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Rettungsmittel: Rettungswesten, Eintauchanzüge, Rettungsboote und Rettungsflöße

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Rettungsboote: Bauarten, Schutz und Ausrüstung

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Frachtschiffe führen meist geschlossene Rettungsboote auf beiden Seiten oder ein Freifallboot am Heck, dazu Flöße. Manche Tankerladungen erfordern Atemluftversorgung und Feuerschutz.

Bauarten

Ein Rettungsboot ist ein starres Überlebensfahrzeug. Teilweise geschlossene Boote haben feste Abdeckungen an Bug und Heck und ein faltbares Verdeck dazwischen; sie werden auf Fahrgastschiffen eingesetzt. Frachtschiffe führen normalerweise vollständig geschlossene Rettungsboote mit wasserdichter Abdeckung und Luken. Sind alle angeschnallt und die Luken geschlossen, ist das Boot selbstaufrichtend: Es richtet sich nach einer Kenterung wieder auf. Davits, schwenkbare Hebearme, fieren Boote ab, senken sie also kontrolliert ins Wasser. Ein Freifallrettungsboot gleitet mit angeschnallten Personen, die nach achtern, also zum Heck hin, blicken, von einer Heckrampe ins Meer.

Tanker und Gastankschiffe

Eine unabhängige Luftversorgung nutzt Druckluft, damit Insassen bei geschlossenen Luken und laufendem Motor mindestens 10 Minuten sicher atmen und giftige Gase draußen bleiben. Sie ist bei Ladungen vorgeschrieben, die giftige Dämpfe abgeben. Ein feuergeschütztes Rettungsboot, meist mit Wassersprühschutz, hält bei Zulassungsprüfungen einem umgebenden Ölbrand mindestens 8 Minuten stand. Tanker mit Ladungen, deren Flammpunkt höchstens 60 °C beträgt, brauchen diesen Schutz. Der Flammpunkt ist die niedrigste Flüssigkeitstemperatur, bei der sich ihre Dämpfe durch eine Zündquelle entzünden.

Leistungsdaten

Kein Rettungsboot darf mehr als 150 Personen aufnehmen. Voll beladen erreicht es in ruhigem Wasser mindestens 6 Knoten und beim Schleppen eines beladenen 25-Personen-Rettungsfloßes mindestens 2 Knoten. Es führt Kraftstoff für 24 Stunden bei 6 Knoten mit. Sein Motor startet bei Temperaturen bis −15 °C innerhalb von 2 Minuten.

Wichtige Ausrüstung

Ein Rettungsboot führt 3 Liter Trinkwasser pro Person. Eine zugelassene Entsalzungsanlage, die aus Meerwasser Trinkwasser macht, darf einen Teil ersetzen. Hinzu kommen mindestens 10.000 kJ Nahrung pro Person, Mittel gegen Seekrankheit für 48 Stunden und je ein Beutel, Wärmeschutzhilfsmittel, Erste-Hilfe-Ausrüstung, ein Treibanker zum Mindern der Abdrift, Ösfässer zum Wasserschöpfen, ein Suchscheinwerfer, vier Fallschirm-Leuchtraketen, sechs Handfackeln und zwei schwimmfähige Rauchsignale.

Auf einem Frachtschiff

Nach SOLAS haben Frachtschiffe üblicherweise vollständig geschlossene Davit-Rettungsboote auf beiden Seiten, je Seite für 100 % der Personen an Bord, oder ein Freifallrettungsboot am Heck für 100 %. Rettungsflöße kommen hinzu. Seit 1. Januar 2026 geltende Änderungen des LSA-Codes fordern für vollständig geschlossene Rettungsboote, die ab 1. Januar 2029 eingebaut werden, mindestens 5 m³ Lüftungsluft pro Person und Stunde über 24 Stunden. Das Zuwasserlassen behandelt Notfälle: Überlebensfahrzeuge (P3).

2Wichtige Daten

Höchstkapazität
150 Personen
Geschwindigkeit
6 Knoten beladen; 2 Knoten beim Schleppen eines beladenen 25-Personen-Rettungsfloßes
Kraftstoff
24 h bei 6 Knoten
Luftversorgung
Sichere Atemluft für mindestens 10 min, Luken zu, Motor läuft
Feuerschutz
Hält einem umgebenden Ölbrand mindestens 8 min stand
Wasser und Nahrung
3 L Wasser und 10.000 kJ Nahrung pro Person

3Kernpunkte

  1. 1

    Frachtschiffe führen meist vollständig geschlossene, selbstaufrichtende Davit-Rettungsboote oder ein Freifallboot am Heck.

  2. 2

    Giftige Dämpfe: Luftversorgung ≥10 min. Tankerladung mit Flammpunkt ≤60 °C: Feuerschutz ≥8 min.

  3. 3

    Rettungsboote: höchstens 150 Personen, 6 Knoten, Kraftstoff für 24 h.

  4. 4

    Zur Ausrüstung gehören 3 L Wasser und 10.000 kJ Nahrung pro Person.

  5. 5

    Selbstaufrichtung nur, wenn alle angeschnallt und die Luken geschlossen sind.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Im vollständig geschlossenen Rettungsboot sind Gurte freiwillig, sobald es im Wasser liegt.

    Richtig: Bleibe bei schwerer See angeschnallt. Das Boot richtet sich nur auf, wenn alle auf ihren Sitzen bleiben.

  • Falsch: Ein feuergeschütztes Rettungsboot kann beliebig lange in brennendem Öl bleiben.

    Richtig: Die Zulassungsprüfung für den Feuerschutz dauert mindestens 8 Minuten. Das bedeutet keinen unbegrenzten Schutz.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Du kommst auf einen Chemikalientanker, dessen Ladung giftige Dämpfe abgibt und einen Flammpunkt von 40 °C hat. Bei der Einweisung fragt der Zweite Offizier, was euer Rettungsboot von dem eines Containerschiffs unterscheidet.

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Giftige Dämpfe erfordern ein vollständig geschlossenes Rettungsboot mit Luftversorgung für mindestens 10 Minuten bei geschlossenen Luken und laufendem Motor. Ein Flammpunkt unter 60 °C erfordert zusätzlich Feuerschutz, mindestens 8 Minuten in einem umgebenden Ölbrand geprüft. Lass dir beide Systeme bei der Einweisung zeigen und melde fehlenden Schutz. Die Bedienung gehört zur Ausbildung an Überlebensfahrzeugen.

Prüfungstipps

  • Teilweise geschlossen: Fahrgastschiffe; meist vollständig geschlossen und selbstaufrichtend: Frachtschiffe.
  • Freifallrettungsboote starten über das Heck; alle sind angeschnallt und blicken nach achtern.
  • Luftversorgung: mindestens 10 min; Feuerschutz: mindestens 8 min in einem umgebenden Ölbrand.
  • Höchstens 150 Personen; 6 Knoten; Kraftstoff für 24 h; 3 L Wasser pro Person.

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