Standlinien: die Bausteine der Ortsbestimmung
1Die Lektion in einfachen Worten
Eine Standlinie ist eine Linie, auf der du dich befindest. Schneiden sich zwei oder mehr gleichzeitig ermittelte Standlinien, erhältst du deinen Standort.
Was sie aussagt
Eine Standlinie ist eine Linie in der Seekarte, auf der du dich zu einem bestimmten Zeitpunkt befunden hast. Sie allein verrät nicht, wo auf dieser Linie du warst. Der Schnittpunkt von zwei oder mehr gleichzeitig ermittelten Standlinien ist ein beobachteter Ort: ein Standort aus Beobachtungen deiner Umgebung statt aus Schätzungen.
Vier häufige Arten
Eine Kompasspeilung, also die mit dem Kompass gemessene Richtung zu einem kartierten Objekt, ergibt eine Gerade durch dieses Objekt. Eine Deckpeilung, bei der du zwei kartierte Objekte genau hintereinander siehst, liefert die genaueste Gerade. Ein Abstand zu einem Objekt, meist mit Radar gemessen, ergibt einen Kreis darum. Eine Tiefenlinie verbindet kartierte Punkte gleicher Tiefe. Du kannst sie mit einer Echolotmessung abgleichen. Spanische Kurse nennen Tiefenlinien veriles oder isobatas.
Der Schnittwinkel
Schneiden sich zwei Linien unter einem flachen Winkel, entsteht ein langer, schmaler Unsicherheitsbereich. Ein kleiner Fehler in einer Linie verschiebt den Schnittpunkt stark. Wähle zwei Linien mit etwa 90° Schnittwinkel oder drei mit etwa 60° zueinander. Vermeide Schnittwinkel unter etwa 30°.
Den Ort eintragen
Zeichne einen kleinen Kreis um den Schnittpunkt und schreibe die Uhrzeit daneben, etwa ⊙ 14:20. Trage den beobachteten Ort ins Logbuch ein. Andere Zeichen unterscheiden sich je nach Lehrsystem: RYA-Kurse kennzeichnen einen geschätzten Ort mit einem Dreieck. Bowditch verwendet für einen reinen Koppelort einen Halbkreis und für einen geschätzten Ort ein Quadrat. Nutze an Bord ein einheitliches System.
2Wichtige Daten
- Peilung
- Gerade durch das Objekt
- Deckpeilung
- Gerade durch beide Objekte; die genaueste
- Abstand
- Kreis mit dem Objekt als Mittelpunkt
- Schnittwinkel
- Zwei Linien etwa 90°; drei etwa 60°
- Ortszeichen
- Kleiner Kreis um den Schnittpunkt mit Uhrzeit
3Kernpunkte
- 1
Eine Standlinie sagt, dass du irgendwo auf ihr bist. Sich schneidende Linien ergeben einen beobachteten Ort.
- 2
Peilungen und Deckpeilungen ergeben Geraden, ein Abstand einen Kreis.
- 3
Wähle Schnittwinkel nahe 90° bei zwei oder 60° bei drei Linien. Vermeide flache Winkel.
- 4
Kennzeichne einen beobachteten Ort mit einem kleinen Kreis und der Uhrzeit.
4Häufige Fehler
Falsch: Zwei beliebige Peilungen ergeben einen guten Standort.
Richtig: Flache Schnittwinkel verstärken jeden Fehler. Wähle Objekte so, dass sich die Linien etwa rechtwinklig schneiden.
Falsch: Eine Tiefenmessung bestimmt deinen Standort.
Richtig: Eine Tiefe ergibt nur bei eindeutigen Tiefenlinien eine Standlinie. Du brauchst außerdem eine zweite Linie.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Du siehst zwei kartierte Objekte: eine Landspitze 10° an Backbord voraus und eine Bake 15° an Steuerbord voraus. Ist eine Ortsbestimmung aus diesen beiden Peilungen zuverlässig?
Antwort zeigen
Nein. Beide liegen fast voraus. Die Peilungen unterscheiden sich nur um etwa 25°, die Linien schneiden sich also flach. Ein Fehler von 2° in einer Peilung verschiebt den Standort weit entlang deines Fahrtwegs. Suche ein Objekt näher bei querab, also seitlich zum Boot. Oder miss den Radarabstand zu einem dieser Objekte. So erreichst du einen Schnittwinkel näher an 90°.
Prüfungstipps
- Standlinie: Auf ihr hast du dich zu diesem Zeitpunkt irgendwo befunden.
- Beobachteter Ort: Schnittpunkt von mindestens zwei gleichzeitig ermittelten Standlinien.
- Abstand: Kreis. Peilung oder Deckpeilung: Gerade.
- Bester Schnittwinkel: etwa 90° bei zwei Linien, etwa 60° bei drei.
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Wenn du sie gelesen hast, ordne die Begriffe zu und beantworte dann drei Fragen. Ist alles richtig, schließt du die Einheit ab; nur die Seite zu öffnen zählt nicht.
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