Die allgemeinen Kriterien des IS-Codes 2008 und die Flächenprüfung
1Die Lektion in einfachen Worten
Teil A 2.2 nennt sechs Werte, die jeder Beladungszustand erfüllen muss. Du prüfst sie mit GZ-Werten und den Simpson-Regeln.
Wo die Regeln stehen
Der Internationale Code über Intaktstabilität von 2008 (IS-Code 2008), Entschließung MSC.267(85), enthält einen verbindlichen Teil A und einen empfehlenden Teil B. Das Internationale Übereinkommen von 1974 zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) und das Protokoll von 1988 zum Internationalen Freibord-Übereinkommen machen Teil A in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich für Fracht- und Fahrgastschiffe ab 24 m verbindlich, die am oder nach dem 1. Juli 2010 gebaut wurden. Teil A 2.1.1–2.1.2 verlangt die Anwendung der dort genannten Vorschriften aus Teil B zu Beladungszuständen und freien Flüssigkeitsoberflächen. Seit 1. Januar 2020 geltende Änderungen (MSC.413(97)) ergänzten Regeln für Schleppen, Hebevorgänge und Ankerbehandlung. Die allgemeinen Kriterien blieben gleich.
Die allgemeinen Kriterien
Teil A 2.2 verlangt unter Berücksichtigung freier Flüssigkeitsoberflächen: Fläche unter GZ bis 30° mindestens 0,055 m·rad; bis 40° oder zum kleineren θf mindestens 0,090 m·rad; zwischen 30° und 40° oder θf mindestens 0,030 m·rad; GZ mindestens 0,20 m bei 30° oder mehr; maximales GZ bei 25° oder mehr; anfängliches GM mindestens 0,15 m.
Warum Radiant?
Die Fläche ist Hebelarm mal Winkel. Der Winkel muss deshalb im Bogenmaß Radiant stehen: 10° = 0,1745 rad. Eine in Metergrad berechnete Fläche ist 57,3-mal zu groß und scheint jedes Kriterium zu erfüllen. Rechne die Winkelschrittweite h vor Beginn in Radiant um.
Die Simpson-Regeln
Nutze GZ-Werte mit gleichen Abständen h. Die erste Simpson-Regel braucht eine gerade Anzahl von Schritten: Fläche = h ÷ 3 × (y0 + 4y1 + 2y2 + 4y3 + y4). Die zweite Simpson-Regel eignet sich für drei Schritte: Fläche = 3h ÷ 8 × (y0 + 3y1 + 3y2 + y3). Bei 10°-Schritten nutzt du die erste für 0–40° und die zweite für 0–30°. Für 30–40° bildest du die Differenz.
Jeder Zustand zählt
Die vier Standardfälle für Frachtschiffe sind voll beladene Abfahrt und Ballastabfahrt, jeweils mit vollen Brennstoff- und Vorratsbeständen, sowie die zugehörigen Ankünfte mit 10 % Restbeständen. Bei voller Beladung ist die Ladung homogen, also gleichmäßig über die Laderäume verteilt. Prüfe auch Zwischenzustände der Reise. Brennstoffverbrauch, Tankänderungen und freie Oberflächen können einen davon ungünstiger machen als Abfahrt oder Ankunft. Nutze das genehmigte Handbuch oder den Ladungsrechner und halte den erforderlichen Sicherheitsabstand ein.
2Schritt für Schritt
Rechenbeispiel: Prüfung nach Teil A 2.2
- 1
Daten: GZ bei 0°, 10°, 20°, 30°, 40° = 0, 0,097, 0,235, 0,405, 0,424 m; θf über 40°; GM 0,55 m.
Die Kurve mit korrigiertem KG aus dem Pantokarenenbeispiel.
- 2
Schrittweite h = 10° = 0,1745 rad.
Die Flächen müssen in m·rad herauskommen.
- 3
0–30°, zweite Regel: 3 × 0,1745 ÷ 8 × (0 + 0,291 + 0,705 + 0,405) = 0,092 m·rad.
