Ruhezeiten: STCW A-VIII/1 und MLC-Norm A2.3 mit Rechenbeispiel
1Die Lektion in einfachen Worten
Prüfe vier Grenzen: 10 h je 24 h in höchstens zwei Abschnitten, einer ≥6 h; 77 h je 7 Tage; kein Abstand über 14 h.
STCW A-VIII/1
Jeder Wachoffizier, jedes Wachmannschaftsmitglied und jede Person mit Sicherheits-, Gefahrenabwehr- oder Umweltschutzaufgaben erhält mindestens 10 Stunden Ruhe in jedem 24-Stunden-Zeitraum und 77 Stunden in jedem 7-Tage-Zeitraum. Die erforderlichen 10 Stunden dürfen auf höchstens zwei Ruheabschnitte verteilt sein, einer davon mindestens 6 Stunden lang. Zwischen aufeinanderfolgenden Ruheabschnitten dürfen höchstens 14 Stunden liegen. 'Jeder 24-Stunden-Zeitraum' meint ein gleitendes Zeitfenster, nicht nur den Kalendertag. Ruhe ist dienstfreie Zeit; kurze Pausen zählen nicht.
MLC-Norm A2.3
Das Seearbeitsübereinkommen (MLC) lässt dem Flaggenstaat zwei Möglichkeiten: höchstens 14 Arbeitsstunden in jedem 24-Stunden-Zeitraum und 72 in jedem 7-Tage-Zeitraum oder mindestens 10 Ruhestunden in jedem 24-Stunden-Zeitraum und 77 in jedem 7-Tage-Zeitraum. Aufteilung und 14-Stunden-Regel bleiben gleich. Für Wachpersonal gelten immer die STCW-Ruhegrenzen, unabhängig von der gewählten MLC-Variante.
Ausnahmen
Nur der Flaggenstaat darf Ausnahmen nach STCW A-VIII/1 Absatz 9 zulassen. Die Wochenruhe darf höchstens zwei Wochen in Folge auf 70 Stunden sinken. Bis zur nächsten Wochenausnahme muss mindestens das Doppelte der vorigen Ausnahmedauer vergehen. Unabhängig davon darf Ruhe in höchstens zwei 24-Stunden-Zeiträumen je sieben Tage auf drei Abschnitte verteilt werden: einer ≥ 6 Stunden, die anderen jeweils ≥ 1 Stunde; Abstände ≤ 14 Stunden. Die tägliche Mindestdauer von 10 Stunden bleibt. MLC-Ausnahmen erfordern nach Flaggenstaatsrecht zugelassene oder eingetragene Tarifverträge.
Übungen und Notfälle
Antreten an den Sammelstationen, Feuerlösch- und Rettungsbootübungen müssen Ruhezeiten möglichst wenig stören und dürfen keine Ermüdung verursachen. Übungszeit ist Arbeitszeit und wird erfasst. Wer Bereitschaftsdienst hat, etwa für Alarme unbesetzter Maschinenräume, erhält bei einem Einsatz während der Ruhezeit Ausgleichsruhe. Im Notfall oder zur Hilfe für andere in Seenot darf der Kapitän den Zeitplan aussetzen. Danach müssen alle, die während ihrer Ruhezeit gearbeitet haben, ausreichend Ruhe erhalten.
Übersicht und Nachweise
Eine Übersicht der Arbeitsorganisation an Bord hängt gut zugänglich aus. Sie zeigt für jede Position die Dienstzeiten auf See und im Hafen, in der Arbeitssprache und auf Englisch. Für jeden Seefahrer werden tägliche Ruhezeitnachweise in einem einheitlichen Format geführt. Du erhältst eine Kopie, bestätigt durch den Kapitän oder eine von ihm ermächtigte Person sowie durch dich. Falsche Nachweise sind ein schwerer Verstoß und verbergen Ermüdung.
