Einheiten ansehenFeuer an Bord: Brandchemie, Zündquellen, Branderkennung und fest eingebaute Löschanlagen (STCW A-VI/1-2)
Brandchemie: Was brennt und wann?
1Die Lektion in einfachen Worten
Flüssigkeiten brennen nicht selbst, sondern ihre Dämpfe. Flammpunkt, Zündtemperatur und Explosionsgrenzen zeigen dir, wann ein Brennstoff an Bord zur Brandgefahr wird.
Das Brandtetraeder
Du kennst vielleicht das Branddreieck: Brennstoff, Wärme und Sauerstoff. Flammen brauchen auch eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion in den brennenden Gasen. Daraus wird das Brandtetraeder. Es gibt vier Löschwege: Abkühlen entzieht Wärme (Wasser), Ersticken trennt Sauerstoff vom Brennstoff (Schaum) oder senkt den Sauerstoffgehalt am Brand (CO₂), Brennstoffentzug unterbricht die Zufuhr (Brennstoffventil schließen, Ladung entfernen), und Unterbrechen der Kettenreaktion wirkt mit Löschpulver. Hier lernst du die Theorie. An echten Bränden und mit Atemschutzgerät übst du in deinem zugelassenen Lehrgang.
Flammpunkt und Brennpunkt
Der Flammpunkt ist die niedrigste Temperatur, bei der eine Flüssigkeit so viel Dampf abgibt, dass sich dieser bei Annäherung einer Flamme kurz entzündet. Am wenige Grad höheren Brennpunkt brennt der Dampf weiter. SOLAS, das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, verlangt für flüssigen Brennstoff normalerweise mindestens 60 °C Flammpunkt. Erwärmen erzeugt mehr Dampf. Feiner Brennstoffnebel aus einem Leck kann sich auch unterhalb des Flammpunkts der Flüssigkeit entzünden.
Selbstentzündung
Die Zündtemperatur ist die Temperatur, bei der sich ein Stoff ohne Flamme oder Funken selbst entzündet. Für Schiffsdiesel werden oft etwa 250 °C angegeben. Die Werte hängen aber vom Brennstoff und den Prüfbedingungen ab. Abgaskrümmer und Turboladergehäuse können viel heißer sein. Deshalb kann Brennstoff, der aus einem gerissenen Rohr auf eine unisolierte heiße Fläche spritzt, einen Maschinenraumbrand auslösen.
Explosionsgrenzen
Dampf brennt nur im richtigen Mischungsverhältnis mit Luft. Die untere Explosionsgrenze (UEG, englisch LFL) bezeichnet das magerste brennbare Gemisch, die obere Explosionsgrenze (OEG, englisch UFL) das fetteste. Bei Mineralöldämpfen liegt der Bereich ungefähr bei 1–10 Volumenprozent. Oberhalb der OEG ist das Gemisch zu fett, wird aber durch Luftzutritt zündfähig. Bei Ölladungen hält Inertisieren den Sauerstoffgehalt bei höchstens 8 %. Überdruck verhindert Luftzutritt. So entsteht kein zündfähiges Kohlenwasserstoff-Luft-Gemisch.
Brandklassen
Die Norm EN 2 ordnet Brände nach dem Brennstoff: A feste Stoffe wie Holz und Papier; B Flüssigkeiten wie Brennstofföl und Farbe; C Gase wie Flüssiggas (LPG) und Acetylen; D Metalle wie Magnesium; F Speiseöle und Speisefette. IMO-Leitlinien berücksichtigen unterschiedliche Einteilungen. Hier gilt EN 2. Prüfe die Kennzeichnung der Ausrüstung an Bord. Elektrische Anlagen bilden keine Brandklasse: Bis zum Freischalten besteht Stromschlaggefahr. US-amerikanische National Fire Protection Association (NFPA): A feste Stoffe, B Flüssigkeiten/Gase, C unter Spannung stehende Anlagen, D Metalle, K Speiseöle.
2Wichtige Daten
- Flammpunkt von Brennstofföl (SOLAS)
- Mindestens 60 °C (43 °C für Notstromaggregate zulässig)
- Zündtemperatur von Diesel
- Typischerweise etwa 250 °C; Abgasanlagen sind viel heißer
- Zündbereich von Mineralöldämpfen
- Etwa 1–10 Volumenprozent in Luft (UEG bis OEG)
- Inertisierter Ölladungstank
- Sauerstoffgehalt höchstens 8 Volumenprozent
- Brandklassen nach EN 2
- A feste Stoffe, B Flüssigkeiten, C Gase, D Metalle, F Speiseöle
- Brände elektrischer Anlagen
- Nach EN 2: Stromschlaggefahr, keine Brandklasse
3Kernpunkte
- 1
Vier Löschwege: abkühlen, ersticken, Brennstoff entziehen, Kettenreaktion unterbrechen.
- 2
Flüssigkeiten brennen als Dampf. Der Flammpunkt zeigt, wann genug davon entsteht.
- 3
Erwärmen erzeugt mehr Brennstoffdampf. Feiner Nebel kann sich unterhalb des Flammpunkts entzünden.
- 4
Brennstoffspray kann sich auf heißen Flächen ohne Flamme oder Funken entzünden. Die genauen Bedingungen variieren.
- 5
Ein zu fettes Gemisch wird durch Luftzutritt zündfähig. Inertisieren von Ölladungen hält Sauerstoff bei höchstens 8 %.
4Häufige Fehler
Falsch: Diesel hat einen Flammpunkt über 60 °C. Ein Dieselleck kann deshalb keinen Brand verursachen.
Richtig: Feiner Sprühnebel kann sich unterhalb des Flammpunkts der Flüssigkeit entzünden, besonders auf heißen Flächen.
Falsch: Einen Tank mit zu fettem Gemisch kannst du gefahrlos belüften und betreten.
Richtig: Frischluft kann das Gemisch in den zündfähigen Bereich bringen. Belüfte oder betrete den Tank nicht eigenmächtig. Melde die Gefahr.
Falsch: Brände elektrischer Anlagen haben eine eigene Brandklasse mit eigenem Buchstaben.
Richtig: Nach EN 2 ist Elektrizität eine Gefahr, keine Brandklasse. Schalte die Stromversorgung frei. Der brennende Stoff bestimmt die Klasse.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Ein Besatzungsmitglied sagt: Oberhalb der oberen Explosionsgrenze kann die Tankatmosphäre nicht brennen. Den Tank für Frischluft zu öffnen müsse also sicher sein. Wie reagierst du?
Antwort zeigen
Öffne ihn nicht. Oberhalb der OEG ist das Gemisch zu fett zum Brennen. Luftzutritt kann es aber zündfähig machen. Erkläre, warum der Messwert keine Sicherheit beweist, und melde es dem zuständigen Offizier. Auch eine nicht brennende Atmosphäre kann beim Einatmen tödlich sein.
Prüfungstipps
- Brandtetraeder: Brennstoff, Wärme, Sauerstoff und Kettenreaktion. Löschen durch Abkühlen, Ersticken, Brennstoffentzug oder Unterbrechen der Kettenreaktion.
- Flammpunkt: kurze Dampfentzündung durch eine Flamme; Brennpunkt: anhaltendes Brennen; Selbstentzündung: keine Flamme nötig.
- UEG und OEG begrenzen den zündfähigen Bereich. Inertisierte Ölladungstanks haben höchstens 8 % Sauerstoff.
- EN 2: A feste Stoffe, B Flüssigkeiten, C Gase, D Metalle, F Speiseöle. Elektrizität ist eine Gefahr, keine Brandklasse.
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