Mindestens 0,055 m·rad: erfüllt.
- 4
0–40°, erste Regel: 0,1745 ÷ 3 × (0 + 0,388 + 0,470 + 1,620 + 0,424) = 0,169 m·rad.
Mindestens 0,090 m·rad: erfüllt.
- 5
30–40°: 0,169 − 0,092 = 0,077 m·rad.
Mindestens 0,030 m·rad: erfüllt.
- 6
Hebelarme: GZ bei 30° beträgt 0,405 m; Maximum etwa 0,42 m nahe 40°; GM 0,55 m.
≥ 0,20 m, ≥ 25° und ≥ 0,15 m: alle sechs Kriterien erfüllt. Prüfe danach das Wetterkriterium.
3Wichtige Daten
- Fläche 0–30°
- Mindestens 0,055 m·rad
- Fläche 0–40° (oder θf)
- Mindestens 0,090 m·rad
- Fläche 30–40° (oder θf)
- Mindestens 0,030 m·rad
- GZ bei 30° oder mehr
- Mindestens 0,20 m
- Maximales GZ
- Bei einem Krängungswinkel von 25° oder mehr
- Anfängliches GM
- Mindestens 0,15 m, um freie Flüssigkeitsoberflächen korrigiert
4Kernpunkte
- 1
IS-Code 2008, Teil A: verbindlich für Fracht- und Fahrgastschiffe ≥24 m, gebaut ab 1. Juli 2010, soweit SOLAS oder Freibord-Protokoll 1988 gelten.
- 2
Flächen: 0,055 bis 30°, 0,090 bis 40° oder θf, 0,030 dazwischen; alles in m·rad.
- 3
Hebelarme: GZ ≥ 0,20 m bei 30° oder mehr, Maximum bei ≥ 25°, GM ≥ 0,15 m.
- 4
Berechne Flächen mit h in Radiant und der ersten oder zweiten Simpson-Regel.
- 5
Prüfe jede Reisephase unter Berücksichtigung freier Flüssigkeitsoberflächen.
5Häufige Fehler
Falsch: Rechne mit der Simpson-Regel und h = 10.
Richtig: Rechne h in Radiant um: 0,1745 für 10°. Metergrad ergeben einen 57,3-mal zu großen Wert.
Falsch: Berechne die zweite Fläche immer bis 40°.
Richtig: Liegt θf unter 40°, enden die Flächen 0–40° und 30–40° bei θf.
Falsch: Prüfe nur den Abfahrtszustand.
Richtig: Brennstoffverbrauch, Ballaständerungen und teilgefüllte Tanks können Ankunft oder Zwischenzustand zum ungünstigsten Fall machen.
6Praxisfall & Prüfungstipps
Ein Ausdruck des Ladungsrechners zeigt, dass alle Flächen genügen. GZ erreicht sein Maximum aber bei 22°. Die übrigen Hebelarmkriterien sind erfüllt. Der Zweite Offizier meint, ein verfehltes Kriterium von sechs spiele keine Rolle. Was sagst du?
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Jedes Kriterium muss erfüllt sein. Teil A 2.2.3 verlangt maximales GZ bei 25° oder mehr. Nur die Verwaltung kann alternative Kriterien mit gleichwertiger Sicherheit genehmigen. Diese müssten im genehmigten Handbuch stehen. Fehlen sie dort, ist der Zustand nicht vorschriftsgemäß. Ändere die Beladung, etwa durch Absenken von G oder Verringerung freier Oberflächen. Prüfe vor dem Auslaufen erneut.
Prüfungstipps
- 0,055 m·rad bis 30°, 0,090 bis 40° oder θf, 0,030 von 30° bis 40° oder θf.
- GZ ≥ 0,20 m bei 30° oder mehr; maximales GZ bei ≥ 25°; GM ≥ 0,15 m.
- Erste Simpson-Regel: 1-4-2-4-1 × h/3; zweite: 1-3-3-1 × 3h/8; h in Radiant.
- Freie Flüssigkeitsoberflächen sind in jedem Zustand berücksichtigt.
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