Belastungstabellen, zulässige Grenzen und der Ladungsrechner
1Die Lektion in einfachen Worten
Ladungshandbuch und Ladungsrechner zeigen dir, ob Querkraft und Biegemoment an jeder Stelle innerhalb der zulässigen Grenzen bleiben, im Hafen und auf See.
Das Ladungshandbuch
Das genehmigte Ladungshandbuch beschreibt die Ladefälle, für die das Schiff ausgelegt wurde, zulässige SF und BM im Glattwasser sowie örtliche Grenzen wie die Belastung der Tankdecke in t/m². Ältere oder kleinere Schiffe nutzen gegebenenfalls Belastungstabellen: Du multiplizierst jedes Gewicht mit einem Faktor für seine Abteilung, addierst die Ergebnisse und vergleichst sie mit einem zulässigen Wert.
Messstellen und Grenzen
Grenzwerte gelten an Messstellen, meist an Querschotten und mittschiffs. Nutze passend zum Ergebnis den positiven oder negativen SF-Grenzwert und den BM-Grenzwert für Auf- oder Durchbiegung. Vergleiche die Beträge, um die prozentuale Auslastung zu bestimmen. Viele Schiffe haben höhere Hafengrenzwerte für ruhiges Hafenwasser und niedrigere Seegrenzwerte, weil Wellen auf See zu den Glattwasserwerten hinzukommen.
Der Ladungsrechner
Ein Ladungsrechner ist ein genehmigtes Programm, das SF und BM an den Messstellen und meist auch die Stabilität berechnet. IACS UR S1 verlangt grundsätzlich ein Ladungshandbuch ab 65 m und einen Ladungsrechner für Schiffe der Kategorie I ab 100 m. Prüfe die geltenden Klassenvorschriften deines Schiffes. Das Internationale Übereinkommen von 1974 zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS), Regel XII/11, verlangt ihn für Massengutschiffe ab 150 m. Stabilitätssoftware wird nach IACS UR L5 genehmigt.
Vertrauen und prüfen
Gib jeden Tank, Laderaum und jede Gewichtskonstante richtig ein: Ein fehlender Ballasttank verändert alles. Rechne die genehmigten Testladefälle aus dem Handbuch durch und vergleiche die Ergebnisse. Die Klassifikationsgesellschaft prüft das bei jährlichen Besichtigungen. Achte auf die Einheiten: Viele Programme zeigen kN und kN·m. Ein grüner Endzustand reicht nicht; prüfe jede Zwischenstufe des Ablaufs.
Grenzwert überschritten
Überschreitet eine Stelle 100 % ihres Grenzwertes, ändere den Plan vor dem Fortfahren: Reihenfolge, Mengen je Ladeschritt oder Ballast. Laufe niemals mit überschrittenen Seegrenzwerten aus, nur weil die Hafengrenzwerte eingehalten wurden. Dokumentiere die Endwerte in den Ladungs- oder Stabilitätsunterlagen.
2Schritt für Schritt
Belastungen vor und während des Ladens prüfen
- 1
Rechne den genehmigten Testladefall im Programm durch und vergleiche mit dem Handbuch.
So prüfst du, ob Programm und Rumpfdaten noch die genehmigten Werte ergeben.
- 2
Gib den tatsächlich geplanten Auslaufzustand ein und prüfe jeden Laderaum, Tank und jede Gewichtskonstante.
Fehlende Angaben sind die häufigste Ursache falscher Ergebnisse.
- 3
Prüfe die prozentuale Auslastung von SF und BM an jeder Messstelle anhand der Seegrenzwerte.
Der Auslaufzustand muss für die See geeignet sein, nicht nur für den Liegeplatz.
- 4
Prüfe jede Zwischenstufe für Ladung und Ballast anhand genehmigter Hafengrenzwerte, soweit anwendbar; sonst gelten Seegrenzwerte.
