Einheiten ansehenFestmach- und Ankermanöver auf dem Schiff: Festmacher- und Schlepperleinen, zulässige Arbeitslasten, die Ankerwinde und das Festmachen an der Boje (STCW A-II/5)
Festmacherwinden: Trommeln, Bremsen und Leinen auf der Bremse
1Die Lektion in einfachen Worten
Eine Festmacherleine hält auf der Windenbremse, bei ausgekuppelter Trommel. Nutze die geprüfte Einstellung, melde jedes Auslaufen und halte Abstand.
Trommeln
Eine Festmacherwinde hat für jede Leine eine angetriebene Trommel. Bei einer geteilten Trommel trennt eine Scheibe den Arbeitsbereich, auf dem die Leine unter Last läuft, vom Lagerbereich für die übrige Leine. Halte im Arbeitsbereich nur eine Lage: Jede weitere Lage verringert die Bremsenhaltekraft. Ein Spillkopf ist ein glatter Trommelkopf zum Einholen von Leinen, die nicht auf der Winde gelagert werden.
Auf der Bremse, ausgekuppelt
Ist die Leine straff, beende das Hieven. Ziehe die Bandbremse gemäß Bordverfahren bis zur geprüften, markierten Einstellung an. Kupple die Trommel aus. Nun hält die Bremse die Leine. Getriebe und Motor sollen kein festgemachtes Schiff halten: Eine eingekuppelte Leine kann nicht nachgeben und wird womöglich überlastet, bis etwas bricht. Prüfe während der Liegezeit die Bremsen und reguliere die Leinen, wenn Gezeiten und Ladung die Schiffshöhe verändern.
Nachgeben der Bremse
Die Bremse ist so eingestellt, dass sie bei einer festgelegten Last nachgibt, also rutscht und Leine auslaufen lässt. Die Mooring Equipment Guidelines (MEG4) des OCIMF sehen 60 % der schiffsbezogenen Entwurfs-Mindestbruchlast vor: jener Bruchlast, auf der das Festmachersystem beruht (nächste Lektion). Die Bremse soll nachgeben, bevor eine intakte, richtig gewählte Leine bricht. Eine nachgebende Winde ist ein Warnsignal. Melde es; der Offizier entscheidet, wann wieder eingehievt wird.
Wickelrichtung und Prüfungen
Eine Bandbremse hält deutlich besser, wenn die Leine die Trommel in der an der Winde markierten Richtung zieht. Wickle sie deshalb richtig auf. Bremsen verschleißen und verlieren Halt, wenn Öl oder Wasser auf die Beläge gelangt. Die Haltekraft wird nach Wartungsplan geprüft, meist mindestens jährlich und nach jeder Bremsenreparatur. Halte Beläge trocken und melde Öllecks.
Selbstspannende Winden
Manche Winden haben eine automatische Zugregelung, die selbsttätig einholt und ausgibt. Lasse sie nicht eingeschaltet, sobald das Schiff längsseits festliegt: Winden an beiden Enden können Leine ausgeben und das Schiff am Liegeplatz wandern lassen. Nutze die Bremse. Bauweise und Wartung der Winden behandelt Schiff: Decksmaschinen.
2Schritt für Schritt
Eine Festmacherleine auf die Bremse legen
- 1
Hieve die Leine auf dem Arbeitsbereich straff, in markierter Wickelrichtung und nur in einer Lage.
Nur mit richtiger Richtung und einer Lage erreicht die Bremse ihre vorgesehene Haltekraft.
- 2
Beende auf Zeichen des Offiziers das Hieven. Ziehe die Bremse gemäß Bordverfahren bis zur geprüften, markierten Einstellung an.
Die Bremse muss die Last übernehmen, nicht der Motor.
- 3
Löse die Kupplung, um die Trommel auszukuppeln.
Eine eingekuppelte Leine kann nicht nachgeben und kann Getriebe oder Leine überlasten.
- 4
Lasse die Winde im Handbetrieb, nie mit automatischer Zugregelung.
Im Automatikbetrieb kann das Schiff am Liegeplatz wandern.
- 5
Verlasse den Leinenbereich und melde, dass die Leine auf der Bremse liegt.
Der Offizier behält den Überblick über jede Leine, und du verlässt den Gefahrenbereich.
- 6
Prüfe während der Liegezeit Bremsen und Leinenspannung nach Wachroutine.
Gezeiten und Ladung verändern die Lasten; bei einer losen oder auslaufenden Leine ist Handeln nötig.
3Wichtige Daten
- Nachgeben der Bremse (MEG4)
- 60 % der schiffsbezogenen Entwurfs-Mindestbruchlast (SDMBL)
- Arbeitsbereich
- Nur eine Lage; weitere Lagen verringern die Bremsenhaltekraft
- Festgemachte Leine
- Bremse angezogen, Kupplung gelöst (ausgekuppelt)
- Automatische Zugregelung
- Nicht verwenden, sobald das Schiff längsseits festliegt
4Kernpunkte
- 1
Festgemachte Leinen liegen auf der Bandbremse; die Trommel ist ausgekuppelt.
- 2
Nachgeben bei 60 % der SDMBL (MEG4) soll eine intakte, richtig gewählte Leine schützen.
- 3
Eine Lage im Arbeitsbereich und die markierte Wickelrichtung erhalten die volle Bremsenhaltekraft.
- 4
Bremsen werden nach Wartungsplan geprüft, meist jährlich und nach Reparaturen; melde Öl auf den Belägen.
5Häufige Fehler
Falsch: Lasse die Winde eingekuppelt, damit der Motor das Schiff mithält.
Richtig: Ziehe die Bremse an und kupple die Trommel aus. Die Bremse kann nachgeben; das Getriebe hält nur, bis etwas bricht.
Falsch: Eine nachgebende Winde ist defekt; hieve die Leine sofort wieder ein.
Richtig: Auslaufen kann zu hohe Last oder verringerte Bremsenhaltekraft bedeuten. Halte Abstand und melde es; der Offizier entscheidet, was sicher ist.
Falsch: Lasse längsseits die automatische Zugregelung an, damit du weniger nachregulieren musst.
Richtig: Nutze die Bremse. Im Automatikbetrieb können Winden an beiden Enden Leine ausgeben und das Schiff am Liegeplatz wandern lassen.
6Praxisfall & Prüfungstipps
Beim nächtlichen Ladungsumschlag siehst du, wie die achtere Querleine langsam von ihrer Trommel ausläuft. Diese liegt auf der Bremse und ist ausgekuppelt. Das Schiff bewegt sich etwas vom Liegeplatz weg.
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Die Bremse rutscht: Die Last hat möglicherweise ihre Einstellung erreicht, oder ihre Haltekraft ist verringert. Halte Abstand und melde Auslaufen und Schiffsbewegung sofort dem Wachoffizier. Er kann weitere Besatzung rufen, eingekuppelt einhieven lassen, zusätzliche Leinen ausbringen oder einen Schlepper anfordern. Ziehe die Bremse nicht über die geprüfte, markierte Einstellung hinaus an und stelle dich zur Untersuchung nicht neben die Trommel.
Prüfungstipps
- Geteilte Trommel: Arbeitsbereich (eine Lage) und Lagerbereich.
- Festgemacht: Bremse angezogen, ausgekuppelt. Längsseits nie die automatische Zugregelung anlassen.
- Bremseinstellung: 60 % der SDMBL (MEG4); soll nachgeben, bevor eine intakte, richtig gewählte Leine bricht.
- In markierter Richtung aufwickeln; Bremsen nach Wartungsplan und nach Reparaturen prüfen.
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