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Kreiselkompass, Tochterkompasse und Kontrolle der Fehlweisung

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Kreiselfehler prüfen: Deckpeilungen, Gestirnspeilungen und Vergleiche

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Vergleiche eine bekannte rechtweisende Peilung mit der Kreiselpeilung desselben Objekts. Die Differenz ist der Kreiselfehler. Prüfe ihn möglichst jede Wache.

Die Vorschrift

STCW-Code A-VIII/2 verlangt die Bestimmung der Fehlweisung des Magnetregelkompasses mindestens einmal je Wache und möglichst nach größeren Kursänderungen. Vergleiche Regel- und Kreiselkompass häufig; halte Tochterkompasse synchron. Prüfe den Kreiselfehler regelmäßig nach Bordverfahren. Kreiselfehler = rechtweisend − Kreisel. Rechne die Differenz auf einen gleichwertigen Winkel zwischen −180° und +180° um: 001° rechtweisend minus 359° Kreisel ergibt +2°, also 2° E. Außer beim Übergang über 000° bedeutet eine zu hohe Anzeige W-Fehler, eine zu niedrige E-Fehler.

Mit Deckpeilung

Bei einer Deckpeilung siehst du zwei kartierte Objekte in einer Linie. Ihre rechtweisende Peilung misst du in der Karte oder entnimmst sie der Angabe einer Richtlinie. Peile mit dem Kreisel, sobald die Objekte in Deckung stehen. Das ist eine nützliche Küstenkontrolle: Sie liefert eine kartierte rechtweisende Peilung ohne gesonderte Ortsbestimmung. Wähle eindeutig erkannte, weit genug auseinanderliegende Objekte. Peile genau im Moment der Deckung.

Rechenbeispiel: Deckpeilung

Die Deckpeilung zweier Baken beträgt laut Karte 052,0° T. Im Moment der Deckung zeigt der Backbord-Peiltochterkompass 053,5°. Kreiselfehler = 052,0 − 053,5 = −1,5°, also 1,5° W: Der Kreisel zeigt 1,5° zu hoch an. Ziehe 1,5° ab, um Kreiselanzeigen auf rechtweisend zu berichtigen. Ein Kreiselkurs von 230,0° entspricht 228,5° T.

Andere Verfahren

Auf See nutzt du ein Gestirn. Sein rechtweisendes Azimut (Nordwinkel) oder seine Amplitude (Auf- oder Untergangsweite) wird für Zeit und Ort berechnet. Die Einheit Kompassfehler durch Azimut und Amplitude zeigt den Rechenweg. Von einem bekannten festen Ort kannst du die Kreiselpeilung eines fernen kartierten Objekts mit seiner rechtweisenden Kartenpeilung vergleichen. Beim Magnetkompassvergleich berücksichtigst du zuerst bekannte Missweisung und Ablenkung, um den rechtweisenden Kurs zu erhalten. Ein unabhängig geprüfter GNSS-Kompass liefert eine weitere Referenz.

Vergleich mit dem Magnetkompass

Gleichzeitig erhältst du die Magnetkompass-Fehlweisung. Im Beispiel zeigt der Regelkompass 236,0°, während der rechtweisende Kurs 228,5° T beträgt. Magnetkompass-Fehlweisung = 228,5 − 236,0 = −7,5°, also 7,5° W. Die Karte gibt 3,0° W Missweisung an. Damit ist die Ablenkung auf diesem Kurs = 7,5° W − 3,0° W = 4,5° W. Protokolliere den Wert zum Vergleich mit der Ablenkungstabelle.

2Wichtige Daten

Kreiselfehler
Rechtweisend − Kreisel, auf ±180° umgerechnet; positiv = Ost
Kreisel zeigt zu hoch an (außer am 000°-Übergang)
Westlicher Fehler: abziehen, um rechtweisend zu erhalten
Kreisel zeigt zu niedrig an (außer am 000°-Übergang)
Östlicher Fehler: addieren, um rechtweisend zu erhalten
Regelkompass-Fehlweisung (STCW)
Mindestens einmal je Wache; möglichst nach großen Kursänderungen
Ablenkung
Magnetkompass-Fehlweisung − Missweisung

3Kernpunkte

  1. 1

    Kreiselfehler = rechtweisend − Kreisel, auf ±180° umgerechnet: positiv = E (addieren); negativ = W (abziehen).

  2. 2

    Eine Deckpeilung liefert ohne gesonderte Ortsbestimmung eine verlässliche Kartenpeilung: nützlich zur Kreiselprüfung an der Küste.

  3. 3

    Auf See nutzt du Azimut oder Amplitude; den Rechenweg zeigt die Einheit Kompassfehler durch Azimut und Amplitude.

  4. 4

    Leite die Ablenkung aus gleichzeitigen Kompasskursen ab. Nutze den geprüften Kreiselfehler und die aktuelle Missweisung.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Der Kreiselfehler ist Kreiselpeilung minus rechtweisende Peilung.

    Richtig: Kreiselfehler = rechtweisend − Kreisel. Bei 052,0° T und 053,5° am Kreisel beträgt er −1,5°, also 1,5° W.

  • Falsch: Ein westlicher Kreiselfehler wird zur Kreiselanzeige addiert.

    Richtig: Bei westlichem Fehler zeigt der Kreisel zu hoch an; du ziehst ihn ab. Einen östlichen Fehler addierst du.

  • Falsch: Eine Prüfung beim Auslaufen reicht für die Reise.

    Richtig: STCW verlangt die Regelkompass-Fehlweisung mindestens einmal je Wache und möglichst nach großen Kursänderungen. Prüfe den Kreiselfehler regelmäßig nach Bordverfahren, vergleiche die Kompasse häufig und protokolliere die Ergebnisse.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Beim Einlaufen beträgt die Peilung einer Richtlinie laut Karte 317,0° T, am Kreisel 315,5°. Dein Kreiselkurs ist 317,5°. Ein Kollege schlägt vor, 1,5° von den Kreiselanzeigen abzuziehen. Stimmst du zu, und wie lautet der rechtweisende Kurs?

Antwort zeigen

Nein. Der Fehler beträgt 1,5° E; addiere ihn. Kreiselfehler = 317,0 − 315,5 = +1,5°. Der rechtweisende Kurs ist 317,5 + 1,5 = 319,0° T. Protokolliere Zeit, Verfahren und beide Peilungen. Informiere den Kapitän, wenn der Fehler vom letzten Wert abweicht.

Prüfungstipps

  • STCW-Code A-VIII/2: Regelkompass-Fehlweisung mindestens einmal je Wache und möglichst nach großen Kursänderungen bestimmen; Kompasse häufig vergleichen und Tochterkompasse synchron halten.
  • Kreiselfehler = rechtweisend − Kreisel, auf ±180° umgerechnet: positiv → E, addieren; negativ → W, abziehen.
  • Verfahren: Deckpeilung oder Richtlinie, Gestirnsazimut oder -amplitude, rechtweisende Peilung von festem Ort, Magnetkompassvergleich.

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