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Tropische Wirbelstürme: Saisons, Anzeichen und Ausweichen

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Meteorologie≈ 5 Min. Lesezeit

Ausweichmaßnahmen nahe einem tropischen Wirbelsturm

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Gerätst du in die Nähe eines Sturms, bestimme deinen Quadranten. Halte dann den Wind so, dass er dich vom Zentrum wegträgt. Das gilt auf beiden Halbkugeln.

Planung zuerst

Segle in Gebieten mit ausgeprägter Saison außerhalb der Hauptsaison und halte Abstand zu vorhergesagten Stürmen. Eine Yacht mit 6 Knoten schafft 144 Seemeilen am Tag; ein Sturm mit 15 Knoten schafft 360. Die folgenden Maßnahmen aus NHC und Bowditch sind letzte Auswege. Die Winkel bestimmen den Anfangskurs. Solange Zugrichtung und Geschwindigkeit des Sturms gleich bleiben, halte diesen Kompasskurs bei drehendem Wind, soweit Segelbedingungen und Seeraum es zulassen. Beobachte und beurteile die Lage weiter. Verlass dich nicht darauf, einem Wirbelsturm davonzufahren.

Nordhalbkugel

Bestätige deinen Quadranten anhand des Warnberichts; betrachte Wind- und Druckverlauf als Hinweise. Gefährlicher Halbkreis, vor dem Zentrum (Wind dreht rechts, Druck fällt): Wähle den Anfangskurs so, dass der Wind etwa 45° von Steuerbord vorn einfällt, und mache die bestmögliche Fahrt. Eine Segelyacht segelt hoch am Wind, also möglichst nahe am Wind, mit Wind von Steuerbord. Navigierbarer Halbkreis, vor dem Zentrum (Wind dreht rück): Wähle den Anfangskurs so, dass der Wind etwa 135° von Steuerbord achterlich einfällt. Auf der Zugbahn, vor dem Zentrum (Windrichtung gleich, Druck fällt): Wähle den Anfangskurs so, dass der Wind etwa 160° von Steuerbord achterlich einfällt, und laufe in den navigierbaren Halbkreis ab.

Südhalbkugel

Die Maßnahmen spiegeln die nördlichen; bestätige deinen Quadranten anhand des Warnberichts. Gefährlicher Halbkreis, vor dem Zentrum (Wind dreht rück, Druck fällt): Wind etwa 45° von Backbord vorn, bestmögliche sichere Fahrt; eine Segelyacht anfangs hoch am Wind mit Wind von Backbord. Navigierbarer Halbkreis, vor dem Zentrum (Wind dreht rechts): Wind etwa 135° von Backbord achterlich. Auf der Zugbahn, vor dem Zentrum (Windrichtung gleich, Druck fällt): Wind etwa 160° von Backbord achterlich, in den navigierbaren Halbkreis ablaufend. Hinter dem Zentrum: Halte den Wind im Norden auf der Steuerbordseite, im Süden auf der Backbordseite. Passe Kurs und Fahrt für möglichst gutes Seeverhalten an und beobachte die Zugbahn.

Wenn du beiliegen musst

Drehe zum Beiliegen, also zum langsamen Treiben in stabiler Lage, so bei, dass der drehende Wind raumer wird, also weiter von achtern einfällt. Nord: Wind von Steuerbord im gefährlichen Halbkreis, Wind von Backbord im navigierbaren. Süd: Wind von Backbord im gefährlichen Halbkreis, Wind von Steuerbord im navigierbaren. Laufe im vorderen Bereich des gefährlichen Halbkreises nie mit Wind und See schräg von achtern ab: Das trägt dich zum Zentrum. Sturmtaktik hat eine eigene Einheit.

Die Zugbahn nicht voraus kreuzen

Vor einem Sturm dessen Zugbahn zu kreuzen ist der klassische tödliche Fehler: Ein Bruch oder Fahrtverlust lässt dich in seiner Bahn zurück. Hinter ihm zu passieren ist viel sicherer, auch bei längerem Weg. Trage die Lage nach jedem neuen Warnbericht, alle sechs Stunden, neu ein.

2Schritt für Schritt

Wenn ein Sturm droht

  1. 1

    Hole den neuesten Warnbericht; trage Zentrum, Zugbahn und 34-Knoten-Radien ein.

    Deine Position zum Sturm bestimmt alles Weitere.

  2. 2

    Protokolliere ab jetzt wahren Wind und Druck, auch während du handelst. Verzögere keine Ausweichmaßnahme.

    Verläufe helfen, deine eingetragene Position zu prüfen. Sie brauchen Zeit, um erkennbar zu werden.

  3. 3

    Bestimme deinen Quadranten anhand des Warnberichts; gleiche ihn mit beobachteten Verläufen ab.

    Die Regeln für Nord und Süd sind spiegelbildlich. Sie zu verwechseln ist lebensgefährlich.

