Routen- und Pilotkarten: das Klima eines Ozeans, Monat für Monat
1Die Lektion in einfachen Worten
Routen- und Pilotkarten zeigen mittlere Winde, Strömungen, Stürme und Eisverhältnisse für jeden Monat. Damit wählst du Jahreszeit und Route; zur Navigation dienen sie nicht.
Klima statt Vorhersage
Eine Ozeanpassage beginnt mit der Klimatologie: Was ist an diesem Ort in diesem Monat üblich? Zwei Kartenreihen zeigen dir das. Die ADMIRALTY Routeing Charts des britischen hydrographischen Dienstes UKHO decken jeden Ozean mit einer Karte pro Monat ab; Karte 5124 zeigt den Nordatlantik. Der Atlas of Pilot Charts der US-amerikanischen NGA bietet dasselbe in fünf Bänden, Publikationen 105–109; Publikation 106 behandelt den Nordatlantik. Beide dienen nur der Planung, niemals der Navigation.
Was die Karten zeigen
Jede Monatskarte zeigt in regelmäßigen Abständen Windrosen, mittlere Meeresströmungen mit Richtung und Geschwindigkeit, Eisgrenzen, empfohlene Schiffsrouten und Entfernungen sowie Zugbahnen tropischer und außertropischer Stürme. Tabellen oder Nebenkarten ergänzen Sturmhäufigkeit, Wasser- und Lufttemperatur, Luftdruck und Sichtweite. Pilotkarten zeigen auch, wie häufig Wellen etwa 12 Fuß (3,7 m) überschreiten. Routenkarten enthalten außerdem die für Schiffe geltenden Freibordzonen.
Eine Windrose lesen
Eine Windrose fasst die Winde eines Meeresquadrats für diesen Monat zusammen. Jeder Pfeil zeigt mit dem Wind zur Mitte der Rose, aus der Richtung, aus der der Wind kommt. Seine Länge zeigt die Häufigkeit nach dem Kartenmaßstab. Auf NGA-Karten ist der Schaft bei über 29 % unterbrochen; eine Zahl nennt den Prozentsatz. Lies die Legende. Die Fiederung zeigt die mittlere Beaufortstärke. Die Zahl im Mittelkreis nennt den prozentualen Anteil der Windstillen.
Strömungen und Eis
Strompfeile zeigen die Stromrichtung, also wohin das Wasser fließt. Eine Zahl gibt die mittlere Stromgeschwindigkeit in Knoten an. Eisgrenzen zeigen die mittlere und äußerste Ausdehnung von Eisbergen und Meereis für den Monat. Die Einheit Meeresströmungen erklärt die wichtigsten Strömungen. Die Einheit Globale Windsysteme erklärt, warum die Windgürtel an ihren jeweiligen Orten liegen.
Mittelwerte verbergen Extreme
Nordostwind bei 70 % der Beobachtungen mit durchschnittlich Stärke 4 lässt trotzdem stärkere oder schwächere Nordostwinde, andere Windrichtungen und Flauten zu. Wähle mit den Karten den Monat mit den besten Aussichten. Plane dann für die schlechtesten Bedingungen, mit denen du vernünftigerweise rechnen musst. Prüfe vor und während der Passage aktuelle Vorhersagen.
2Wichtige Daten
- ADMIRALTY-Routenkarten
- UKHO, eine Karte je Monat und Ozean; 5124 = Nordatlantik
- Pilotkartenatlas
- NGA, fünf Ozeanbände; Publikation 106 = Nordatlantik
- Pfeillänge der Windrose
- Ununterbrochene Länge = Häufigkeit; NGA über 29 %: unterbrochener Schaft + Zahl
- Fiederung der Windrose
- Mittlere Beaufortstärke aus dieser Richtung
- Mitte der Windrose
- Prozentualer Anteil der Windstillen
- Strompfeil
- Stromrichtung (wohin) und mittlere Geschwindigkeit in Knoten
3Kernpunkte
- 1
Routen- und Pilotkarten zeigen monatliche Mittelwerte für Wind, Strömung, Stürme, Eis und Sturmzugbahnen.
- 2
Nutze sie zur Wahl von Monat und Route, niemals zur Navigation.
- 3
Windrose: ununterbrochene Länge = Häufigkeit (NGA über 29 %: Zahl), Fiederung = Stärke, Mitte = Windstillen. Lies die Legende.
- 4
Ein Strompfeil zeigt die Stromrichtung, also wohin das Wasser fließt, und die Geschwindigkeit.
- 5
Mittelwerte verbergen Extreme: Prüfe Vorhersagen vor und während der Passage.
4Häufige Fehler
Falsch: Ein langer Pfeil in der Windrose bedeutet starken Wind aus dieser Richtung.
Richtig: Die ununterbrochene Länge zeigt die Häufigkeit. Auf NGA-Karten steht bei über 29 % eine Zahl am unterbrochenen Schaft dafür. Die Fiederung zeigt die mittlere Stärke.
Falsch: Eine Pilotkarte kann die Wettervorhersage ersetzen.
Richtig: Sie zeigt das Klima, also Mittelwerte vieler Jahre. Das Wetter am jeweiligen Tag kann stark davon abweichen.
Falsch: Strömungen benennst du wie Winde: Ein Pfeil nach Westen zeigt einen Oststrom.
Richtig: Strömungen heißen nach ihrer Zielrichtung: Ein Pfeil nach Westen zeigt einen nach Westen setzenden Strom.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Angenommen, die Pilotkarten zeigen bei 20° N, 30° W im November bei 55 % der Beobachtungen Nordostwind mit durchschnittlich Stärke 4 und 6 % Windstillen. Im Dezember sind es 70 % Nordostwind mit durchschnittlich Stärke 5 und 2 % Windstillen. Welcher Monat bietet bessere Aussichten, und was prüfst du zusätzlich?
Antwort zeigen
Der Dezember bietet häufiger Nordostwind und weniger Flauten, aber eine höhere mittlere Windstärke. Auch Nordostwinde schwanken: Sie können stärker oder schwächer als Stärke 5 sein. Die übrigen 30 % umfassen andere Richtungen und Windstillen. Prüfe vor deiner Entscheidung Sturmzugbahnen, Sturmhäufigkeit und Strömungen entlang der Route, die Grenzen von Boot und Crew sowie aktuelle Vorhersagen.
Prüfungstipps
- Routenkarten (UKHO) und Pilotkarten (NGA): monatliche Klimadaten zur Planung, nicht zur Navigation.
- Windrose: ununterbrochene Länge = Häufigkeit; NGA über 29 %: unterbrochener Schaft + Zahl. Fiederung = Stärke; Mitte = % Windstillen.
- Sie zeigen Strömungen, Eisgrenzen, Sturmzugbahnen, Sturmhäufigkeit, Routen und Entfernungen.
- Stromrichtung ist die Richtung, in die das Wasser fließt; Geschwindigkeit in Knoten.
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