Ruderanlagen: Kolben, Drehflügel und Rudermaschinenraum
1Die Lektion in einfachen Worten
Hydraulikdruck dreht den Ruderstock über Kolben oder Drehflügel. Kenne die Bauart deines Schiffs und die Ausstattung im Rudermaschinenraum.
Hauptbestandteile
Die Ruderanlage bewegt das Ruder. Ein Steuerungssystem überträgt den Befehl von der Brücke, meist elektrisch. Kraftaggregate, also Elektromotoren mit Hydraulikpumpen, erzeugen Öldruck. Ein Stellantrieb wandelt diesen Druck in ein Drehmoment am Ruderstock um, der Welle, die das Ruder trägt. Viele Schiffe haben zwei Kraftaggregate. Ob die Reserve hilft, hängt vom Fehler und der Anlage deines Schiffs ab. Ein Ruderlagenanzeiger zeigt auf der Brücke und im Rudermaschinenraum den tatsächlichen Ruderwinkel an.
Kolbenrudermaschine
Bei einer elektrohydraulischen Kolbenrudermaschine drückt Öl auf Plungerkolben. Diese wirken auf eine Ruderpinne, einen fest am Ruderstock sitzenden Hebel. Eine Rapson-Kulisse lässt die Kolbenanbindung entlang dieses Hebels gleiten. Dadurch steigt das Drehmoment mit dem Ruderwinkel. Zwei Pumpen einer Zweikolbenanlage bieten Reserve bei Pumpenausfall, aber nicht unbedingt bei einem beschädigten Kolben. Bei einer dafür ausgelegten Vierkolbenanlage lässt sich ein Kolbenpaar absperren. Das andere steuert dann mit verminderter Leistung weiter.
Drehflügelrudermaschine
Eine Drehflügelrudermaschine hat einen Rotor mit Flügeln, der fest am Ruderstock sitzt. Er dreht sich in einem Gehäuse mit feststehenden Flügeln. Öldruck dreht den Rotor direkt, ohne Kolben oder Ruderpinne. Bei inneren Dichtungsleckagen strömt Öl an den Dichtungen vorbei zwischen den Kammern. Das verringert die Stellkraft oder verschlechtert das Ansprechverhalten, ohne dass der Ölstand im Tank zwingend sinkt. Äußere Leckagen können den Ölstand senken. Melde beide Anzeichen.
Was SOLAS verlangt
SOLAS II-1/29 des Internationalen Übereinkommens zum Schutz des menschlichen Lebens auf See verlangt eine Haupt- und eine Hilfsruderanlage. Ausgenommen sind zugelassene redundante Anlagen, die die Ausnahmebedingungen erfüllen. Bei größtem Seetiefgang (beladenem Tiefgang) und höchster Dienstgeschwindigkeit voraus muss die Hauptanlage das Ruder von 35° einer Seite auf 35° der Gegenseite legen können, davon von 35° auf 30° der Gegenseite innerhalb von 28 Sekunden. Bei diesem Tiefgang muss die Hilfsanlage das Ruder innerhalb von 60 Sekunden von 15° einer Seite auf 15° der Gegenseite legen können. Dabei gilt die halbe höchste Dienstgeschwindigkeit voraus oder 7 Knoten, je nachdem, welcher Wert größer ist.
Der Rudermaschinenraum
Der Rudermaschinenraum ist gut zugänglich und hat eine Sprechverbindung zur Brücke, meist ein batterieloses Telefon, das keinen Bordstrom braucht. Dort findest du einen Ruderlagenanzeiger, eine Kursanzeige zum Notsteuern und die ausgehängte Umschaltanweisung. Halte den Raum sauber, beleuchtet und trocken: Öl auf den Gitterrosten bedeutet Rutschgefahr und kann auf ein Leck hinweisen. Greife niemals in die Anlage, solange sie sich bewegen kann.
