Tragfähigkeit: Wie viel Ladung darfst du laden?
1Die Lektion in einfachen Worten
Ladung = zulässige Verdrängung − Leerschiffsgewicht − alle übrigen Gewichte der Tragfähigkeit. Prüfe Lademarke, Reisegrenzen, Volumen, Stabilität und Festigkeit.
Die Begriffe
Die Verdrängung (Δ) ist die Gesamtmasse des Schiffs in Tonnen. Das Leerschiffsgewicht umfasst das leere Schiff mit Maschinen und Betriebsflüssigkeiten gemäß genehmigtem Stabilitätsbuch. Die Tragfähigkeit (DWT) umfasst alles Weitere: Ladung, Brennstoff, Frischwasser, Ballast, Vorräte, Besatzung, persönliche Habe und die Schiffskonstante. Diese ist das Restgewicht nach Abzug des genehmigten Leerschiffsgewichts und aller einzeln erfassten Gewichte von der durch Tiefgangsaufnahme ermittelten Verdrängung. Dazu können unerfasste Ablagerungen oder zusätzliche Ausrüstung gehören. Nutze den zuletzt überprüften Wert aus einer Tiefgangsaufnahme ohne Ladung.
Grenzen der Verdrängung
Die Lademarke für Zone und Jahreszeit begrenzt die Verdrängung (siehe Lademarken). Hafen- oder Kanaltiefe, Liegeplatzgrenzen, Rumpffestigkeit und Stabilität können eine niedrigere Obergrenze vorgeben. Nutze die niedrigste geltende Grenze. Prüfe den Lufttiefgang, die Höhe über Wasser, gesondert: Größerer Tiefgang verringert ihn meist. Eine Brückendurchfahrt kann einen Mindesttiefgang erfordern. Deshalb kann der leichteste Reisezustand entscheidend sein. Halte alle Grenzen während der gesamten Reise ein.
Zonen unterwegs
Fährt das Schiff in eine strengere Zone, etwa im Winter von einer Sommerzone in ein jahreszeitliches Wintergebiet, darf die Oberkante der Winterlademarke beim Einlaufen nicht eingetaucht sein. Bis dahin verbrauchter Brennstoff und verbrauchtes Wasser dürfen zusätzlich geladen werden. Zulässige Abfahrtsverdrängung ist der kleinere Wert aus: Δ an der Marke der Abfahrtszone oder Δ an der strengeren Marke plus Verbrauch bis zu dieser Zone.
Bunker und Ballast
Brennstoff, Wasser, Ballast, Vorräte, Besatzung, persönliche Habe und Schiffskonstante sind Gewichte der Tragfähigkeit außer Ladung. Nimm den benötigten Brennstoff, das Wasser und die Vorräte samt vorgeschriebener Reedereireserve mit. An der Lademarkengrenze ersetzt jede zusätzliche Tonne eine Tonne Ladung. Fahre mit so wenig Ballast, wie Stabilität, Trimm, Propellereintauchung und Sicht voraus erlauben.
Drei Grenzen
Ladungsgewicht = zulässige Verdrängung − Leerschiffsgewicht − alle übrigen Gewichte der Tragfähigkeit. Prüfe dann das Volumen: Passt die Ladung mit ihrem Staufaktor in die Laderäume? Prüfe auch endgültige Stabilität und Festigkeit mit dem Ladungsrechner. Die kleinste dieser Grenzen bestimmt, wie viel Ladung du mitnehmen kannst.
2Schritt für Schritt
Rechenbeispiel: Wintergebiet begrenzt die Ladung
- 1
Nutze die angegebenen zulässigen Verdrängungen: Sommer 16.500 t; Winter 16.048 t. Das Leerschiffsgewicht beträgt 4.500 t.
Entnimm zulässige Verdrängungen den genehmigten Schiffsunterlagen.
- 2
Addiere den Verbrauch vor dem Wintergebiet: 6 Tage × 36 t/Tag Brennstoff und Wasser = 216 t. 16.048 + 216 = 16.264 t.
Dieses Gewicht ist beim Einlaufen ins Wintergebiet bereits verbraucht.
- 3
Vergleiche mit Δ an S, 16.500 t. Nimm den kleineren Wert: 16.264 t.
Beide Marken müssen eingehalten werden; das strengere Ergebnis entscheidet.
