Seekartennull, Wassertiefen, Trockenfallhöhen und Höhen
1Die Lektion in einfachen Worten
Tiefen zählen ab Seekartennull nach unten, Trockenfallhöhen nach oben. Land-, Feuer- und Durchfahrtshöhen beziehen sich auf Hochwasserstände. Lies die Kartenhinweise.
Seekartennull
Seekartennull (CD, Chart Datum) ist die Bezugsebene für Kartentiefen. In Gezeitengewässern ist es meist LAT, der niedrigstmögliche Gezeitenwasserstand: etwa der niedrigste Gezeitenstand bei normalem Wetter. Deshalb steht fast immer mehr Wasser als eingetragen. Hoher Luftdruck oder ablandiger Wind können den Wasserstand jedoch weiter senken. Die Angaben beim Kartentitel nennen die verwendete Bezugsebene.
Tiefen
Eine Tiefenzahl gibt die Tiefe unter Seekartennull an. Prüfe die Einheit der Karte: Meter, Faden oder Fuß. In einer metrischen Karte bedeutet eine große 4 mit einer kleineren 2 daneben 4,2 m. Tiefenlinien verbinden gleiche Tiefen. Tatsächliche Wassertiefe = Kartentiefe + Höhe der Gezeit. Die Lerneinheit Gezeiten und Höhen zeigt, wie du die Höhe der Gezeit ermittelst.
Trockenfallhöhen
Gebiete, die mit den Gezeiten überflutet werden und trockenfallen, sind meist grün. Ihre Zahlen sind Trockenfallhöhen und werden unterstrichen: Eine unterstrichene 2 mit kleiner 1 bedeutet, dass der Meeresboden dort 2,1 m über Seekartennull liegt. Bei einer Höhe der Gezeit von 3,0 m stehen dort nur 0,9 m Wasser.
Höhen und Durchfahrtshöhen
Landhöhen und Feuerhöhen beziehen sich auf einen angegebenen Hochwasserstand, oft MHWS (mittleres Springhochwasser, den durchschnittlichen Hochwasserstand bei Springtide). Moderne Admiralty-Karten beziehen Durchfahrtshöhen, also den freien Raum über dir, normalerweise auf HAT (höchstmöglicher Gezeitenwasserstand, den höchsten astronomisch vorausberechneten Gezeitenstand). Andere Karten können andere Bezugsebenen nutzen. Prüfe jede Karte. Wetter kann das Wasser über HAT heben und die Durchfahrtshöhe verringern. Nutze bei Freileitungen die angegebene sichere Durchfahrtshöhe, die elektrische Überschläge berücksichtigt, statt nur der tatsächlichen Leitungshöhe.
Reserve lassen
Kartentiefen stammen aus Vermessungen, die alt oder lückenhaft sein können. Sand verlagert sich. Lass eine Sicherheitsreserve unter dem Kiel. Über Fels, bei Wellen oder alten Vermessungen muss sie größer sein.
2Wichtige Daten
- Seekartennull in Gezeitengewässern
- Meist LAT, niedrigstmöglicher Gezeitenwasserstand
- Tatsächliche Wassertiefe
- Kartentiefe + Höhe der Gezeit
- Wasser über trockenfallenden Stellen
- Höhe der Gezeit − Trockenfallhöhe
- Feuerhöhen
- Über einem Hochwasserstand, meist MHWS
- Brücken und Freileitungen
- Moderne Admiralty-Karten: meist HAT; prüfe die Kartenhinweise
3Kernpunkte
- 1
Tiefen liegen unter Seekartennull, in Gezeitengewässern meist LAT.
- 2
Tatsächliche Wassertiefe = Kartentiefe + Höhe der Gezeit.
- 3
Unterstrichene Zahlen: Trockenfallhöhen über Seekartennull. Wasser darüber = Höhe der Gezeit − Trockenfallhöhe.
- 4
Höhen nutzen oft MHWS, Durchfahrtshöhen moderner Admiralty-Karten meist HAT. Prüfe die Kartenhinweise.
- 5
Lies die Angaben beim Kartentitel zu Bezugsebenen und Einheiten.
4Häufige Fehler
Falsch: Seekartennull ist der mittlere Meeresspiegel.
Richtig: In Gezeitengewässern ist es meist LAT, nahe dem niedrigsten Gezeitenstand. Kartentiefen sind damit ein vorsichtiger Mindestwert.
Falsch: Es kann nie weniger Wasser geben als eingetragen.
Richtig: Hoher Luftdruck, ablandiger Wind, alte Vermessungen und wandernder Sand können zu weniger Wasser führen, als die Karte zeigt.
Falsch: Die Durchfahrtshöhe einer Brücke wird ab Seekartennull gemessen.
Richtig: Nutze den angegebenen Hochwasserbezug, bei modernen Admiralty-Karten normalerweise HAT. Prüfe jede Karte. Wetter kann die Durchfahrtshöhe verringern. Nutze bei Freileitungen die angegebene sichere Durchfahrtshöhe.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Du willst mittags bei 1,5 m Kartentiefe ankern. Dein Boot hat 1,8 m Tiefgang. Die Höhe der Gezeit beträgt mittags 2,4 m und fällt bis 18:00 auf 0,6 m. Ist das ein guter Platz für den Nachmittag?
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Mittags beträgt die Tiefe 1,5 + 2,4 = 3,9 m. Du hast 2,1 m Wasser unter dem Kiel. Um 18:00 sind es 1,5 + 0,6 = 2,1 m, also nur 0,3 m unter dem Kiel, bei Schwell noch weniger. Diese Reserve ist zu klein. Ankere tiefer oder fahre rechtzeitig vor dem fallenden Wasserstand ab.
Prüfungstipps
- Seekartennull, in Gezeitengewässern meist LAT: Tiefen werden darunter gemessen.
- Tatsächliche Wassertiefe = Kartentiefe + Höhe der Gezeit.
- Trockenfallhöhen sind unterstrichen und werden über Seekartennull gemessen.
- Feuerhöhen nutzen oft MHWS, Durchfahrtshöhen moderner Admiralty-Karten meist HAT. Prüfe jede Karte.
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