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Elektronische Navigation: GPS-Fehler, AIS und die Papierkarte als Reserve

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AIS: Klassen, Grenzen und sinnvoller Einsatz

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

AIS zeigt viele Fahrzeuge mit Name, Kurs und Geschwindigkeit, teils außerhalb deiner Sicht. Manche fehlen, Meldungen können alt oder falsch sein. Halte gehörigen Ausguck.

Was AIS ist

AIS (automatisches Identifikationssystem) sendet Schiffsdaten über UKW-Funk (Ultrakurzwelle). Statische Daten umfassen Name, Abmessungen, Typ und MMSI (Rufnummer des mobilen Seefunkdienstes), deine neunstellige Funkkennung. Sie werden bei der Installation eingegeben. Dynamische Daten wie Position, COG, SOG und Steuerkurs kommen von GNSS und Kurssensoren. Ein reiner Empfänger zeigt andere Fahrzeuge; ein Transponder sendet zusätzlich deine Daten an sie.

Klasse A und Klasse B

Schiffe mit AIS-Ausrüstungspflicht nach dem internationalen Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) nutzen Klasse A: 12,5 W, in Fahrt normalerweise alle 2–10 Sekunden eine Meldung, mit Kanalvorrang. Sportboote nutzen häufig Klasse B. CS (Trägerprüfung, 2 W) meldet oberhalb 2 kn alle 30 Sekunden und kann bei hoher Kanalauslastung nicht zum Senden kommen. SO (selbstorganisierend, 5 W) meldet bei hoher Fahrt bis zu alle 5 Sekunden, zuverlässiger. Unter 2 kn melden beide alle 3 Minuten.

Was AIS nicht zeigt

Viele Fahrzeuge haben kein AIS oder nur einen Empfänger: kleine Boote, viele Fischereifahrzeuge, Kriegsschiffe. Ein Sender kann ausgeschaltet, falsch eingerichtet oder mit falscher GNSS-Position versorgt sein. Ein Klasse-B-Ziel kann zwischen Meldungen weit fahren. AIS zeigt nicht jede Gefahr oder jedes kleine Fahrzeug. Halte den nach KVR-Regel 5 geforderten Ausguck und beurteile Kollisionsgefahr nach Regel 7 mit allen verfügbaren Mitteln.

AIS sinnvoll nutzen

AIS kann Schiffe zeigen, die Radar nicht erfasst; Landspitzen können aber auch UKW abschatten. Namen erleichtern UKW-Anrufe. CPA (kleinster Passierabstand) und TCPA (Zeit bis CPA) setzen voraus, dass beide Fahrzeuge Kurs und Geschwindigkeit über Grund beibehalten. Ändert eines Kurs oder Fahrt, kann die Vorhersage bis zu neuen Daten und erneuter Berechnung veraltet bleiben. Beurteile die Gefahr mit Kompasspeilungen oder Radar; entscheide Ausweichmanöver niemals allein nach AIS. Prüfe deine eigenen statischen Daten.

Sender im Wasser

AIS-SART (Such- und Rettungssender) und AIS-MOB-Sender (Mensch über Bord) senden Positionen an nahe AIS-Empfänger. Geeignete Anzeigen zeigen einen Kreis mit Kreuz; ältere Geräte möglicherweise ein gewöhnliches Ziel oder eine Nachricht. Prüfe die Kompatibilität. Reine AIS-Sender alarmieren keine Rettungsleitstelle per Satellit; das leisten PLB (persönliche Notfunkbake) oder EPIRB (Seenotfunkbake zur Positionsmeldung). Manche Geräte kombinieren AIS mit 406-MHz-Satellitenalarmierung, andere ergänzen DSC. Prüfe dein Modell.

2Wichtige Daten

Klasse A
12,5 W; in Fahrt 2–10 s; vor Anker/festgemacht bei ≤3 kn: 3 min
Klasse B CS
2 W; oberhalb 2 kn alle 30 s; darunter 3 min
Klasse B SO
5 W; bei steigender Fahrt alle 30 bis 5 s; unter 2 kn: 3 min
AIS-SART auf dem Bildschirm
Eigenes Symbol auf geeigneten Anzeigen: Kreis mit Kreuz
MMSI
Neunstellige Rufnummer des mobilen Seefunkdienstes

3Kernpunkte

  1. 1

    Klasse A meldet alle paar Sekunden; Klasse B in Fahrt meist alle 30 s; SO nur bei hoher Fahrt häufiger.

  2. 2

    Viele Fahrzeuge haben kein AIS; Daten können alt oder falsch sein, Sender ausgeschaltet.

  3. 3

    CPA/TCPA setzen unveränderten Kurs und unveränderte Fahrt beider Fahrzeuge voraus; Vorhersagen können auf alten Meldungen beruhen.

  4. 4

    Prüfe die Gefahr mit Peilungen oder Radar; entscheide Ausweichmanöver niemals allein nach AIS.

  5. 5

    Reine AIS-SART- und MOB-Sender alarmieren nahe AIS-Empfänger; Kombigeräte können zusätzlich per Satellit alarmieren.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Kein AIS-Ziel auf dem Bildschirm bedeutet: kein Fahrzeug in der Nähe.

    Richtig: Viele Fahrzeuge haben kein AIS; Klasse-B-Geräte können bei hoher Kanalauslastung nicht zum Senden kommen. Halte gehörigen Ausguck durch Sehen, Hören und Radar.

  • Falsch: CPA 0,5 M bedeutet, dass das Schiff eine halbe Seemeile entfernt vorbeifährt.

    Richtig: CPA setzt unveränderten Kurs und unveränderte Fahrt beider Fahrzeuge voraus; Meldungen können alt sein. Beurteile die Entwicklung mit wiederholten Kompasspeilungen oder Radar.

  • Falsch: Ein reiner AIS-MOB-Sender alarmiert eine Rettungsleitstelle per Satellit.

    Richtig: Er sendet Positionen an nahe AIS-Empfänger. PLB oder EPIRB alarmieren per Satellit; manche Geräte kombinieren AIS mit Satellitenalarmierung.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Im Nebel zeigt dein AIS ein Schiff in 4 M Entfernung mit CPA 1,2 M. Radar zeigt dieses Schiff und ein zweites, kleineres Echo 2 M voraus ohne AIS-Ziel.

Antwort zeigen

AIS hat einen Kontakt nicht erfasst und zeigt daher kein vollständiges Verkehrslagebild. Beurteile beide Kontakte mit Radar und gehörigem Ausguck. Der angezeigte CPA setzt unveränderten Kurs und unveränderte Fahrt beider Fahrzeuge voraus und kann auf alten Meldungen beruhen. Prüfe die Entwicklung der Gefahr weiter. Nutze AIS als zusätzliche Information, niemals als alleinige Grundlage für Ausweichmanöver.

Prüfungstipps

  • AIS-Ausrüstungspflicht nach SOLAS: Klasse A, häufige Meldungen. Klasse B CS: 30 s; Klasse B SO: bei hoher Fahrt bis zu alle 5 s.
  • AIS zeigt nicht jedes Fahrzeug; Daten können verspätet oder falsch sein.
  • CPA/TCPA setzen unveränderten Kurs und unveränderte Fahrt beider Fahrzeuge voraus; Meldungen können alt sein. Prüfe mit Peilungen und Radar.
  • Geeignete Anzeigen zeigen das eigene AIS-SART-Symbol als Kreis mit Kreuz; ältere Geräte eventuell ein gewöhnliches Ziel oder eine Nachricht.

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