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Wetterrouting und Reiseplanung bei schwerem Wetter

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Meteorologie≈ 3 Min. Lesezeit

Reiseplanung bei schwerem Wetter und Planänderungen

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Bereite das Schiff vor dem schweren Wetter vor. Halte deine Grenzen im Reiseplan fest und dokumentiere jede Routenänderung mit ihren Gründen.

Grenzen planen

Trage vor einer Reise in eine Jahreszeit oder ein Gebiet mit schwerem Wetter die Schiffsgrenzen in den Reiseplan ein: tragbare signifikante Wellenhöhe, Windstärke, Rollwinkel und Slamming für Schiff und Ladung sowie die Maßnahmen an jeder Grenze. Grundlage sind der Beladungszustand, das nach SOLAS vorgeschriebene Ladungssicherungshandbuch und vorhandene Betriebshinweise in den Stabilitätsunterlagen. Plane alternative Routen und, soweit vorhanden, Schutzplätze.

Früh vorbereiten

Prüfe vor dem schweren Wetter wasserdichte und wetterdichte Verschlüsse, Lukendeckel, Lüfter und Türen. Prüfe Ladungszurrungen erneut nach dem Ladungssicherungshandbuch. Sichere Vorräte und lose Ausrüstung. Prüfe Ballast und Stabilität. Minimiere teilgefüllte Tanks im Rahmen des genehmigten Beladungsplans. Weise die Besatzung ein, beschränke den Deckszugang und spanne Strecktaue zum Einpicken. Starkes Rollen kann Zurrungen lockern. Plane deshalb sichere Nachkontrollen, sobald die Bewegungen es erlauben.

Tropische Wirbelstürme

Auf Führungsebene gilt: Plane an tropischen Wirbelstürmen vorbei, statt gegen sie anzukämpfen. Nutze amtliche Meldungen, bleibe außerhalb des vorhergesagten 34-Knoten-Windradius und halte einen Zuschlag für Vorhersagefehler ein. Entscheide früh. Halbkreise, Anzeichen und Ausweichtaktiken behandelt die Lektion zu tropischen Wirbelstürmen; die Jahreszeiten die Lektion zur Ozeanpassagenplanung.

Gegen die See oder vor ihr laufen

Bei sehr schwerem Wetter wählst du meist zwischen reduzierter Fahrt gegen die See und Ablaufen vor der See. See von vorn bringt Slamming, Wasser an Deck und bei geringer Fahrt parametrische Rollgefahr. Achterliche See bringt Wellenreiten, Querschlagen und aufeinanderfolgende hohe Wellen. Prüfe beide Möglichkeiten anhand von MSC.1/Circ.1228 für deine Fahrt und deinen Kurs. Erwäge See schräg von vorn oder achtern außerhalb der Zonen des Rundschreibens. Prüfe dabei auch Slamming, Rumpfspannungen, Flachwasser- und Strömungseffekte, Kollision und Grundberührung.

Den Plan ändern

Eine Routenänderung ist eine Änderung des Reiseplans. Prüfe den neuen Reiseweg auf Gefahren, Verkehrstrennungsgebiete, Sicherheitseinstellungen des elektronischen Seekartendarstellungs- und Informationssystems (ECDIS) und Meldepunkte. Berechne Brennstoffbedarf und Ankunftszeit neu. Weise die Offiziere ein und informiere Reederei, Wetterroutenberater und Agenten. Dokumentiere Zeitpunkt, Grund, Wetter und verwendete Vorhersagen im Schiffstagebuch. Diese Aufzeichnungen helfen, deine Entscheidungen bei Schäden zu erklären.

2Schritt für Schritt

Bevor schweres Wetter einsetzt

  1. 1

    Vergleiche die Vorhersage mit den Grenzen im Reiseplan.

    So erkennst du früh, ob du Route, Fahrt oder Zeitplanung ändern musst.

  2. 2

    Schließe und prüfe wasserdichte und wetterdichte Öffnungen.

    Durch Öffnungen kann Wasser eindringen und eine fortschreitende Überflutung verursachen.

  3. 3

    Prüfe Ladungszurrungen erneut nach dem Ladungssicherungshandbuch.

    Starkes Rollen kann Zurrungen lockern und Ladungsbewegungen verstärken.

  4. 4

    Reduziere freie Flüssigkeitsoberflächen, soweit möglich. Halte Ballaständerungen innerhalb genehmigter Stabilitäts-, Trimm-, Tiefgangs- und Festigkeitsgrenzen.

    Bewegte Flüssigkeit in teilgefüllten Tanks verringert die Anfangsstabilität: der Effekt freier Oberflächen.

  5. 5

    Weise die Besatzung ein, beschränke den Deckszugang und spanne Strecktaue.

    Beschränkter Zugang verringert das Risiko von Verletzungen und Überbordspülen.

  6. 6

    Dokumentiere Vorbereitungen, Vorhersagen und Entscheidungen im Schiffstagebuch.

    Bei Schäden belegt die Aufzeichnung, dass das Schiff vorbereitet war.

3Kernpunkte

  1. 1

    Halte Wettergrenzen des Schiffs und die jeweilige Maßnahme im Reiseplan fest.

  2. 2

    Bereite vor dem schweren Wetter vor: Öffnungen, Zurrungen, Stabilität, Besatzung.

  3. 3

    Plane an tropischen Wirbelstürmen vorbei; entscheide früh.

  4. 4

    Prüfe Optionen bei See von vorn und achtern anhand von MSC.1/Circ.1228. Beurteile dort ausgeschlossene Gefahren gesondert.

  5. 5

    Jede Routenänderung ist eine Planänderung: prüfen, einweisen, informieren, dokumentieren.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Prüfe die Zurrungen, sobald das Schiff stark zu rollen beginnt.

    Richtig: Prüfe sie vor dem schweren Wetter. Kontrolliere danach nur erneut, wenn die Bewegungen es sicher erlauben.

  • Falsch: Eine per E-Mail mit dem Wetterroutenberater vereinbarte Routenänderung braucht keinen neuen Plan.

    Richtig: Jede Routenänderung ist eine Reiseplanänderung: Prüfe den neuen Reiseweg, weise das Team ein und dokumentiere sie.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Zwei Tage nach dem Auslaufen aus Rotterdam erfährt ein Zubringer-Containerschiff von einem kräftigen Tief. Es soll Hs 8 m auf seiner Route durch die Biskaya bringen. Die Reiseplangrenze liegt bei Hs 6 m. Reduzieren auf 10 Knoten lässt das Tief voraus passieren und hält Hs bei etwa 5 m, kostet aber 18 Stunden.

Antwort zeigen

Die Vorhersage überschreitet die Plangrenze, also ändere den Plan. Plane Passage und Wegpunktzeiten neu. Prüfe, ob Reiseweg und Meldepunkte weiterhin zur neuen Zeitplanung passen. Berechne Brennstoffbedarf und Ankunft neu und weise die Offiziere ein. Informiere Reederei und Wetterroutenberater. Bereite das Schiff trotzdem vor: Öffnungen, Zurrungen, Stabilität, Besatzung. Dokumentiere Vorhersagen und Gründe.

Prüfungstipps

  • Wettergrenzen und Maßnahmen gehören in den Reiseplan.
  • Vorbereitung: Öffnungen, Zurrungen (Ladungssicherungshandbuch), Stabilität, Besatzung.
  • Routenänderung = Reiseplanänderung, mit Gründen dokumentiert.

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