Katabatische und anabatische Winde
1Die Lektion in einfachen Worten
Kalte Luft gleitet Hänge hinab, oft nachts: ein katabatischer Wind. Warme Luft zieht tagsüber an sonnigen Hängen hinauf: ein anabatischer Wind.
Katabatische Winde
In klaren Nächten kühlt hoch gelegenes Gelände rasch ab. Die Luft am Boden kühlt aus, wird dichter und gleitet durch die Schwerkraft hangabwärts, ähnlich wie Wasser. Das ist ein katabatischer Wind. Er sammelt sich in Tälern und strömt aus deren Mündungen aufs Meer.
Wie stark sie werden
Der gewöhnliche nächtliche Kaltluftabfluss ist oft schwach bis mäßig und spät in der Nacht oder um die Morgendämmerung am stärksten. Über Schnee oder Gletschern kann kalte Luft auch tagsüber abfließen. Steile Täler können die Strömung bündeln. Heftige Ausströmungen können Sturmstärke erreichen und weit aufs Meer reichen. Einen festen sicheren Abstand gibt es nicht.
Anabatische Winde
Tagsüber erwärmen sonnige Hänge die Luft darüber. Sie steigt als anabatischer Wind den Hang hinauf. Seine Stärke hängt von Erwärmung und Gelände ab. Oft verbindet er sich mit dem Seewind.
Fallwinde
Sammelt sich hinter einem Gebirge viel Kaltluft und strömt darüber hinweg, kann sie als heftiger, böiger Fallwind zur Küste hinabstürzen. Die Bora an der Adria ist das bekannteste Beispiel in Europa. Die Lektion „Regionale Winde“ beschreibt sie.
Vor Anker
Betrachte das Gelände um einen Ankerplatz. Ein Tal oder eine Schlucht, die zur Bucht führt, kann nachts eine kalte, starke Böe herabschicken, selbst bei ruhiger Vorhersage. Wähle einen Platz abseits der Talmündung mit gut haltendem Ankergrund und Platz zum Schwojen, also zum Schwingen des Bootes um den Anker. Stelle einen Ankeralarm ein.
2Wichtige Daten
- Katabatisch
- Kalte Luft strömt hangabwärts, meist nachts
- Anabatisch
- Warme Luft strömt tagsüber hangaufwärts
- Stärkster katabatischer Wind
- Von Schnee, Gletschern und aus steilen Tälern; Sturmstärke möglich
- Wo
- Oft an Talmündungen gebündelt; Reichweite aufs Meer unterschiedlich
3Kernpunkte
- 1
Katabatisch: Dichte, kalte Luft gleitet hangabwärts, oft nachts.
- 2
Anabatisch: Warme Luft steigt tagsüber an sonnigen Hängen auf.
- 3
Katabatische Winde strömen aus Talmündungen und können plötzlich und stark auftreten.
- 4
Ein Fallwind wie die Bora entsteht, wenn kalte Luft über Berge hinwegströmt.
- 5
Vermeide in klaren Nächten Ankerplätze vor Talmündungen.
4Häufige Fehler
Falsch: Eine ruhige Vorhersage bedeutet eine ruhige Nacht an jedem Ankerplatz.
Richtig: Ein katabatischer Wind kann nachts ein Tal hinabströmen, selbst wenn der Gradientwind schwach ist.
Falsch: Anabatische Winde sind die starken Nachtwinde aus den Bergen.
Richtig: Anabatische Winde wehen hangaufwärts, wenn sonnige Hänge die Luft erwärmen. Katabatische Winde strömen bei Abkühlung hangabwärts, oft nachts.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Im zeitigen Frühjahr ankerst du in einer norwegisch anmutenden Fjordbucht unter schneebedeckten Bergen. Vorhergesagt sind schwache, umlaufende Winde und klarer Himmel. Direkt auf der windzugewandten Seite deines Platzes mündet ein steiles Tal. Was solltest du bedenken?
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Klarer Himmel und Schneedecke machen starke nächtliche Abkühlung wahrscheinlich. Kalte Luft fließt das Tal hinab und kann als starker, böiger katabatischer Wind über den Ankerplatz strömen, etwa um die Morgendämmerung. Verlege deinen Ankerplatz an eine Stelle abseits der Talmündung. Stecke bei gutem Ankerhalt genug Ankerkette oder -leine für Tiefe und erwarteten Wind und stelle einen Ankeralarm ein.
Prüfungstipps
- Katabatisch: Kalte, dichte Luft strömt hangabwärts, meist nachts; am stärksten über Schnee und aus steilen Tälern.
- Anabatisch: Warme Luft strömt tagsüber hangaufwärts; die Stärke hängt von Erwärmung und Gelände ab.
- Fallwinde wie die Bora entstehen, wenn kalte Luft über Berge hinweg zur Küste strömt.
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