Einheiten ansehenFestmach- und Ankermanöver auf dem Schiff: Festmacher- und Schlepperleinen, zulässige Arbeitslasten, die Ankerwinde und das Festmachen an der Boje (STCW A-II/5)
Die Festmacheranordnung: Was jede Leine bewirkt
1Die Lektion in einfachen Worten
Vorleinen, Achterleinen, Querleinen und Springs halten das Schiff jeweils in einer Richtung. Kenne ihre Aufgaben, den Plan und deinen Platz auf der Station.
Leinen und ihre Aufgaben
Du führst Festmacherleinen durch Klüsen (Leinenführungen an Deck) zu Landpollern (stabilen Pfosten). Vorleinen führen vom Bug nach vorn und verhindern Bewegung achteraus. Achterleinen führen vom Heck nach achtern und verhindern Bewegung voraus. Querleinen verlaufen nahezu rechtwinklig zum Schiff und verhindern, dass es vom Liegeplatz abtreibt: querschiffs bedeutet seitwärts. Springs verlaufen nahezu parallel zum Schiff und verhindern Bewegung voraus oder achteraus: längsschiffs bedeutet entlang des Schiffes.
Springs unterscheiden
Eine Vorspring führt vom Vorschiff nach achtern. Eine Achterspring führt vom Achterschiff nach vorn. Leinen mit gleicher Aufgabe sollten aus gleichem Material sein und denselben Durchmesser haben, damit sie die Last teilen. Eine kurze Leine dehnt sich bei gleicher Last weniger und kann bei Schiffsbewegungen übermäßig belastet werden. Melde eine ungewöhnlich kurze Leinenführung; der Offizier wählt anhand des Plans eine geeignete längere Führung.
Plan und Beschläge
Jedes Schiff hat einen Plan der Schlepp- und Festmachereinrichtungen (IMO MSC.1/Circ.1175/Rev.1). Er zeigt Klüsen, Poller und Doppelpoller (paarige Deckspfosten), ihre zulässige Arbeitslast (SWL), die mitgeführten Leinen und deren vorgesehene Führung. Die SWL steht auch auf jedem Beschlag. Nutze die Führungen im Plan, vermeide scharfe oder mehrfache Umlenkungen und führe nie Tauwerk und Draht durch dieselbe Klüse oder über denselben Poller.
Die Festmachermannschaft
Jede Station, vorn und achtern, hat eine verantwortliche Leitung, meist einen Offizier. Sie überblickt alle Leinen und die Mannschaft und hält Funkkontakt zur Brücke unter Nennung des Schiffsnamens. Der Windenbediener bedient die Steuerung mit direkter Sicht auf die Leine. Leinenführer tragen persönliche Schutzausrüstung (PSA): Helm, Sicherheitsschuhe und Handschuhe. Du wirst in den Anlegeplan eingewiesen. Wer nicht zur Festmachermannschaft gehört, bleibt dem Festmacherdeck fern.
Vor der Ankunft
Bereite die Station frühzeitig vor. Prüfe Winden und Notstopps. Ziehe Tauwerk von den Lagertrommeln und lege es in losen, freien Buchten an Deck aus (verwende es nie direkt von der Trommel). Lege Wurfleinen (leichte Leinen zum Werfen), Stopper (kurze Leinen zum vorübergehenden Halten einer Last) und Jolltaue (leichte Leinen zum Einholen schwererer Leinen) bereit. Entferne Öl und Unordnung. Wohin eine brechende Leine schlägt und wo du stehst, erklärt Tauwerk: sicher an Deck arbeiten.
2Wichtige Daten
- Querleinen
- Halten vor allem querschiffs: halten das Schiff am Liegeplatz
- Springs
- Halten vor allem längsschiffs: verhindern Bewegung voraus und achteraus
- Gleiche Aufgabe
- Gleiches Material und gleicher Durchmesser zur Lastverteilung
- Beschlaggrenze
- SWL auf jedem Beschlag und im Schlepp- und Festmacherplan
3Kernpunkte
- 1
Vor- und Achterleinen führen über die Schiffsenden hinaus; Querleinen halten das Schiff am Kai, Springs verhindern Bewegung längsschiffs.
- 2
Leinen mit gleicher Aufgabe sollten aus gleichem Material bestehen und denselben Durchmesser haben, damit sie die Last gleichmäßig aufnehmen.
- 3
Nutze die Führungen im Schlepp- und Festmacherplan und beachte die markierte SWL jedes Beschlags.
- 4
Eine verantwortliche Person je Station überblickt alle Leinen und funkt mit der Brücke; andere bleiben dem Deck fern.
4Häufige Fehler
Falsch: Springs verhindern hauptsächlich, dass das Schiff seitlich vom Kai abtreibt.
Richtig: Querleinen halten vor allem seitlich. Springs verhindern hauptsächlich Bewegung voraus oder achteraus.
Falsch: Führe jede Leine möglichst kurz: Kürzer ist stärker.
Richtig: Melde das; nutze eine geeignete längere Führung nur auf Anweisung des Offiziers.
Falsch: Verwende eine Leine direkt von der Lagertrommel, um Zeit zu sparen.
Richtig: Ziehe sie erst ab und lege sie an Deck aus. So läuft sie frei und hat für unerwartete Ereignisse genug Lose.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Dein Schiff legt mit Backbord längsseits an. Der Wind weht vom Land, der Strom kommt von vorn. Der Offizier fragt, welche Leinen das Abtreiben vom Liegeplatz am besten verhindern und welche das Versetzen achteraus durch den Strom aufhalten.
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Querleinen verhindern das Abtreiben vom Liegeplatz am besten und sind bei ablandigem Wind besonders wichtig. Der Strom von vorn versetzt das Schiff achteraus. Dagegen halten nach vorn führende Leinen: Achterspring und Vorleinen. Leinen jeder Gruppe sollten dieselbe Art und Stärke haben, damit sie die Last teilen.
Prüfungstipps
- Vor- und Achterleinen: über die Schiffsenden hinaus. Querleinen: Halt querschiffs. Springs: Halt längsschiffs.
- Vorspring führt vom Vorschiff nach achtern; Achterspring führt vom Achterschiff nach vorn.
- Schlepp- und Festmacherplan (MSC.1/Circ.1175/Rev.1): Führungen, Beschläge samt SWL, Leinen.
- Eine verantwortliche Person je Station mit freier Sicht und Funkgerät; PSA; alle anderen bleiben dem Deck fern.
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