2Wichtige Daten
- Hauptanlage bei Erprobung
- 35° auf 35°; 35° auf 30° der Gegenseite in ≤ 28 s
- Hilfsanlage bei Erprobung
- 15° auf 15° gegenüber ≤60 s; ½ max. Dienstgeschw. voraus oder 7 kn, höherer Wert
- Ruderlagenanzeige
- Auf der Brücke und im Rudermaschinenraum
- Kraftaggregate
- Zwei Aggregate bieten Reserve; gemeinsame Fehler können das Steuern dennoch verhindern.
3Kernpunkte
- 1
Steuerungssystem, Kraftaggregate und Stellantrieb drehen den Ruderstock; die Anzeige zeigt den tatsächlichen Ruderwinkel.
- 2
Kolbenrudermaschinen wirken auf eine Ruderpinne; eine Rapson-Kulisse erhöht das Drehmoment bei größeren Ruderwinkeln.
- 3
Die Drehflügelrudermaschine dreht den Ruderstock direkt; innere Dichtungsleckagen können die Steuerwirkung ohne sinkenden Ölstand schwächen.
- 4
Hauptanlage: 35° auf 30° in ≤ 28 s. Hilfsanlage: 15° auf 15° in ≤ 60 s (SOLAS II-1/29).
- 5
Im Rudermaschinenraum gibt es ein Brückentelefon, einen Ruderlagenanzeiger, eine Kursanzeige und ausgehängte Anweisungen.
4Häufige Fehler
Falsch: Der Ruderlagenanzeiger zeigt den am Steuerrad vorgegebenen Winkel.
Richtig: Er zeigt den tatsächlichen Ruderwinkel, auf der Brücke und im Rudermaschinenraum. Durch Vergleich von Vorgabe und Anzeige erkennst du einen Fehler.
Falsch: Ein kleiner Öltropfen unter der Anlage ist normal und kann bis zur nächsten Werftzeit warten.
Richtig: Melde jedes neue Leck sofort. Ölverlust macht das Ruder erst langsamer, dann wirkungslos. Ölige Gitterroste führen zu Stürzen.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Auf deinem Wachrundgang ist der Ölstand im Tank eines Kraftaggregats niedriger als beim letzten Rundgang. Auf den Gitterrosten unter einem Hydraulikzylinder liegt ein Ölfilm. Das Schiff ist auf See und lässt sich normal steuern.
Antwort zeigen
Melde den sinkenden Ölstand und das Zylinderleck sofort dem Wachoffizier. Die Schiffsingenieure müssen den betroffenen Hydraulikkreis prüfen und die ausgehängte Absperranweisung befolgen. Eine Pumpe abzustellen sperrt ein Zylinderleck nicht unbedingt ab. Verlasse dich nicht darauf, dass die andere Pumpe nutzbar bleibt. Reinige die Gitterroste erst, wenn dir bestätigt wurde, dass es sicher ist.
Prüfungstipps
- Ruderanlage: Steuerungssystem → Kraftaggregate (Pumpen) → Stellantrieb (Kolben oder Drehflügel) → Ruderstock.
- Rapson-Kulisse: Das Drehmoment steigt mit dem Ruderwinkel. Vier Kolben: Ein Paar lässt sich absperren, wenn die eingebaute Absperreinrichtung es erlaubt.
- SOLAS II-1/29: Hauptanlage 35° auf 30° in ≤ 28 s; Hilfsanlage 15° auf 15° in ≤ 60 s bei ½ höchster Dienstgeschwindigkeit voraus oder 7 kn, größerer Wert.
- Rudermaschinenraum: Sprechverbindung zur Brücke, Ruderlagenanzeiger, Kursanzeige, ausgehängte Umschaltanweisung.
Diese Einheit abschließen
Wenn du sie gelesen hast, beantworte drei Fragen. Mit drei richtigen Antworten schließt du die Einheit ab; nur die Seite zu öffnen zählt nicht.
Meine Notizen zu dieser Einheit
Keine Notizen

