Rettungsflöße: Bauarten, freies Aufschwimmen und Wartung
1Die Lektion in einfachen Worten
Rettungsflöße sind aufblasbare oder starre Fahrzeuge für mindestens sechs Personen. Eine korrekt montierte Freischwimmanordnung gibt ein aufblasbares Floß frei, wenn das Schiff sinkt.
Bauarten
Ein Rettungsfloß ist entweder aufblasbar, in einem Behälter verpackt und durch eine Gasflasche gefüllt, oder starr, mit eingebautem Auftrieb. Die meisten Schiffsflöße sind aufblasbar. Jedes hat ein Schutzdach, zwei Treibanker zum Mindern der Abdrift, Halteleinen innen und außen, eine Einstiegsrampe oder Leiter und Vorrichtungen zum Sammeln von Regenwasser. Rettungsflöße nehmen mindestens 6 Personen auf.
Wurf- oder Davitfloß
Ein Wurfrettungsfloß hat einen Behälter, der zum Ausbringen über die Bordwand vorgesehen ist. Ein Davitrettungsfloß nutzt einen Hebearm und erlaubt trockenes Einsteigen. Die Auslöseleine ist die Leine, die das Aufblasen auslöst.
Freies Aufschwimmen
Bei korrekt montierter Freischwimmanordnung wird ein aufblasbares Floß beim Sinken des Schiffs frei. Ein Gurt mit hydrostatischer Auslösevorrichtung (HRU) hält den Behälter. Sie gibt ihn bei höchstens 4 m Tiefe frei. Der Behälter schwimmt auf, die Auslöseleine spannt sich und löst das Aufblasen aus. Danach reißt eine Sollbruchstelle bei 2,2 ± 0,4 kN, damit das sinkende Schiff das Floß nicht hinabzieht. Überbrücke die Sollbruchstelle niemals.
Kennzeichnung und Ausrüstung
Der Behälter zeigt Identität, Zulassung, Personenzahl, Ausrüstung, Auslöseleinenlänge, zulässige Stauhöhe, Wartungsdatum und Ausbringanleitung. Eine SOLAS-A-Ausrüstung enthält normalerweise 1,5 Liter Wasser und 10.000 kJ Nahrung pro Person, Notsignale, Erste-Hilfe-Ausrüstung und Mittel gegen Seekrankheit. Zugelassene Entsalzungsanlagen dürfen einen Teil des Wassers ersetzen. Eine SOLAS-B-Ausrüstung enthält weder Nahrung noch Wasser und braucht die Genehmigung des Flaggenstaats für geeignete kurze internationale Fahrgastreisen.
Wartung
Aufblasbare Rettungsflöße, aufblasbare Rettungswesten und Schiffsevakuierungssysteme werden in einer zugelassenen Station spätestens alle 12 Monate gewartet. Der Flaggenstaat darf auf 17 Monate verlängern. Wartbare HRUs haben denselben 12-Monats-Zyklus; Einweg-HRUs werden bis zum Ablaufdatum ersetzt. Prüfe die Termine deiner Flöße.
2Wichtige Daten
- Mindestkapazität
- 6 Personen
- HRU
- Gibt das Floß bei höchstens 4 m Tiefe frei
- Sollbruchstelle
- Reißt bei 2,2 ± 0,4 kN
- Wartung
- Normalerweise ≤12 Monate; Einweg-HRUs: bis zum Ablauf ersetzen
3Kernpunkte
- 1
Rettungsflöße nehmen mindestens 6 Personen auf. Prüfe die zugelassene Personenzahl am Behälter.
- 2
Lies Personenzahl, Ausrüstungstyp und Wartungsdatum am Behälter ab.
- 3
Freies Aufschwimmen: HRU löst bei höchstens 4 m aus; die Sollbruchstelle verhindert das Hinabziehen durch das Schiff.
- 4
A-Ausrüstung ist Standard; B braucht die Genehmigung des Flaggenstaats für geeignete kurze internationale Fahrgastreisen.
- 5
Aufblasbare Mittel und wartbare HRUs normalerweise spätestens alle 12 Monate warten; Einweg-HRUs bis zum Ablauf ersetzen.
4Häufige Fehler
Falsch: Binde die Auslöseleine direkt an die Reling, damit das Floß nie verloren geht.
Richtig: Befestige sie nach Herstellerangabe über die Sollbruchstelle. Ein direkt ans sinkende Schiff gebundenes Floß wird hinabgezogen.
Falsch: Bordkontrollen ersetzen die Wartung eines aufblasbaren Floßes in einer zugelassenen Station.
Richtig: Die Besatzung kontrolliert die Flöße an Bord. Aufblasbare Flöße brauchen zusätzlich Wartung in einer zugelassenen Station, normalerweise spätestens alle 12 Monate.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Bei der Kontrolle eines Rettungsfloßes auf dem Bootsdeck siehst du: Die HRU ist seit zwei Monaten abgelaufen. Laut Wartungsaufkleber wurde das Floß vor 11 Monaten gewartet.
Antwort zeigen
Melde das sofort dem zuständigen Offizier: Eine abgelaufene HRU gibt das Floß beim Sinken möglicherweise nicht frei. Eine Einweg-HRU muss ersetzt werden; eine wartbare geht zur Wartung. Weise auch darauf hin, dass die 12-Monats-Wartung des Floßes in einem Monat fällig ist. Entferne oder verändere HRU und Sollbruchstelle nicht selbst.
Prüfungstipps
- Rettungsflöße nehmen mindestens 6 Personen auf; Behälter zeigen Personenzahl, Ausrüstungstyp und Wartungsdatum.
- SOLAS A: 1,5 L Wasser und 10.000 kJ Nahrung pro Person; B ohne Nahrung und Wasser, nur mit Genehmigung des Flaggenstaats.
- HRU: Auslösung bei ≤ 4 m; Sollbruchstelle reißt bei 2,2 ± 0,4 kN.
- Aufblasbare Flöße und Rettungswesten: normalerweise spätestens alle 12 Monate warten. Wartbare HRUs: normalerweise 12 Monate; Einweg-HRUs: bis zum Ablauf ersetzen.
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