Warum ein Boot gegen den Wind segeln kann
1Die Lektion in einfachen Worten
Am Wind wirkt die Segelkraft vor allem seitlich. Der Kiel wirkt dem seitlichen Anteil entgegen. Der Vorwärtsanteil treibt das Boot schräg gegen den Wind an.
Vortrieb und Krängungskraft
Hoch am Wind wirkt die gesamte Segelkraft überwiegend quer zum Boot und etwas nach vorn. Teile sie in zwei Anteile auf. Vortrieb wirkt längs der Mittellinie nach vorn. Die Krängungskraft wirkt seitlich, drückt das Boot nach Lee und lässt es krängen, also sich zur Seite neigen. Am Wind ist die Krängungskraft viel größer als der Vortrieb. Bei seitlichem Wind wirkt mehr von der Gesamtkraft nach vorn.
Der Kiel
Der Kiel, eine Unterwasserflosse oder längs verlaufende Struktur, wirkt dem seitlichen Versetzen entgegen. Eine Jolle nutzt dafür ein Schwenkschwert oder Steckschwert, eine durch den Rumpf absenkbare Platte. Das Boot versetzt trotzdem etwas zur Seite. Das heißt Abdrift. Weil das Wasser unter diesem kleinen Winkel vorbeiströmt, wirkt Kiel oder Schwert wie ein Flügel. Sein Auftrieb gleicht die seitliche Segelkraft aus.
Warum Fahrt nötig ist
Ein Kiel erzeugt nur Auftrieb, wenn Wasser an ihm vorbeiströmt. Bei geringer Fahrt wirkt er schlecht, und das Boot versetzt nach Lee. Nimm nach einer Wende erst Fahrt auf, bevor du näher an den Wind steuerst. Kneifst du zu viel Höhe, steuerst also zu nah am Wind, verlierst du Fahrt. Die Abdrift wächst, und du gewinnst möglicherweise weniger Strecke nach Luv statt mehr.
Der nicht segelbare Bereich
Kein Segel kann ein Boot direkt gegen den Wind antreiben. Der nicht segelbare Bereich liegt beiderseits der wahren Windrichtung. Dort kannst du nicht wirksam gegen den Wind vorankommen. Bei den meisten Fahrtenyachten reicht er etwa 40–50° zu jeder Seite; Regattayachten können höher am Wind segeln. Für ein Ziel in Luv segelst du hoch am Wind, so nah am Wind, wie dein Boot gut läuft. Durch Wenden, also Drehen des Bugs durch den Wind, kommst du im Zickzack voran.
Kurse zum Wind
Jeder Winkel zum Wind hat einen Namen: hoch am Wind, am Wind, Halbwind, Raumschots und Vorwind. Der Leitfaden Kurse zum Wind auf dieser Website zeigt sie auf einer interaktiven Winduhr. Eine Fahrtenyacht ändert ihren Kurs beim Wenden typischerweise um etwa 90°. Ihr Weg nach Luv ist deshalb länger als die gerade Strecke.
2Wichtige Daten
- Nicht segelbarer Bereich (Fahrtenyacht)
- Etwa 40–50° beiderseits der wahren Windrichtung
- Wendewinkel (Fahrtenyacht)
- Etwa 90° zwischen den beiden Kursen hoch am Wind
- Abdrift
- Wenige Grad; mehr bei geringer Fahrt und bei Krängung
- Kraftaufteilung am Wind
- Krängungskraft viel größer als Vortrieb
3Kernpunkte
- 1
Am Wind wirkt die Segelkraft überwiegend seitlich: kleiner Vortrieb, große Krängungskraft.
- 2
Der Kiel wirkt dem seitlichen Versetzen entgegen und arbeitet wie ein Unterwasserflügel.
- 3
Der Kiel braucht vorbeiströmendes Wasser: Nimm Fahrt auf, bevor du näher an den Wind steuerst.
- 4
Im nicht segelbaren Bereich, etwa 40–50° beiderseits der wahren Windrichtung, kommst du unter Segeln nicht wirksam nach Luv voran.
- 5
Um nach Luv zu kommen, segelst du hoch am Wind und wendest im Zickzack.
4Häufige Fehler
Falsch: So hoch wie möglich am Wind zu segeln bringt dich immer am schnellsten nach Luv.
Richtig: Zu viel Höhe zu kneifen kostet Fahrt und vergrößert die Abdrift. Steuere etwas vom Wind weg und halte das Boot in Fahrt. So gewinnst du mehr Strecke.
Falsch: Die Hauptaufgabe des Kiels ist es, das Boot am Kentern zu hindern.
Richtig: Ein Ballastkiel erhöht auch die Stabilität, aber seine Flossenform wirkt der Abdrift entgegen. Das unballastierte Schwert einer Jolle erfüllt diese Aufgabe ebenfalls.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Du segelst bei gleichmäßigem Wind und ohne Strömung am Wind. Deine Crew zieht das Schwert halb hoch. Du hältst denselben Kurs, doch die Jolle versetzt jetzt deutlich zum Ufer in Lee. Soll das Schwert oben bleiben?
Antwort zeigen
Senke das Schwert in die für deine Jolle übliche Amwindstellung ab. Mehr Schwertfläche hilft gegen die Abdrift. Halte das Boot in Fahrt, damit Wasser am Schwert vorbeiströmt.
Prüfungstipps
- Die gesamte Segelkraft teilt sich in Vortrieb (vorwärts) und Krängungskraft (seitlich) auf.
- Kiel oder Schwert wirken der Abdrift entgegen, wie ein Flügel im Wasser.
- Nicht segelbarer Bereich: bei Fahrtenyachten etwa 40–50° beiderseits des wahren Windes. Wende, um nach Luv zu kommen.
- Zu viel Höhe kneifen kostet Fahrt und vergrößert die Abdrift.
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