Belastungsspitzen treten oft zwischendurch auf, nicht am Ende.
- 5
Übersteigt ein Wert 100 %, plane Reihenfolge, Mengen je Ladeschritt oder Ballast neu.
Eine Planänderung kostet weniger als gerissene Platten.
- 6
Vergleiche beim Laden tatsächliche Tiefgänge und Mengen mit dem Plan und rechne erneut.
Landseitige Mengenangaben und Ballastraten weichen vom Plan ab.
3Wichtige Daten
- Ergebnis
- % der zulässigen SF und BM an jeder Messstelle
- Beispiel
- 18.400 t ÷ 23.000 t Grenzwert = 80 %
- Hafen und See
- Hafengrenzwerte höher; beim Auslaufen gelten Seegrenzwerte
- IACS UR S1
- Grundsätzlich: Handbuch ≥65 m; Rechner für Kategorie I ≥100 m.
- SOLAS XII/11
- Ladungsrechner auf Massengutschiffen ≥ 150 m
- IACS UR L5
- Genehmigung von Stabilitätssoftware an Bord
4Kernpunkte
- 1
Nutze an jeder Messstelle den SF-Grenzwert mit passendem Vorzeichen und den BM-Grenzwert für Auf- oder Durchbiegung.
- 2
Prüfe jede Zwischenstufe, nicht nur den Endzustand.
- 3
Beim Auslaufen müssen Seegrenzwerte eingehalten werden; Hafengrenzwerte gelten nur im Hafen.
- 4
Prüfe den Ladungsrechner mit seinen genehmigten Testladefällen.
5Häufige Fehler
Falsch: Liegt der Endzustand innerhalb der Grenzen, ist der Ablauf sicher.
Richtig: Spitzen treten oft während des Ladens oder Löschens auf. Prüfe jede Stufe des Ablaufs.
Falsch: Eingehaltene Hafengrenzwerte bedeuten, dass du auslaufen kannst.
Richtig: Hafengrenzwerte berücksichtigen nur ruhiges Wasser. Vor dem Auslaufen muss jede Stelle innerhalb der niedrigeren Seegrenzwerte liegen.
Falsch: Der Ladungsrechner kann sich nicht irren.
Richtig: Er ist nur so gut wie seine Eingaben und Daten. Prüfe Tankeingaben, Einheiten und genehmigte Testladefälle.
6Praxisfall & Prüfungstipps
Im Endzustand zeigt der Ladungsrechner an Spant 120 ein BM von 2.185.000 t·m. Dort beträgt der Seegrenzwert 1.900.000 t·m, der Hafengrenzwert 2.470.000 t·m. In zwei Stunden soll das Schiff auslaufen. Was tust du?
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Spant 120 erreicht 115 % seines Seegrenzwertes und 88,5 % seines Hafengrenzwertes. Diese Stelle besteht nur die Hafenprüfung des BM. Laufe nicht aus. Plane Ladung oder Ballast neu. Prüfe SF und BM an jeder Stelle und in jeder Korrekturstufe anhand genehmigter Hafengrenzwerte, soweit anwendbar, sonst anhand der Seegrenzwerte. Fahre nur fort, wenn alle geltenden Grenzen durchgehend eingehalten werden. Prüfe die tatsächlichen Eingaben und dokumentiere vor dem Auslaufen den geänderten Auslaufzustand, der sämtliche Seegrenzwerte einhält.
Prüfungstipps
- Auslastung in % = Betrag des Ergebnisses ÷ Betrag des passenden Grenzwertes × 100.
- Im Hafen gelten genehmigte Hafengrenzwerte, soweit anwendbar; für Auslaufen und Seereise gelten Seegrenzwerte.
- UR S1: Ladungshandbuch und Ladungsrechner; SOLAS XII/11: Massengutschiffe ≥ 150 m.
- Rechne den genehmigten Testladefall durch; prüfe Zwischenstufen.
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