Sicher vor dem Wind: Bullenstander, MOB und Nacht
1Die Lektion in einfachen Worten
Vor dem Wind spürst du seine Stärke kaum. Setze einen Bullenstander, übe das schnelle Entlasten des Spinnakers bei Mensch über Bord und segle nachts vorsichtig.
Bullenstander vor dem Wind
Bringe auf langen Vorwindschlägen einen Bullenstander an geeigneten tragfähigen Befestigungspunkten an Baum und Deck an: vom Baumende nach vorn durch einen Block und zurück ins Cockpit. Er hält den Baum zurück, verhindert aber nicht, dass der Wind über das Heck auf die andere Seite wechselt und das Großsegel back steht. Steuere weiter aktiv. Die Leine muss unter Last lösbar sein. Rüste bei Bedarf beide Seiten aus, löse aber den belasteten Bullenstander vor der Halse.
Verborgener Wind
Vor dem Wind fühlt sich der scheinbare Wind viel schwächer an als der wahre Wind. Was beim Setzen des Spinnakers wie 12 Knoten wirkt, kann in Wahrheit 20 sein. Lies den wahren Wind an den Instrumenten ab oder schätze ihn am Seegang. Denk daran: Beim Anluven, Sonnenschuss oder Umdrehen zur Personenrettung spürst du seine volle Kraft.
Mensch über Bord
Wirf ein Auftriebsmittel, markiere die Position mit der MOB-Taste (Mensch über Bord) und lass jemanden ständig auf die Person zeigen. Nimm sofort den Segeldruck heraus. Falls vorhanden, löse den Achterholer aus: Öffne seinen Schnappschäkel am luvseitigen Schothorn mit der vorbereiteten Fernauslösung von sicherer Position aus. Jede dort angeschlagene lose Schot muss frei laufen können. Öffne nicht den Baumbeschlag und greife nicht nach belasteten Beschlägen. Sonst nutze die besprochene Entlastungsmethode des Boots. Birg und sammle das Segel kontrolliert ein. Folge dann eurem eingeübten Mensch-über-Bord-Plan.
Nachts und mit kleiner Crew
Nachts erkennst du Spinnakertrimm und Seegang schlecht. Viele Fahrtencrews bergen den Spinnaker bei Dämmerung oder fahren ein kleineres Segel. Trage an Deck Sicherheitsgurt und Sicherungsleine. Lass die Schoten auf den Winschen und halte ein Crewmitglied einsatzbereit. Zweifelst du an eurer Kontrolle, birg frühzeitig.
2Wichtige Daten
- Bullenstander
- Baumende → Bugblock → Cockpit; unter Last lösbar
- Scheinbarer und wahrer Wind
- Scheinbarer Wind kann mehrere Knoten schwächer sein als wahrer Wind
- MOB mit symmetrischem Spinnaker
- Besprochene Schnellauslösung an der Luvecke nutzen, falls vorhanden
- Nacht
- Viele Fahrtensegler bergen den Spinnaker bei Dämmerung
3Kernpunkte
- 1
Bringe auf langen Vorwindschlägen einen Bullenstander an und löse ihn vor der Halse.
- 2
Vor dem Wind ist der wahre Wind stärker, als du ihn fühlst. Prüfe Instrumente oder Seegang.
- 3
MOB unter Spinnaker: Rettungsring, MOB-Taste, Person zum Zeigen bestimmen, dann sofort Spinnaker entlasten.
- 4
Symmetrisch: besprochene Schnellauslösung an der Luvecke nutzen, falls vorhanden. Jede dort angeschlagene lose Schot muss frei laufen können.
- 5
Nachts oder mit kleiner Crew: weniger Segelfläche. Im Zweifel bergen.
4Häufige Fehler
Falsch: Mit Bullenstander kannst du halsen, ohne ihn anzufassen.
Richtig: Ein Bullenstander verhindert das Überschlagen des Baums. Löse ihn vor jeder Halse.
Falsch: Rette eine Person über Bord mit weiter gesetztem Spinnaker.
Richtig: Ein gefüllter Spinnaker schränkt sicheres Manövrieren ein. Entlaste und birg ihn zügig. Folge dann eurem eingeübten Rettungsplan.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Nachts fällt unter symmetrischem Spinnaker jemand über Bord. Ein Crewmitglied will mit gefülltem Segel umdrehen, ein anderes greift zum belasteten Baumbeschlag. Der Achterholer hat eine Fernauslösung am Schothorn. Was tust du?
Antwort zeigen
Rufe „Mensch über Bord“, wirf Auftriebsmittel, markiere die Position und bestimme jemanden zum Zeigen. Entlaste sofort nach der besprochenen Bordmethode. Falls vorhanden, löse den Achterholerschäkel am luvseitigen Schothorn von sicherer Position mit der vorbereiteten Fernauslösung; jede dort angeschlagene lose Schot muss frei laufen. Öffne nicht den Baumbeschlag und greife nicht an belastete Beschläge. Birg das Segel und sammle es kontrolliert ein. Sind Segel und Leinen gesichert, setze eure eingeübte MOB-Rettung fort.
Prüfungstipps
- Bullenstander vom Baumende nach vorn und zurück ins Cockpit; vor der Halse lösen.
- Vor dem Wind ist der wahre Wind stärker, als er sich anfühlt.
- MOB: nach besprochener Methode entlasten; Luvecken-Schnellauslösung, falls vorhanden; lose Schot frei; kontrolliert bergen.
- Nachts: weniger Segelfläche, Sicherheitsgurte tragen, früh bergen.
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