedes Besatzungsmitglied übt mindestens monatlich Brandabwehr und das Verlassen des Schiffes. Fahrgastschiffe halten diese Übungen wöchentlich ab.
- 3
Über 25 % haben im Vormonat nicht teilgenommen: Übungen binnen 24 h nach Auslaufen.
- 4
Rettungsboote: alle 3 Monate aussetzen oder fieren und manövrieren; bei Freifallbooten auch den Ablauf üben. Freifall oder Simulation alle 6 Monate.
- 5
Übungen für geschlossene Räume alle 2 Monate; Notbeleuchtung bei jeder Übung zum Verlassen des Schiffes prüfen.
4Häufige Fehler
Falsch: Eine Übung ist Formsache: zur Sammelstation gehen und unterschreiben.
Richtig: Handle wie im Ernstfall und erfülle deine Aufgabe. Hole Kleidung und Rettungsweste nur, wenn es sicher ist und die Flucht nicht verzögert. So lernst du.
Falsch: Die Unterweisung kann bis zur ersten monatlichen Übung warten.
Richtig: Die Sicherheitsunterweisung erfolgt, bevor du an Bord Aufgaben übernimmst.
Falsch: Ich stelle mich dicht unter das Rettungsboot, um beim Fieren zuzusehen.
Richtig: Halte Abstand zu Booten, die gefiert oder eingeholt werden, und befolge die Einweisung des Offiziers.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Dein Tanker läuft morgen aus. Acht der 24 Besatzungsmitglieder kamen diese Woche an Bord und haben hier noch keine Übung absolviert. Die letzten Übungen fanden vor drei Wochen statt.
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Acht von 24 sind ein Drittel, also mehr als 25 % der Besatzung, die im Vormonat auf diesem Schiff nicht an Übungen teilgenommen haben. SOLAS verlangt deshalb binnen 24 Stunden nach Auslaufen eine Übung zum Verlassen des Schiffes und eine Brandabwehrübung. Die Neuen müssen außerdem vor Aufgabenübernahme eine Sicherheitsunterweisung erhalten haben und vor Reisebeginn ihre Notfallaufgaben kennen. Die Ausbildung an der Schiffsausrüstung folgt binnen zwei Wochen.
Prüfungstipps
- Sicherheitsunterweisung vor Aufgabenübernahme; Ausbildung an Bord binnen zwei Wochen.
- Jedes Besatzungsmitglied nimmt mindestens monatlich teil. Fahrgastschiffe üben Brandabwehr und das Verlassen des Schiffes wöchentlich.
- Über 25 % haben im Vormonat nicht teilgenommen: Übungen binnen 24 h nach Auslaufen.
- Rettungsboote: alle 3 Monate aussetzen oder fieren und manövrieren; bei Freifallbooten auch den Ablauf üben. Freifall oder Simulation alle 6, geschlossene Räume alle 2 Monate.
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