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Wetterrouting und Reiseplanung bei schwerem Wetter

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Meteorologie≈ 3 Min. Lesezeit

Achterliche und schräg achterliche See: Wellenreiten und aufeinanderfolgende hohe Wellen

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Die IMO gibt in MSC.1/Circ.1228 allgemeine Fahrt- und Kursempfehlungen für achterliche See. Du brauchst Wellenperiode, Wellenlänge und Begegnungsperiode.

Die Richtlinien

MSC.1/Circ.1228 (2007) behandelt Kentergefahren und starkes Rollen, darunter Wellenreiten, Querschlagen, aufeinanderfolgende hohe Wellen und Rollresonanz. Es setzt die Einhaltung der anwendbaren Kriterien des Internationalen Codes über Intaktstabilität (IS-Code) voraus. Seine Zonen sind allgemeine Hinweise, keine Garantien. Slamming, Rumpfspannungen, Flachwasser- oder Strömungseffekte, Kollision und Grundberührung bewertet es nicht. Prüfe diese gesondert und nutze vorhandene schiffsspezifische Betriebshinweise.

Wellen messen

Die Wellenperiode Tw ist die Zeit zwischen Wellenkämmen an einem festen Ort im Wasser. Verfolge denselben Schaumfleck über mehrere Zyklen von Kamm zu Kamm. Teile die verstrichene Zeit durch die Zahl der Zyklen. Die Wellenlänge λ ist der Abstand zwischen Kämmen; schätze ihn anhand der Schiffslänge oder geeigneter Radarbilder. In tiefem Wasser gilt λ = 1,56 × Tw² Meter und Wellengeschwindigkeit ≈ 3 × Tw Knoten. Bei Tw = 10 s sind λ ≈ 156 m und die Geschwindigkeit ≈ 30 Knoten.

Begegnungsperiode

Die Begegnungsperiode TE ist die Zeit zwischen zwei Wellenkämmen, die dein Schiff treffen. In tiefem Wasser ohne nennenswerte Strömung gilt TE = 3Tw² ÷ (3Tw + V cos α). V ist die Fahrt durchs Wasser in Knoten; α die Wellenherkunft relativ zum Bug: 0° voraus, 180° achteraus. Nutze diese Form nur bei positivem Nenner. Bei Tw = 10 s und V = 12 Knoten gilt TE ≈ 16,7 s bei achterlicher See und 7,1 s bei See von vorn. Du kannst auch die Stampfbewegungen zeitlich messen.

Wellenreiten

Auf der steilen Vorderseite einer hohen achterlichen Welle kann das Schiff mit Wellengeschwindigkeit mitgetragen werden: Wellenreiten. Es kann dann querschlagen: plötzlich quer zur See drehen und stark krängen, also seitlich neigen, mit Kentergefahr. Das Rundschreiben warnt davor bei α zwischen 135° und 225° und einer Fahrt über 1,8√L ÷ cos(180° − α) Knoten. L ist die Länge zwischen den Loten in Metern. Halte Fahrt, Kurs oder beides außerhalb dieser Zone.

Aufeinanderfolgende hohe Wellen

Überschreitet die mittlere Wellenlänge 0,8 L und die signifikante Wellenhöhe 0,04 L, achte auf gefährliches Schiffsverhalten. Vermeide TE von etwa 1,8–3,0 mal Tw. Deine Fahrt kann dann nahe der Geschwindigkeit einer Wellengruppe liegen, sodass du länger zwischen ihren höheren Wellen bleibst. Wiederholte hohe Wellen können große Bewegungen und verminderte Stabilität verursachen. Reduziere die Fahrt oder ändere den Kurs, um die Zone zu verlassen.

2Wichtige Daten

Wellenlänge
λ = 1,56 × Tw² m; eine 10-s-Welle ist etwa 156 m lang
Wellengeschwindigkeit
Etwa 3 × Tw Knoten
Begegnungsperiode
TE = 3Tw² ÷ (3Tw + V cos α); nur bei positivem Nenner
Wellenreit-Zone
135° < α < 225° und V > 1,8√L ÷ cos(180° − α) Knoten
Aufeinanderfolgende hohe Wellen
λ > 0,8 L und Hs > 0,04 L: TE ≈ 1,8–3,0 × Tw vermeiden

3Kernpunkte

  1. 1

    Miss Tw mit der Stoppuhr; λ = 1,56 Tw² m; Wellengeschwindigkeit ≈ 3 Tw Knoten.

  2. 2

    Tiefes Wasser, wenig Strömung: TE = 3Tw² ÷ (3Tw + V cos α); V durchs Wasser, α = 0° voraus; nur bei positivem Nenner.

  3. 3

    Wellenreitgefahr: achterliche oder schräg achterliche See und V über 1,8√L ÷ cos(180° − α).

  4. 4

    Aufeinanderfolgende hohe Wellen: Halte TE außerhalb von 1,8–3,0 × Tw, wenn λ > 0,8 L und Hs > 0,04 L.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Weniger Fahrt macht achterliche See immer sicherer.

    Richtig: Weniger Fahrt kann die Wellenreit-Zone verlassen, aber in die Zone aufeinanderfolgender hoher Wellen führen. Prüfe beide.

  • Falsch: Außerhalb der Gefahrenzonen des Rundschreibens ist das Schiff sicher.

    Richtig: Die Hinweise sind allgemein. Ein Schiff mit geringer Stabilität kann auch außerhalb der Zonen gefährdet sein.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Dein Offshore-Versorger hat L = 64 m. Du läufst vor einem Sturm mit See genau achteraus (α = 180°) bei 15 Knoten. Tw = 8 s und Hs beträgt 4 m. Solltest du auf 12 Knoten reduzieren?

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Wellenreitgrenze: 1,8 × √64 = 14,4 Knoten; 15 Knoten liegen also in der Zone. Aufeinanderfolgende hohe Wellen sind relevant: λ ≈ 100 m > 51 m und Hs 4 m > 2,6 m. Bei 12 Knoten ist TE = 192 ÷ 12 = 16 s, das Doppelte von Tw: innerhalb der Zone 1,8–3,0. Gehe unter etwa 10,5 Knoten, wo TE unter 1,8 Tw liegt, oder ändere den Kurs. Prüfe beide Zonen erneut.

Prüfungstipps

  • λ = 1,56 Tw²; Wellengeschwindigkeit ≈ 3 Tw Knoten.
  • Tiefes Wasser, wenig Strömung: TE = 3Tw² ÷ (3Tw + V cos α); V durchs Wasser; nur bei positivem Nenner.
  • Wellenreiten: 135°–225° und V > 1,8√L ÷ cos(180° − α); aufeinanderfolgende hohe Wellen: TE 1,8–3,0 Tw.

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