Kopfverletzungen und Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung
1Die Lektion in einfachen Worten
Achte nach einem Schlag auf den Kopf auf Warnzeichen und hole Rat. Bei möglicher Hals- oder Rückenverletzung halte die Person ruhig. Freie Atemwege haben immer Vorrang.
Kopfverletzungen an Bord
Ein Baum (die waagerechte Spiere am Unterrand des Großsegels), eine Luke oder ein Sturz auf den Stufen des Niedergangs in die Kajüte können Kopfverletzungen verursachen. Eine Gehirnerschütterung ist eine Hirnverletzung mit möglichen Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit, Übelkeit oder Bewusstlosigkeit. Beschwerden können anhalten. Lass einen verantwortungsbewussten Erwachsenen mindestens 24 Stunden bei der Person bleiben. Kein Rudergehen, also Steuern, Klettern oder Arbeiten an Deck. Gefährliche Aufgaben erst nach Erholung und ärztlichem Rat wieder übernehmen.
Warnzeichen
Hole nach jeder Bewusstlosigkeit oder einem Krampfanfall, etwa unkontrollierten Zuckungen, dringend funkärztlichen Rat ein. Weitere Warnzeichen sind Benommenheit, Schwierigkeiten beim Aufwecken, zunehmende Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Verwirrtheit, ungewöhnliches Verhalten, Schwäche, Taubheit, ungleich große Pupillen oder Blut beziehungsweise klare Flüssigkeit aus Nase oder Ohren. Das kann auf eine Blutung im Schädel hinweisen. Notiere die Zeichen und Uhrzeiten.
Wann eine Wirbelsäulenverletzung möglich ist
Vermute eine Hals- oder Rückenverletzung nach einem Sturz in die Kajüte oder vom Mast, einem schweren Schlag vom Baum, einem Sprung in flaches Wasser oder einer Quetschung. Nacken- oder Rückenschmerzen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche in Armen oder Beinen verstärken den Verdacht. Auch eine bewusstlose Person kann nach einem solchen Sturz eine Wirbelsäulenverletzung haben.
Ruhig halten
Bitte eine wache Person, Kopf und Hals in einer bequemen Stellung ruhig zu halten, und hilf ihr dabei. Erzwinge niemals eine Stellung. Laien-Ersthelfer legen keine Halskrausen, also starre Halsstützen, an. Diese können schaden und werden nur von geschulten Rettungskräften nach deren Vorgaben eingesetzt. Knie am Kopf und halte ihn bei Bedarf ruhig. Polstere die Person gegen die Bootsbewegungen ab.
Atemwege zuerst
Das Öffnen der Atemwege hat Vorrang vor dem Vermeiden von Halsbewegungen. Versuche, wenn du darin ausgebildet bist, den Unterkiefergriff (modifizierten Esmarch-Handgriff): Lege die Finger hinter die Unterkieferwinkel und schiebe den Unterkiefer nach vorn. Öffnet das die Atemwege nicht, neige den Kopf vorsichtig nach hinten und hebe das Kinn an. Blockieren Erbrochenes oder Blut die Atemwege, drehe die Person auf die Seite. Halte mit Helfern Kopf, Hals und Körper in einer Linie (achsengerechtes Drehen). Bist du allein, drehe sie möglichst vorsichtig, statt zu warten.
2Wichtige Daten
- Nach einer Kopfverletzung
- ≥24 h beobachten; riskante Aufgaben erst nach Erholung und ärztlichem Rat
- Halskrausen
- Nicht für Ersthelfer (ERC 2025)
- Atemwege bei Wirbelsäulenverdacht
- Unterkiefergriff, wenn erlernt; falls erfolglos: Kopf nach hinten neigen, Kinn heben
- Drehen
- Bei Atemwegsgefahr drehen; mit Helfern achsengerecht, allein nicht warten
3Kernpunkte
- 1
Ein Erwachsener bleibt mindestens 24 Stunden bei der Person. Kein Rudergehen, Klettern oder Arbeiten an Deck bis zur Erholung und ärztlichem Rat.
- 2
Benommenheit, Erbrechen, zunehmende Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Krampfanfall: dringend Rat einholen.
- 3
Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung: Person ruhig halten, niemals eine Stellung erzwingen.
- 4
Ersthelfer legen keine Halskrausen an.
- 5
Atemwege zuerst: Unterkiefergriff, wenn erlernt. Erfolglos: Kopf nach hinten neigen, Kinn heben. Bei Blut/Erbrochenem drehen, nicht auf Helfer warten.
4Häufige Fehler
Falsch: Er spricht jetzt normal, also ist die Kopfverletzung harmlos.
Richtig: Eine Blutung im Schädel kann sich erst Stunden später zeigen. Lass einen Erwachsenen mindestens 24 Stunden bei der Person bleiben. Hole ärztlichen Rat ein.
Falsch: Lege zum Schutz des Halses eine Halskrause aus einem gerollten Handtuch an.
Richtig: Halskrausen sind nichts für Ersthelfer. Bitte die Person, ruhig zu bleiben, oder halte ihren Kopf ruhig.
Falsch: Bewege eine Person mit möglicher Wirbelsäulenverletzung niemals, egal was passiert.
Richtig: Atemwege zuerst: Unterkiefergriff, wenn erlernt; bei Misserfolg Kopf nach hinten neigen und Kinn heben. Bei Blut oder Erbrochenem auf die Seite drehen. Warte nicht auf Helfer.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Eine Mitseglerin stürzt durch eine offene Luke auf den Kajütboden. Sie ist wach und klagt über Nackenschmerzen und Kribbeln in den Händen. Das Boot rollt, schaukelt also vor Anker seitlich hin und her.
Antwort zeigen
Vermute eine Wirbelsäulenverletzung. Sage ihr, sie soll still liegen und nicht aufstehen. Knie dich neben ihren Kopf und hilf ihr, Kopf und Hals in einer bequemen Stellung ruhig zu halten. Verringere mit Polsterung die Bewegung durch das Boot. Lege keine Halskrause an. Fordere funkärztlichen Rat und eine Evakuierung an, halte sie warm und beobachte ihre Atmung.
Prüfungstipps
- Warnzeichen nach Kopfverletzung: Benommenheit, Erbrechen, zunehmende Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfall, ungleiche Pupillen, Flüssigkeit aus Nase oder Ohren.
- Ein Erwachsener bleibt mindestens 24 Stunden bei der Person. Rudergehen, Klettern und Arbeiten an Deck erst nach Erholung und ärztlichem Rat.
- Wirbelsäulenverdacht: Bewegung minimieren. Keine Halskrausen für Ersthelfer.
- Atemwege zuerst: Unterkiefergriff, wenn erlernt; bei Misserfolg Kopf nach hinten neigen, Kinn heben. Nur bei Atemwegsgefahr drehen, nicht auf Helfer warten.
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