Kompassfehlweisung mit einem Gestirn bestimmen
1Die Lektion in einfachen Worten
Berechne die rechtweisende Peilung eines Gestirns für den Moment deiner Kompasspeilung. Die Differenz ist die Kompassfehlweisung – überall auf dem Ozean.
Die Idee
Fernab von Land liefert dir ein Gestirn eine Vergleichsrichtung. Sein rechtweisendes Azimut ist seine Peilung, im Uhrzeigersinn ab rechtweisend Nord gemessen. Berechne es für deinen Ort und den Beobachtungszeitpunkt. Vergleiche es mit der gleichzeitig genommenen Kompasspeilung. Kompassfehlweisung = rechtweisende Peilung − Kompasspeilung. Addiere oder subtrahiere bei Bedarf 360°, damit das Ergebnis zwischen −180° und +180° liegt. Positiv bedeutet Ost, negativ West.
Zwei Methoden
Eine Azimutbeobachtung ist möglich, sobald das Gestirn tief genug steht, um es genau über den Kompass zu peilen. Du berechnest sein rechtweisendes Azimut für den genauen Zeitpunkt. Eine Amplitudenbeobachtung erfolgt beim Auf- oder Untergang. Für die rechtweisende Peilung brauchst du dann nur Breite und Deklination, den Winkelabstand des Gestirns vom Himmelsäquator. Nachts bietet der Polarstern eine dritte Kontrolle.
Warum die Sonne?
Meist nutzt du die Sonne: Sie ist hell, leicht zu peilen und täglich über dem Horizont. Nutze den Sonnenfilter der Kompasspeilvorrichtung und peile die Scheibenmitte. Helle Planeten und Sterne eignen sich ebenfalls, wenn sie in der Dämmerung tief stehen.
Wie oft?
Prüfe den Steuerkompass auf einer Ozeanpassage mindestens einmal täglich. Prüfe ihn auch nach einer großen Steuerkursänderung oder wenn neue Ausrüstung daneben verstaut wurde. Protokolliere jede Kontrolle: Datum, Weltzeit (UT), Steuerkurs, rechtweisende Peilung, Kompasspeilung, Fehlweisung, Missweisung und Ablenkung.
Auch auf Schiffen
Ein Kreiselkompass hat weder Missweisung noch Ablenkung, kann aber einen kleinen Fehler haben. Dieselbe Beobachtung liefert ihn: Kreiselfehler = rechtweisende Peilung − Kreiselpeilung. Den Magnetkompass als Reserve prüfst du genauso.
2Wichtige Daten
- Kompassfehlweisung
- Rechtweisende Peilung − Kompasspeilung; + Ost, − West
- Azimutmethode
- Bei tief stehendem Gestirn; rechtweisendes Azimut für die genaue UT
- Amplitudenmethode
- Beim Auf- oder Untergang; nur Breite und Deklination nötig
- Häufigkeit auf See
- Mindestens täglich und nach großen Steuerkursänderungen
- Kreiselfehler
- Rechtweisende Peilung − Kreiselpeilung, mit denselben Beobachtungen
- Spanische Begriffe
- Corrección total (Ct) por azimut o por amplitud
3Kernpunkte
- 1
Der Himmel liefert überall eine rechtweisende Peilung: Kompassfehlweisung = rechtweisende Peilung − Kompasspeilung.
- 2
Azimut: tief stehendes Gestirn, genaue Zeit. Amplitude: beim Auf- oder Untergang.
- 3
Prüfe den Steuerkompass auf Passage mindestens täglich und protokolliere jede Kontrolle.
- 4
Dieselbe Methode liefert den Kreiselfehler eines Schiffes.
4Häufige Fehler
Falsch: Kompassfehlweisung = Kompasspeilung − rechtweisende Peilung.
Richtig: Ziehe die Kompasspeilung von der rechtweisenden Peilung ab. Bei 005°T und 355°C addierst du 360° zu −350°: Die Fehlweisung beträgt 10°E.
Falsch: Sobald die Ablenkungstabelle erstellt ist, braucht der Kompass auf See keine Kontrolle mehr.
Richtig: Die Ablenkung ändert sich mit dem Steuerkurs und durch versetzte Ausrüstung nahe dem Kompass. Prüfe ihn auf Passage täglich.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Zwei Steuerkursanzeigen weichen um 6° voneinander ab. Du hast einen zuverlässigen Koppelort, genaue UT und eine tief stehende Nachmittagssonne. Beim Sonnenaufgang wird die Sicht wohl schlecht sein. Welche Kompasskontrolle machst du jetzt, und was protokollierst du?
Antwort zeigen
Mache jetzt eine Azimutkontrolle. Peile die Sonne bei gleichbleibendem Steuerkurs über den Kompass und notiere die genaue UT. Berechne die rechtweisende Peilung, dann die Kompassfehlweisung und mit der Missweisung die Ablenkung. Protokolliere Datum, UT, Steuerkurs, rechtweisende und Kompasspeilung, Fehlweisung, Missweisung und Ablenkung. Prüfe die andere Anzeige mit dem berichtigten Steuerkompass.
Prüfungstipps
- Kompassfehlweisung (corrección total) = rechtweisende Peilung − Kompasspeilung.
- Azimut: tief stehendes Gestirn, genaue UT. Amplitude: Auf- oder Untergang, nur Breite und Deklination.
- Auf See täglich prüfen; Steuerkurs, UT, Peilungen, Fehlweisung, Missweisung und Ablenkung protokollieren.
- Den Kreiselfehler bestimmst du genauso.
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