- 4
Ziehe ab: Leerschiffsgewicht 4.500 t; Brennstoff 1.150 t; Wasser 210 t; Vorräte, Besatzung und persönliche Habe 40 t; verbleibender Ballast 0 t; Schiffskonstante 180 t. Zusammen 6.080 t. Ladung = 16.264 − 6.080 = 10.184 t.
Alles an Bord außer Ladung wird von der zulässigen Verdrängung abgezogen.
- 5
Prüfe, ob 10.184 t vom Volumen her passen und ob Stabilität und Festigkeit bei Abfahrt und Ankunft ausreichen.
Das Gewicht ist nur eine der drei Grenzen.
3Wichtige Daten
- Tragfähigkeit
- DWT = Δ − Leerschiffsgewicht
- Abfahrts-Δ vor strengerer Zone
- Kleinerer Wert: Δ an der Marke oder Δ an strengerer Marke + Verbrauch
- Ladungsgewicht
- Zulässige Δ − Leerschiffsgewicht − alle übrigen Gewichte der Tragfähigkeit
- Schiffskonstante
- Restgewicht nach Abzug von Leerschiffsgewicht und allen bekannten Gewichten
4Kernpunkte
- 1
Tragfähigkeit = Verdrängung − Leerschiffsgewicht; ziehe alle übrigen Gewichte der Tragfähigkeit ab, um das Ladungsgewicht zu ermitteln.
- 2
Nutze die niedrigste Verdrängungsgrenze; prüfe die Brückendurchfahrt gesondert im leichtesten Reisezustand.
- 3
Beim Einlaufen in eine strengere Zone darf deren Lademarke nicht eingetaucht sein; berücksichtige nur den Verbrauch bis dahin.
- 4
An der Lademarkengrenze ersetzt jede zusätzliche Tonne Brennstoff oder Ballast eine Tonne Ladung. Behalte die erforderlichen Reserven.
- 5
Ladung = kleinster Wert aus Gewichts-, Volumen- und Stabilitäts-/Festigkeitsgrenzen.
5Häufige Fehler
Falsch: Wir fahren in einer Sommerzone ab, also laden wir bis zur Sommermarke.
Richtig: Führt die Reise in eine strengere Zone, gilt deren Marke plus Verbrauch bis dorthin, sofern das die niedrigere Grenze ergibt.
Falsch: Die Schiffskonstante ist null; das Leerschiffsgewicht im Stabilitätsbuch stimmt exakt.
Richtig: Nutze die überprüfte Konstante aus der letzten Tiefgangsaufnahme ohne Ladung: das Restgewicht nach Abzug von Leerschiffsgewicht und allen bekannten Gewichten. Sonst fällt dein berechnetes Ladungsgewicht möglicherweise zu hoch aus.
Falsch: Wenn die Tragfähigkeit ausreicht, passt die Ladung.
Richtig: Prüfe auch das Volumen anhand des Staufaktors sowie die endgültige Stabilität und Festigkeit. Die kleinste Grenze bestimmt die Ladungsmenge.
6Praxisfall & Prüfungstipps
Dein Schiff verlässt eine Sommerzone und erreicht nach 6 Tagen im Winter ein jahreszeitliches Wintergebiet. Es verbraucht täglich 36 t Brennstoff und Wasser. Der Befrachter möchte 10.420 t laden: das zulässige Ladungsgewicht an der Sommermarke. Das Rechenbeispiel ergibt 10.184 t. Was sagst du dem Kapitän?
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Mit den angegebenen Gewichten außer Ladung liegt die Gewichtsgrenze bei 10.184 t, vorbehaltlich der Volumen-, Stabilitäts- und Festigkeitsprüfung. Bei 10.420 t Ladung und diesen Gewichten würde das Schiff beim Einlaufen die Wintergrenze um 236 t überschreiten. Verringere die Ladung oder rechne mit weniger Bunkern neu, sofern Reisebedarf und Reserven weiter gedeckt sind. Der Kapitän entscheidet und informiert den Befrachter.
Prüfungstipps
- DWT = Δ − Leerschiffsgewicht; Schiffskonstante = Restgewicht nach Abzug des genehmigten Leerschiffsgewichts und aller einzeln erfassten Gewichte.
- Strengere Zone voraus: Abfahrts-Δ ≤ Δ an deren Marke + Verbrauch bis dorthin und ≤ Δ an der Abfahrtsmarke.
- Die Ladungsmenge entspricht der kleinsten Gewichts-, Volumen- oder Stabilitäts-/Festigkeitsgrenze.
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