2Wichtige Daten
- Mindestruhe
- 10 h in jedem 24-h- und 77 h in jedem 7-Tage-Zeitraum
- Aufteilung und Abstand
- Erforderliche 10 h in höchstens zwei Abschnitten, einer ≥6 h; Abstände ≤14 h
- MLC-Arbeitszeitvariante
- Höchstens 14 h Arbeit je 24 h und 72 h je 7 Tage
- STCW-Aufteilungsausnahme
- Flaggenstaatszulassung; ≤2 24-h-Zeiträume/7 Tage; ≥6 h + ≥1 h + ≥1 h; Abstände ≤14 h
- Beispiel: 4 h Wache/8 h frei
- Wache 0000–04 und 1200–16, Tagesarbeit 1100–12: Ruhe 7 h + 8 h = 15 h
- Gleiches Beispiel je Woche
- 15 h × 7 = 105 h ≥ 77 h; Abstand 1100–1600 = 5 h ≤ 14 h
3Kernpunkte
- 1
Vier STCW-Prüfungen: 10 h/24 h in höchstens zwei Abschnitten, einer ≥6 h; 77 h/7 Tage; Abstände ≤14 h.
- 2
'Jeder 24-Stunden-Zeitraum' ist ein gleitendes Fenster. Prüfe auch über Mitternacht hinweg.
- 3
Übungen sind Arbeitszeit. Plane sie so, dass die Aufteilung zulässig bleibt.
- 4
Vom Flaggenstaat zugelassene Ausnahmen nach Absatz 9 wahren 10 h/24 h und mindestens 70 h/7 Tage.
- 5
Du und der Kapitän oder sein Beauftragter unterschreibt die Nachweise; du behältst eine Kopie.
4Häufige Fehler
Falsch: Wenn die Ruhe insgesamt 10 Stunden beträgt, ist der Tag regelkonform.
Richtig: Die erforderlichen 10 h müssen in höchstens zwei Ruheabschnitte passen, einer mindestens 6 h lang. Prüfe auch Abstände ≤14 h und die Wochenruhe.
Falsch: Übungen zählen nicht, weil das SOLAS-Übereinkommen sie vorschreibt.
Richtig: Übungszeit ist Arbeitszeit. Plane Übungen so, dass sie die Ruhe möglichst wenig stören, und erfasse sie.
Falsch: Eine Ausnahme erlaubt weniger als 10 Ruhestunden in 24 Stunden.
Richtig: Ausnahmen nach Absatz 9 betreffen nur die 77 h Wochenruhe und die Aufteilung. Die 10 h in jedem 24-h-Zeitraum bleiben.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Du fährst 6 Stunden Wache/6 Stunden frei: Wache 0000–0600 und 1200–1800. Am Dienstag findet von 0900–1000 eine Feuerlöschübung statt. Prüfe den Dienstag nach STCW A-VIII/1 Absätze 2 und 3. Schlage dann eine bessere Übungszeit vor.
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Am Dienstag ergeben sich 3 h + 2 h + 6 h = 11 h. Die beiden längsten Ruheabschnitte ergeben aber nur 9 h: Die normale Aufteilungsregel ist verletzt. Lege die Übung in deine normale Dienstzeit und sorge für eine qualifizierte Wachvertretung. Berücksichtige deren Stunden und alle anderen Arbeiten. Ungestörte geplante Ruhe ergibt 12 h/Tag und 84 h/Woche. Summen allein beweisen keine Einhaltung. Prüfe gleitende Zeitfenster, ununterbrochene Ruheabschnitte und Abstände einheitlich nach den Vorgaben des Flaggenstaats.
Prüfungstipps
- STCW A-VIII/1 und MLC A2.3: erforderliche 10 h/24 h in höchstens zwei Abschnitten, einer ≥6 h; 77 h/7 Tage; Abstände ≤14 h.
- MLC-Alternative: höchstens 14 h Arbeit/24 h und 72 h/7 Tage.
- Flaggenstaatlich zugelassene STCW-Ausnahmen nach Abs. 9: wöchentlich ≥70 h für ≤2 Wochen in Folge; Abstand zwischen Wochenausnahmen ≥doppelte Ausnahmedauer. Drei Ruheabschnitte in ≤2 24-h-Zeiträumen/7 Tage: ≥6 h + ≥1 h + ≥1 h; Abstände ≤14 h. Täglich bleiben 10 h. MLC: zugelassene oder eingetragene Tarifverträge.
- Aushang der Arbeitsorganisation; tägliche Nachweise, bestätigt von Kapitän und Seefahrer.
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