  4. 4

    Wähle den angegebenen Anfangskurs und mache bestmögliche sichere Fahrt. Solange Zugrichtung und Geschwindigkeit des Sturms gleich bleiben, halte diesen Kurs bei drehendem Wind, soweit Segelbedingungen und Seeraum es zulassen.

    Der Windwinkel bestimmt den Kurs. Beobachte die Zugbahn weiter und beurteile die Lage neu, wenn Sturmbewegung oder Segelbedingungen sich ändern.

  5. 5

    Kreuze die Zugbahn nie vor dem Zentrum. Falls nötig, kreuze dahinter.

    Schäden oder Fahrtverlust vor dem Sturm lassen dich in seiner Bahn zurück.

  6. 6

    Trage die Lage mit jedem neuen Warnbericht neu ein und passe deinen Kurs früh an.

    Zugbahnen ändern sich. Eine kleine frühe Änderung ist besser als eine große späte.

3Wichtige Daten

Nord, gefährlich, davor
Wind etwa 45° von Steuerbord vorn, bestmögliche Fahrt
Nord, navigierbar oder auf Zugbahn davor
Wind etwa 135° (auf Zugbahn 160°) von Steuerbord achterlich
Süd, gefährlich, davor
Wind etwa 45° von Backbord vorn, bestmögliche Fahrt
Süd, navigierbar oder auf Zugbahn davor
Wind etwa 135° (auf Zugbahn 160°) von Backbord achterlich
Beiliegen (Nord)
Gefährlich: Wind von Steuerbord; navigierbar: Wind von Backbord
Beiliegen (Süd)
Gefährlich: Wind von Backbord; navigierbar: Wind von Steuerbord

4Kernpunkte

  1. 1

    Nord, gefährlicher Halbkreis: Wind von Steuerbord vorn. Süd, gefährlicher Halbkreis: Wind von Backbord vorn.

  2. 2

    Navigierbarer Halbkreis oder auf der Zugbahn davor: mit Wind schräg von Steuerbord achtern (Nord) oder Backbord achtern (Süd) ablaufen.

  3. 3

    Liege auf dem Bug bei, auf dem der drehende Wind raumer wird.

  4. 4

    Kreuze die Zugbahn eines Sturms nie voraus; passiere hinter ihm.

  5. 5

    Das sind letzte Auswege: Plane in Gebieten mit ausgeprägter Saison außerhalb der Hauptsaison und halte Abstand zu vorhergesagten Stürmen.

5Häufige Fehler

  • Falsch: Halte im gefährlichen Halbkreis auf jeder Halbkugel den Wind von Steuerbord vorn.

    Richtig: Steuerbord vorn gilt auf der Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel ist es Backbord vorn.

  • Falsch: Laufe vor dem Wind ab, um am schnellsten zu entkommen, egal wo du im Sturm bist.

    Richtig: Im vorderen Bereich des gefährlichen Halbkreises trägt dich Ablaufen zum Zentrum. Halte den Wind dort schräg von vorn.

  • Falsch: Kreuze schnell vor dem Sturm, um auf die andere Seite zu gelangen.

    Richtig: Kreuze seine Zugbahn nicht voraus. Ein Bruch oder Fahrtverlust würde dich in seiner Bahn zurücklassen. Passiere hinter ihm.

6Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Im Nordatlantik liegt deine Position laut neuestem Warnbericht voraus und rechts von einem nordwestwärts ziehenden Hurrikan. Der wahre Wind dreht rechts, der Druck fällt. Deine 12-m-Slup kann bei den derzeitigen 30 Knoten hoch am Wind segeln. Was tust du?

Antwort zeigen

Du liegst vor dem Zentrum im gefährlichen Halbkreis. Beginne mit Wind etwa 45° von Steuerbord vorn, hoch am Wind mit Wind von Steuerbord, bei bestmöglicher sicherer Fahrt. Solange Zugrichtung und Geschwindigkeit des Sturms gleich bleiben, halte den gewählten Kompasskurs bei drehendem Wind, soweit Segelbedingungen und Seeraum es zulassen. Laufe nicht ab. Trage die Lage mit jedem Warnbericht neu ein. Musst du beiliegen, dann mit Wind von Steuerbord.

Prüfungstipps

  • Nord, gefährlicher Halbkreis: Wind 45° von Steuerbord vorn; Segelyacht hoch am Wind mit Wind von Steuerbord.
  • Nord, navigierbar oder auf der Zugbahn davor: Wind schräg von Steuerbord achtern, mit bestmöglicher Fahrt weg.
  • Süd, gefährlicher Halbkreis: Wind 45° von Backbord vorn; navigierbar oder auf Zugbahn: Wind schräg von Backbord achtern.
  • Kreuze die Zugbahn eines Sturms nie vor seinem Zentrum.

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