Planen: Route, Zeiten und Auswege
1Die Lektion in einfachen Worten
Zeichne die Route mit Sicherheitsabständen von Liegeplatz zu Liegeplatz. Beachte Tidenfenster, wähle Zufluchten und Abbruchpunkte, schreibe alles auf und informiere jemanden an Land.
Die Route einzeichnen
Zeichne die Route in die Seekarte, von Liegeplatz zu Liegeplatz und Etappe für Etappe. Halte zu jeder Gefahr einen Sicherheitsabstand. Vergrößere ihn bei Nacht, schlechter Sicht, ungenauer Vermessung und überall, wo Wind oder Strom dich zur Gefahr versetzen könnten. Markiere zu meidende Gebiete deutlich. Berücksichtige Gezeitenhöhe, Wasser unter dem Kiel und lichte Höhe über dem Boot. Prüfe jede geplante Etappe anhand der Karte, einschließlich Ausfahrt und Ansteuerung.
Zeiten und Tidenfenster
Eine tidenabhängige Passage kannst du nur bei geeignetem Wasserstand und passenden Stromverhältnissen (Richtung und Stärke des Gezeitenstroms) sicher passieren: etwa ein Kap mit starkem Strom, eine Barre, eine Schleuse oder eine flache Rinne. Rechne von diesen Stellen rückwärts: Wann musst du dort sein, und wann also ablegen? Nutze eine realistische mittlere Fahrt über Grund, also die Geschwindigkeit gegenüber dem Meeresboden. Berücksichtige Strömungen und rechne eine Zeitreserve ein.
Zufluchten und Abbruchpunkte
Markiere Zufluchtshäfen oder Schutzplätze, die du tags wie nachts sicher anlaufen kannst. Berücksichtige dabei den erwarteten Wind, Wasserstand und Stromverhältnisse. Notiere ihre Grenzen: Bei starkem auflandigem Wind kann die Einfahrt in einen Hafen mit Barre gefährlich sein. Lege Abbruchpunkte fest: Positionen oder Zeiten, an denen du umkehrst oder ausweichst, wenn du verspätet bist oder die Bedingungen schlechter als geplant sind.
Ankunft und Nachtfahrt
Bereite die Reviernavigation für Ausfahrt und Ankunft vor: Seezeichen, Deckpeilungen (zwei Marken in einer Linie) und Grenzpeilungen zur Abgrenzung von Gefahren. Die Einheit Reviernavigation zeigt, wie es geht. Liste für Nachtfahrten auf, welche Leuchtfeuer du ungefähr wann sehen wirst. Notiere die UKW-Kanäle von Häfen und Küstenwache sowie Stellen mit starkem Schiffsverkehr.
Aufschreiben und weitergeben
Lege den Plan für die Crew sichtbar bereit: Etappen mit Kursen und Entfernungen, Wegpunktliste, Gezeitenzeiten, tidenabhängige Passagen, Zufluchten, ETA (voraussichtliche Ankunftszeit) an jeder Passage und jedem Hafen sowie UKW-Kanäle. Hinterlasse den Plan einer zuverlässigen Person an Land. Vereinbare, wann sie die Küstenwache rufen soll, falls du nicht angekommen bist. Manche Küstenwachen bieten kostenlose freiwillige Registrierung oder Apps zum Teilen der Route. Nutze solche Angebote, wo es sie gibt.
2Wichtige Daten
- Planungsfahrt
- Realistische mittlere Fahrt über Grund unter Berücksichtigung des Stroms
- Rückwärts rechnen ab
- Tidenabhängigen Passagen: Wann musst du dort sein?
- Sicherheitsabstand
- Größer bei Nacht, schlechter Sicht und alten Vermessungen
- Zuflucht prüfen
- Erlauben Wind, Wasserstand und Stromverhältnisse die Einfahrt auch nachts?
- Kontaktperson an Land
- Kennt Plan, ETA und den Zeitpunkt zum Alarmieren der Küstenwache
3Kernpunkte
- 1
Zeichne die Route von Liegeplatz zu Liegeplatz mit klaren Abständen zu jeder Gefahr.
- 2
Rechne die Zeiten von den tidenabhängigen Passagen rückwärts, mit realistischer Fahrt.
- 3
Wähle Schutzplätze, die bei den erwarteten Bedingungen erreichbar sind, und lege Abbruchpunkte fest.
- 4
Bereite Reviernavigation und nächtliche Leuchtfeuer vor dem Ablegen vor.
- 5
Schreibe den Plan auf. Hinterlasse ihn jemandem an Land, der weiß, wann Alarm auszulösen ist.
4Häufige Fehler
Falsch: Wähle die Abfahrtszeit, ohne die tidenabhängigen Passagen zu prüfen.
Richtig: Prüfe, ob deine Ankunft in jedes sichere Tidenfenster fällt. Rechne rückwärts, wenn eine Passage die Abfahrtszeit bestimmt.
Falsch: Jeder Hafen entlang der Route eignet sich als Zuflucht.
Richtig: Eine Zuflucht muss unter den erwarteten Bedingungen sicher anzulaufen sein. Ein Hafen mit Barre wird bei auflandigem Sturm zur Falle.
Falsch: Sage jemandem an Land nur, dass du segeln gehst.
Richtig: Gib Route, ETA und eine feste Uhrzeit weiter, zu der die Küstenwache gerufen werden soll, falls du dich nicht gemeldet hast.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Ein Kap liegt 18 M entfernt. Sein sicheres Tidenfenster reicht von 1200 bis 1400. Du planst mit durchschnittlich 5 kn (Knoten) über Grund. Eine Zuflucht 6 M vor dem Kap ist heute nutzbar. Du kannst um 0900 oder 1100 ablegen. Rechne 30 Minuten Verzögerung ein. Welche Abfahrt passt, und wann weichst du aus?
Antwort zeigen
Bei 5 kn über Grund dauern 18 M genau 3 h 36 min. Abfahrt um 0900 ergibt ETA 1236 oder 1306 mit Verzögerungsreserve. Abfahrt um 1100 ergibt 1436, außerhalb des Fensters. Wähle 0900. Lege vor dem Ablegen einen Entscheidungspunkt vor der Zuflucht fest: Liegt die aktualisierte ETA am Kap zuzüglich 30 Minuten nach 1400, weichst du aus, solange die Zuflucht erreichbar bleibt.
Prüfungstipps
- Route von Liegeplatz zu Liegeplatz mit Abständen; zu meidende Gebiete markieren; Wegpunkte an der Karte prüfen.
- Tidenabhängige Passage: Zeiten rückwärts berechnen, mit realistischer Fahrt und Reserve.
- Zufluchtshäfen müssen bei erwarteten Bedingungen nutzbar sein; Abbruchpunkte festlegen.
- Schriftlicher Plan an Bord; Plan und ETA bei einer Kontaktperson an Land, die den Alarmzeitpunkt kennt.
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