Meine Module›M8 Notfälle›23. Notfallorganisation an Bord und Reaktion auf Seenotfälle (IAMSAR)
Einheiten ansehen

Notfallorganisation an Bord und Reaktion auf Seenotfälle (IAMSAR)

5 Lektionen
Keine Notizen
Notfälle≈ 3 Min. Lesezeit

Notfallpläne und Entscheidungshilfen

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Für jeden wahrscheinlichen Notfall gibt es einen kurzen Plan: ISM fordert sie, MARPOL ergänzt Verschmutzungspläne. Der Lecksicherheitsplan hilft bei Wassereinbruch.

ISM: vorbereitet sein

Der ISM-Code (Internationaler Code für Maßnahmen zur Organisation eines sicheren Schiffsbetriebs) verlangt in Abschnitt 8, dass die Reederei mögliche Notfälle ermittelt, Verfahren dafür festlegt und Programme für Notfallübungen aufstellt. Auch ihre Landorganisation muss jederzeit reagieren können. Das SMS (System für die Organisation von Sicherheitsmaßnahmen) enthält dafür ein Notfallhandbuch mit je einer Checkliste: Feuer, Wassereinbruch, Kollision, Grundberührung, Ruderausfall, Stromausfall, Mensch über Bord, Piraterie, Verschmutzung und weitere Notfälle.

Einheitlicher Aufbau

Die IMO-Entschließung A.1072(28) gliedert integrierte Notfallpläne in sechs Module: Einleitung; Bestimmungen; Planung, Vorbereitung und Ausbildung; Einsatzmaßnahmen; Meldeverfahren; Anhänge. So haben verschiedene Notfallpläne denselben Aufbau. Stelle Sofortmaßnahmen einschließlich dringender Alarmierungen und Meldungen voran. Danach folgen weitere Maßnahmen und spätere Meldungen. Halte Checklisten kurz und merke dir, wo die Exemplare liegen.

Pläne gegen Verschmutzung

MARPOL verlangt einen SOPEP (bordeigener Notfallplan für Ölverschmutzungen) auf Öltankschiffen ab 150 BRZ (Bruttoraumzahl, Maß für das geschlossene Raumvolumen) und anderen Schiffen ab 400 BRZ. Schiffe ab 150 BRZ mit Zulassung für schädliche flüssige Stoffe als Massengut brauchen einen SMPEP (bordeigener Notfallplan für Meeresverschmutzungen). Beide Pläne dürfen kombiniert werden. Sie nennen Meldestellen, Meldeschritte und Maßnahmen zum Begrenzen eines Austritts. Die genauen Einsatzmaßnahmen behandelt die Lerneinheit zur Verschmutzung.

Lecksicherheitsplan

Fahrgast- und Frachtschiffe führen einen Lecksicherheitsplan, der auf der Brücke dauerhaft ausgehängt oder leicht verfügbar ist, sowie Handbücher für die Offiziere. Er zeigt wasserdichte Begrenzungen, Öffnungen, Bedieneinrichtungen und Maßnahmen gegen Schlagseite (seitliche Neigung) nach Wassereinbruch. Viele Schiffe haben Stabilitätssoftware an Bord. Öltankschiffe ab 5.000 Tonnen Tragfähigkeit müssen raschen Zugang zu landgestützten Rechenprogrammen für Leckstabilität und verbleibende Festigkeit haben. Tragfähigkeit bezeichnet das Gewicht, das ein Schiff tragen kann.

Entscheidungshilfen

SOLAS III/29 verlangt auf Fahrgastschiffen ein Entscheidungshilfesystem für den Kapitän auf der Brücke. Mindestens erforderlich ist ein gedruckter Notfallplan für Feuer, Schiffsschäden, Verschmutzung, rechtswidrige Handlungen gegen das Schiff, Personenunfälle, Ladungsunfälle und Nothilfe für andere Schiffe. Das System darf auch rechnergestützt sein. Auf Frachtschiffen erfüllen SMS-Checklisten denselben Zweck.

2Wichtige Daten

ISM-Code, Abschnitt 8
Notfälle ermitteln, Verfahren, Übungen, Hilfe von Land
Integrierte Pläne
IMO-Entschließung A.1072(28)
SOPEP
Öltankschiffe ≥ 150 BRZ; andere Schiffe ≥ 400 BRZ (MARPOL I/37)
SMPEP
≥150 BRZ, zugelassen für schädliche flüssige Massengüter (MARPOL II/17)
Lecksicherheitsplan
SOLAS II-1/19; auf der Brücke ausgehängt oder leicht verfügbar
Entscheidungshilfesystem
SOLAS III/29; Fahrgastschiffe

3Kernpunkte

  1. 1

    ISM, Abschnitt 8: Notfälle ermitteln, Verfahren festlegen, üben und die Landorganisation bereithalten.

  2. 2

    Integrierte Pläne: Einleitung; Bestimmungen; Planung, Vorbereitung und Ausbildung; Einsatz; Meldungen; Anhänge.

  3. 3

    SOPEP und SMPEP behandeln Verschmutzung und gehören zur selben Notfallorganisation.

  4. 4

    Der Lecksicherheitsplan zeigt wasserdichte Begrenzungen und Maßnahmen gegen Schlagseite.

  5. 5

    Fahrgastschiffe haben ein Entscheidungshilfesystem für den Kapitän (SOLAS III/29).

4Häufige Fehler

  • Falsch: Notfallpläne sind Papier für den Auditor.

    Richtig: Du nutzt diese Checklisten unter Stress in den ersten Minuten. Kenne sie und übe damit.

  • Falsch: Wassereinbruch bekämpfst du aus dem Gedächtnis; der Lecksicherheitsplan ist für die Werft.

    Richtig: Halte den Lecksicherheitsplan auf der Brücke dauerhaft ausgehängt oder leicht verfügbar, um Öffnungen zu finden und Schlagseite auszugleichen.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Beim Audit auf deinem Massengutschiff findet der Auditor eine fünfseitige Text-Checkliste für Ruderausfall. Auf der Brücke fehlt außerdem der Lecksicherheitsplan. Der Kapitän bittet dich als Ersten Offizier, das zu beheben.

Antwort zeigen

Überarbeite die Checkliste für Ruderausfall im Reedereiformat. Beginne mit Sofortmaßnahmen einschließlich dringender Alarmierungen und Meldungen. Danach folgen weitere Maßnahmen und spätere Meldungen. Beschaffe Ersatz für den Lecksicherheitsplan und Handbücher für die Offiziere. Halte den Plan auf der Brücke dauerhaft ausgehängt oder leicht verfügbar. Erprobe beides bei der nächsten Übung.

Prüfungstipps

  • ISM-Code, Abschnitt 8: Notfallvorbereitung, Verfahren und Notfallübungen.
  • Integrierte Notfallpläne: A.1072(28).
  • SOPEP: Öltankschiffe ≥150 BRZ, andere Schiffe ≥400 BRZ; SMPEP: Schiffe ≥150 BRZ mit Zulassung für schädliche flüssige Massengüter.
  • Lecksicherheitsplan (SOLAS II-1/19); Entscheidungshilfesystem für den Kapitän (SOLAS III/29).

Diese Einheit abschließen

Wenn du sie gelesen hast, beantworte drei Fragen. Mit drei richtigen Antworten schließt du die Einheit ab; nur die Seite zu öffnen zählt nicht.

Meine Notizen zu dieser Einheit

Keine Notizen