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Kreiselkompass, Tochterkompasse und Kontrolle der Fehlweisung

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Tochterkompasse, Korrektoreingaben und Kursübertragung

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Der Mutterkompass liefert die Kursanzeigen für die Brücke. Ein Fehler dort oder bei den Eingaben kann viele Systeme betreffen. Ein Tochterkompass kann auch allein falsch anzeigen.

Mutter- und Tochterkompasse

Der Mutterkompass ist das Kreiselgerät. Ein Steuertochterkompass zeigt seinen Kurs am Ruderstand; ein Peiltochterkompass dient zum Peilen. SOLAS V/19.2.5.1–.3 verlangt ab 500 BRZ (Bruttoraumzahl) einen Kreiselkompass oder andere nichtmagnetische Mittel zur Bestimmung des anliegenden Kurses, eine Tochteranzeige oder andere sichtbare Kursanzeige am Notsteuerstand, falls vorhanden, und einen Peiltochterkompass oder andere Mittel für 360°-Peilungen. Unter 1.600 BRZ gilt die Forderung nach dem Peiltochterkompass soweit möglich.

Gleichlauf sichern

Nach A.424(XI) dürfen Tochterkompasse höchstens 0,5° vom Mutterkompass abweichen. Ältere Schrittschalt-Tochterkompasse können nach Stromausfall den Gleichlauf verlieren und dann dauerhaft einen falschen Kurs anzeigen. Vergleiche jeden Tochterkompass bei Wachbeginn, nach jeder Stromunterbrechung oder jedem Alarm und vor dem Peilen mit dem Mutterkompass. Gleiche abweichende Anzeigen nach Herstelleranleitung ab.

Korrektoreingaben

Die Geschwindigkeits- und Breitenkorrektoren beseitigen die Fehler aus der vorigen Lektion. Bei vielen Kreiseln kommt die Fahrt vom Log (einem Geschwindigkeitsmesser) oder einem globalen Satellitennavigationssystem (GNSS); GNSS liefert die Breite. Log-/GNSS-Quelle und Modus über Grund/durchs Wasser müssen zur Herstelleranleitung passen. Fehlende oder falsche Eingaben machen auch die Berichtigung falsch. Prüfe jede Wache die Werte am Kreiselbedienfeld. Fällt die GNSS-Eingabe aus, gib Fahrt und Breite nach Handbuch manuell ein.

Wer den Kurs nutzt

Der Kreiselkurs wird an den Autopiloten, das Radar mit automatischer Radarplotthilfe (ARPA), das elektronische Seekartenanzeige- und Informationssystem (ECDIS), das automatische Schiffsidentifizierungssystem (AIS) und den Schiffsdatenschreiber (VDR) übertragen. Ein falscher Kurs kann kursstabilisierte Radarbilder falsch ausrichten, das überlagerte Radarbild in ECDIS verdrehen und die Selbststeuerung fehlleiten. Untersuche Kursfehler umgehend.

GNSS-Kompasse

Ein Satellitenkompass, auch GNSS-Kompass, misst den anliegenden Kurs mit zwei oder mehr Antennen. Er ist schnell bereit und hat keinen Fahrtfehler. Er kann als Kursübertragungseinrichtung (THD) bauartzugelassen sein. Er braucht Satellitensignale: Störsignale (Jamming) oder gefälschte Signale (Spoofing) können seine Anzeige ausfallen lassen oder verfälschen. Nutze ihn zur Gegenprüfung. Ob er einen Kreisel ersetzen darf, entscheidet der Flaggenstaat.

2Schritt für Schritt

Kursprüfung bei Wachbeginn

  1. 1

    Lies den Kurs am Mutterkompass ab und vergleiche jeden Tochterkompass damit.

    Ein Tochterkompass ohne Gleichlauf führt zu falschem Steuern und Peilen, obwohl die Anzeige normal aussieht.

  2. 2

    Prüfe die von den Kreiselkorrektoren verwendeten Fahrt- und Breitenwerte.

    Ein eingefrorener oder falscher Eingangswert lässt Fahrt- und Breitenfehler unberichtigt.

