Meine Module›M11 Astronavigation›8. Fehlweisung aus Azimut und Amplitude
Einheiten ansehen

Fehlweisung aus Azimut und Amplitude

4 Lektionen
Keine Notizen
Astronavigation≈ 3 Min. Lesezeit

Rechenbeispiel: Kompassfehlweisung mit Amplitude beim Sonnenaufgang

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Beim Auf- oder Untergang genügen Breite und Deklination: sin A = sin Dec ÷ cos Lat. Peile, wenn die Sonnenmitte auf dem wahren Horizont steht.

Amplitude

Die Amplitude (A), auch Morgen- oder Abendweite genannt, ist der Winkel zwischen Ost oder West und der Gestirnspeilung beim Auf- oder Untergang. Du bezeichnest sie beim Aufgang mit E, beim Untergang mit W, danach mit N oder S entsprechend der Deklination. Steht die Gestirnsmitte auf dem wahren Horizont (wahre Höhe 0°), gilt: sin A = sin Dec ÷ cos Lat. Du brauchst keine genaue Zeit, nur Breite und Deklination.

Der richtige Moment

Der Rand begrenzt die Gestirnsscheibe. Steht die Sonnenmitte auf dem wahren Horizont, liegt ihr Unterrand etwa zwei Drittel eines Durchmessers über der sichtbaren Kimm. Beim Mond beobachtest du, wenn sein Oberrand die Kimm berührt. Sterne und Planeten beobachtest du etwa einen Sonnendurchmesser darüber.

Stattdessen die sichtbare Kimm

In höheren Breiten verursacht ein falsch eingeschätzter Beobachtungszeitpunkt einen größeren Peilfehler. Peile stattdessen, wenn die Sonnenmitte auf der sichtbaren Kimm steht. Berichtige die beobachtete Peilung mit Bowditch-Tafel 23 vom erhöhten Pol weg: auf Nordbreiten vom Nordpol, auf Südbreiten vom Südpol. Vergleiche dann die berichtigte Kompasspeilung mit der für den wahren Horizont berechneten Peilung. Nahe 16°N beträgt die Berichtigung in diesem Beispiel etwa 0,2°.

Beispiel: Sonnenaufgang

4. Dezember 2026, etwa 0859 UT, Koppelort 16°07′N 040°25′W, Steuerkurs 262°C. Dec S22°15,3′. sin A = sin 22°15,3′ ÷ cos 16°07′ = 0,3787 ÷ 0,9607 = 0,3942, also A = E 23,2° S. Rechtweisende Peilung = 090° + 23,2° = 113,2°T.

Beispiel: die Fehlweisung

Der Sonnenunterrand steht etwa zwei Drittel eines Durchmessers über der sichtbaren Kimm. Du peilst die Sonnenmitte mit 126,6°C. Fehlweisung = 113,2 − 126,6 = −13,4°: 13,4°W. WMM2025 liefert hier 14,5°W Missweisung. Ablenkung = −13,4 − (−14,5) = 1,1°E bei 262°C. Das liegt nahe den 0,9°E der Azimutkontrolle am selben Nachmittag.

2Wichtige Daten

Formel
sin A = sin Dec ÷ cos Lat (Mitte auf dem wahren Horizont)
Bezeichnung
E beim Aufgang, W beim Untergang; dann N oder S wie die Deklination
Sonnenmitte auf dem wahren Horizont
Unterrand etwa zwei Drittel eines Durchmessers über der sichtbaren Kimm
Mond; Sterne und Planeten
Mond: Oberrand auf der Kimm; Sterne: etwa einen Sonnendurchmesser darüber
Amplitude im Beispiel
Dec S22°15,3′, Breite 16°07′N: E 23,2° S = 113,2°T
Fehlweisung im Beispiel
113,2 − 126,6 = 13,4°W; Missweisung 14,5°W → Ablenkung 1,1°E

3Kernpunkte

  1. 1

    sin A = sin Dec ÷ cos Lat: nur Breite und Deklination, keine genaue Zeit.

  2. 2

    Bezeichne A von Ost (Aufgang) oder West (Untergang) zum Pol der Deklination hin.

  3. 3

    Peile die Sonne, wenn ihr Unterrand etwa zwei Drittel eines Durchmessers über der Kimm steht.

  4. 4

    In höheren Breiten: Sonnenmitte auf der sichtbaren Kimm peilen, dann Bowditch-Tafel 23 anwenden.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Peile, sobald der Sonnenoberrand erscheint.

    Richtig: Dann steht die Mitte noch unter dem wahren Horizont. Warte, bis der Unterrand etwa zwei Drittel eines Durchmessers über der Kimm steht.

  • Falsch: Eine aufgehende Sonne mit südlicher Deklination hat die rechtweisende Peilung 090° − A.

    Richtig: E 23,2° S bedeutet 23,2° südlich von Ost: 090° + 23,2° = 113,2°T.

  • Falsch: Bei gleicher Deklination ist die Amplitude auf jeder Breite gleich.

    Richtig: Sie wächst mit der Breite: Bei Dec 22°15′ etwa 22,2° am Äquator, 25,9° auf 30° und 36,1° auf 50°.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Abends, Steuerkurs 280°C, Breite 50°N, Dec N20°00′. Die Sonnenmitte steht auf dem wahren Horizont; Kompasspeilung 312,0°C. Missweisung 2,0°W; die Tabelle nennt 0,5°W bei 280°C. Ein Wachoffizier will den Tabellenwert ersetzen. Berechne Amplitude, rechtweisende Peilung, Fehlweisung und Ablenkung. Entscheide dann.

Antwort zeigen

A = W 32,1° N, also Zn = 302,1°T. Fehlweisung = 302,1 − 312,0 = 9,9°W. Ablenkung = −9,9 − (−2,0) = 7,9°W bei 280°C. Weder diese Einzelkontrolle noch die alte Tabelle ist schon bestätigt. Wiederhole die Beobachtung, prüfe Eingaben und magnetische Gegenstände. Vergleiche mit einer anderen Methode. Nutze bis dahin eine unabhängig geprüfte Steuerkursanzeige. Protokolliere die bestätigte Ablenkung, bevor du sie übernimmst.

Prüfungstipps

  • Amplitude: sin A = sin Dec ÷ cos Lat, Gestirnsmitte auf dem wahren Horizont.
  • Bezeichnung E (Aufgang) oder W (Untergang), dann N oder S wie die Deklination.
  • Sonne: Unterrand etwa ⅔ eines Durchmessers über der sichtbaren Kimm; Mond: Oberrand darauf.
  • Sonnenmitte auf sichtbarer Kimm: Peilung mit Tafel 23 berichtigen, auf Nordbreiten von Nord weg, auf Südbreiten von Süd weg.

Diese Einheit abschließen

Wenn du sie gelesen hast, beantworte drei Fragen. Mit drei richtigen Antworten schließt du die Einheit ab; nur die Seite zu öffnen zählt nicht.

Meine Notizen zu dieser Einheit

Keine Notizen