Der Stauplan: Welche Ladung wohin kommt und warum
1Die Lektion in einfachen Worten
Ein Stauplan zeigt, wo jede Ladungspartie an Bord liegt. Ein guter Plan schützt Schiff und Ladung und hält die Ladung für jeden Hafen zugänglich.
Was der Plan zeigt
Der Stauplan ist eine Zeichnung der Laderäume und Decks mit jeder Ladungspartie: Lade- und Löschhafen, Gewicht, Menge und Position. Auf Containerschiffen bestimmt der Bayplan jeden Stellplatz durch Bay (Längsposition), Row (Querposition) und Tier (Höhenlage). Auf Stückgut- und Massengutschiffen zeigt ein Laderaumplan meist jeden Raum im Längsschnitt und in der Draufsicht. Der Erste Offizier erstellt ihn; in der Ladungswache lädst du danach.
Hafenreihenfolge
Die Hafenrotation ist die Reihenfolge der angelaufenen Häfen. Soweit Verträglichkeit und Sicherheitsgrenzen es erlauben, staust du Ladung für den letzten Hafen zuerst und zuunterst. Ladung für den ersten Hafen kommt obenauf oder nahe an die Luke. Vermeide Überstauen: Ladung für einen späteren Hafen liegt über früher zu löschender Ladung. Dann musst du umstauen, also Ladung versetzen, um die darunterliegende zu erreichen. Das kostet Zeit und Geld und kann unterwegs Stabilität und Rumpfbeanspruchungen ungünstig verändern.
Gewicht und Stabilität
Schwere Ladung weit unten hält KG, die Höhe des Gewichtsschwerpunkts über dem Kiel, niedrig. Zu viel GM, die metazentrische Höhe als Maß der Anfangsstabilität, macht das Schiff steif: Es rollt schnell und heftig und belastet die Laschungen, also die Ladungsverzurrungen. Ein kleines positives GM macht es weich: Es rollt langsam und richtet sich anfangs nur schwach auf. Verteile Gewichte längsschiffs für einen geeigneten Trimm, den Unterschied zwischen vorderem und achterem Tiefgang. Halte die Rumpfbeanspruchungen innerhalb der Grenzen des Beladungshandbuchs. Gleiche Backbord und Steuerbord aus, um Schlagseite, eine seitliche Neigung, zu vermeiden.
Trennung und Raum
Trenne unverträgliche Ladungen: nasse von trockenen, geruchsintensive von Lebensmitteln, staubende von sauberen. Die Partientrennung durch Netze, Planen oder Farbmarkierungen verhindert, dass Partien gleicher Ladung beim Löschen vermischt werden. Für gefährliche Güter gelten die Trennvorschriften des IMDG-Codes (siehe Ladungssicherung). Der Staufaktor ist das benötigte Volumen je Tonne Ladung in m³/t. Er zeigt dir, ob ein Laderaum zuerst seine Gewichts- oder Volumengrenze erreicht.
Planungsreihenfolge
Prüfe zuerst, was das Schiff tragen darf (Lademarke, Tragfähigkeit). Dann prüfst du die Anforderungen der Ladung (Verträglichkeit, Trennung, Zugang, Hafenrotation), anschließend Stabilität und Festigkeit. Rechne den Plan vor Ladebeginn und nach jeder Änderung mit dem Ladungsrechner durch. Bewahre den endgültigen Plan auf der Brücke auf: Er dient dir unterwegs und im nächsten Hafen als Grundlage für Kontrollen.
2Wichtige Daten
- Staufaktor (SF)
- Volumen je Tonne Ladung, m³/t
- Tonnen nach verfügbarem Volumen
- Raumvolumen ÷ Staufaktor
- Beispiel
- 6.000 m³ Laderaum, SF 1,5 m³/t → 4.000 t, sofern Gewichtsgrenzen es erlauben
- Ladung für den letzten Hafen
- Normalerweise zuunterst, soweit Verträglichkeit und Sicherheitsgrenzen es erlauben
- Bayplan
- Bay, Row und Tier jedes Containers
3Kernpunkte
- 1
Der Stauplan zeigt Hafen, Gewicht und Position jeder Partie; in der Ladungswache lädst du danach.
- 2
Plane den Zugang zum Löschen: Ladung für den letzten Hafen liegt meist zuunterst, soweit Verträglichkeit, Stabilität und Festigkeit es erlauben.
- 3
Zu viel GM führt zu schnellem, heftigem Rollen; zu wenig zu langsamem Rollen und schwacher anfänglicher Aufrichtung.
- 4
Halte unverträgliche Ladungen auseinander und trenne Partien gleicher Ladung.
- 5
Prüfe den Plan vor Ladebeginn und nach jeder Änderung mit dem Ladungsrechner.
4Häufige Fehler
Falsch: Staue die schwerste Ladung ganz unten in den Laderäumen; je mehr GM, desto besser.
Richtig: Zu viel GM verursacht heftiges Rollen, das Laschungen brechen und Ladung beschädigen kann. Ziele auf das GM, das Stabilitätsbuch und Reise erfordern, nicht auf den Höchstwert.
Falsch: Lade alles, was zuerst ankommt, in den nächsten freien Laderaum.
Richtig: Halte dich an Plan und Hafenrotation. Ungeplantes Laden führt zu überstauter Ladung, Umstauen und ungeplanten Beanspruchungen.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Die Beladung läuft. Das Terminal bietet 300 t Ladung für den ersten Löschhafen an, sofort verfügbar. Frei ist nur Platz ganz unten in Laderaum Nr. 2, unter noch ausstehender Ladung für den letzten Hafen. Was tust du?
Antwort zeigen
Lade sie dort nicht ohne Entscheidung des Ersten Offiziers: Sie wäre überstaut und müsste im ersten Hafen umgestaut werden. Melde es. Der Erste Offizier kann den Plan ändern, etwa die Ladung zurückhalten, bis ein geeigneter Platz frei ist, oder einen anderen Raum nutzen. Er muss Stabilität und Beanspruchungen für den neuen Plan mit dem Ladungsrechner erneut prüfen.
Prüfungstipps
- Stauplan: Hafen, Gewicht, Menge und Position jeder Partie; Bayplan für Container.
- Hafenrotation: Ladung für den letzten Hafen meist zuerst und zuunterst; Überstauen erzwingt Umstauen.
- Tonnen nach Volumen = Volumen ÷ Staufaktor; die kleinere Gewichts- oder Volumengrenze entscheidet.
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