  3. 3

    Prüfe den jüngsten Kreiselfehler im Kompasskontrollbuch.

    Diesen Fehler wendest du während der Wache auf Kurse und Peilungen an.

  4. 4

    Vergleiche Kreisel- und Magnetkompasskurs. Berücksichtige den geprüften Kreiselfehler, die Missweisung und die Ablenkung auf diesem Kurs. Protokolliere das Ergebnis.

    Eine unerwartete Restdifferenz braucht eine unabhängige Prüfung. Eine Änderung der unberichtigten Differenz allein beweist keine Störung.

  5. 5

    Bestätige die Kursanzeigen an Radar, ECDIS und Autopilot.

    Prüfe bei jedem vom Kreisel versorgten System, ob der empfangene Kurs übereinstimmt. Berücksichtige eingestellte Berichtigungen.

3Kernpunkte

  1. 1

    Tochterkompasse dürfen höchstens 0,5° vom Mutterkompass abweichen. Vergleiche sie jede Wache.

  2. 2

    Prüfe Tochterkompasse nach Stromausfall. Gleiche Abweichungen vom Mutterkompass nach Handbuch ab.

  3. 3

    Prüfe die Fahrt- und Breiteneingaben der Korrektoren, besonders nach einer GNSS-Störung.

  4. 4

    Eine fehlerhafte gemeinsame Kursübertragung kann Autopilot, Radar/ARPA, ECDIS, AIS und VDR fehlleiten.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Wenn der Mutterkompass stimmt, müssen alle Tochterkompasse stimmen.

    Richtig: Tochterkompasse können den Gleichlauf verlieren, besonders nach Stromausfall. Vergleiche jeden vor der Nutzung mit dem Mutterkompass.

  • Falsch: Ein Satellitenkompass ist unabhängig von GNSS-Problemen.

    Richtig: Er misst den Kurs anhand von GNSS-Signalen. Jamming und Spoofing betreffen ihn daher ebenfalls. Nutze Kreisel und Magnetkompass weiter zur Kontrolle.

  • Falsch: Ein Kursfehler betrifft nur den Rudergänger.

    Richtig: Ein falscher Kurs kann Brückenanzeigen falsch ausrichten, die Radarüberlagerung verdrehen und den Autopiloten fehlleiten.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Nach kurzem Stromausfall und Neustart zeigt der Tochterkompass in der Backbordnock 4° mehr als der Mutterkompass. Der Steuertochterkompass stimmt mit dem Mutterkompass überein. Der Zweite Offizier möchte von der Backbordnock aus einen Ort durch Peilungen bestimmen. Was tust du?

Antwort zeigen

Nutze den Backbord-Tochterkompass nicht. Prüfe zuerst, ob der Mutterkompass eingeschwungen ist, und bestimme seinen Fehler unabhängig. Nutze bis dahin eine geprüfte alternative Kursquelle. Prüfe alle Tochterkompasse, Korrektoreingaben und Kursübertragungen. Ist der Mutterkompass zuverlässig, gleiche den Backbord-Tochterkompass nach Herstelleranleitung ab. Nutze Kreiselpeilungen erst, wenn der Mutterkompass geprüft ist und der gewählte Tochterkompass übereinstimmt. Protokolliere und melde die Störung.

Prüfungstipps

  • SOLAS V/19.2.5.1–.3: Schiffe ≥500 BRZ brauchen nichtmagnetische Bestimmung des anliegenden Kurses, Tochteranzeige oder andere sichtbare Kursanzeige am Notsteuerstand, falls vorhanden, und Peiltochterkompass oder andere Mittel für 360°-Peilungen (unter 1.600 BRZ soweit möglich).
  • A.424(XI): Abweichung des Tochterkompasses vom Mutterkompass ≤ ±0,5°; Mittel zur Berichtigung von Fahrt- und Breitenfehlern.
  • Der Kurs versorgt Autopilot, Radar/ARPA, ECDIS, AIS und VDR; ein GNSS-Kompass ist ein GNSS-abhängiges THD.

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