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Segeltrimm und Balance

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Segeln≈ 4 Min. Lesezeit

Segelkraft verringern: abflachen, Twist, dann reffen

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Fiere sofort, wenn eine Bö zu stark wird. Bei zunehmendem Wind: abflachen, Twist und Traveller anpassen, dann bei Bedarf reffen.

Warum Kraft verringern

Ab einer gewissen Windstärke bringt mehr Segelkraft nur mehr Krängung, Abdrift (seitliches Versetzen nach Lee) und Luvgierigkeit. Die Fahrt nimmt nicht mehr zu. Halte das Boot möglichst aufrecht, bei gleichmäßiger Krängung und wenig Ruderdruck. Fiere sofort, wenn eine Bö das Boot überfordert. Nimmt der Wind allmählich zu, passe den Trimm an, solange das Boot kontrollierbar bleibt. Reffe früh, wenn Kontrolle oder Balance schlecht sind.

Abflachen

Ein flacheres Segel erzeugt weniger Kraft und Widerstand. Hole am Groß Unterliekstrecker und Cunningham dicht. Spanne das Achterstag, wenn dein Rigg das zulässt. Halte am Vorsegel mit Fallspannung die Wölbung vorn. Verringere den Vorstagdurchhang mit dem Achterstag, soweit dessen Verstellung wirkt. Versetze den Wagen etwas nach achtern, um das Unterliek abzuflachen und das Segel oben zu öffnen. Abflachen verringert die Krängung bei geringem Fahrtverlust.

Twist und Fieren

Öffnest du die Segel oben, lässt du dort Wind entweichen, wo er am stärksten krängt. Für Twist im Groß fierst du die Großschot. Der Baumniederholer muss so weit gelöst sein, dass der Baum steigen kann. Für mehr Vorsegeltwist versetzt du den Holepunktwagen nach achtern. Lass den Traveller in Böen nach Lee und hole ihn in Windpausen wieder nach Luv. Spiele mit Großschot oder Traveller: Fiere in Böen und trimme in Windpausen nach, um die Krängung gleichmäßig zu halten.

Segelfläche verkleinern

Musst du das Groß die meiste Zeit fieren oder sind Kontrolle oder Balance schlecht, verkleinere die Segelfläche. Am Wind reffst du häufig zuerst das Groß. Verkleinere bei weiterem Bedarf auch das Vorsegel. Prüfe Segelkraft und Ruderbalance erneut. Mit passender Segelfläche segelt das Boot schneller und angenehmer als mit zu viel Fläche und schlagendem Groß.

Wellen und Kurse bei halbem oder raumem Wind

Behalte in Wellen etwas mehr Profiltiefe für den Vortrieb. Kontrolliere bei halbem oder raumem Wind den Twist mit dem Baumniederholer und fiere die Großschot in Böen. Halte den Baum dabei von den Wanten frei. Verkleinere die Segelfläche, wenn die Kontrolle schlecht bleibt.

2Schritt für Schritt

Segelkraft am Wind verringern: Böen und allmähliche Anpassungen

  1. 1

    Fiere die Großschot oder lass den Traveller sofort nach Lee, wenn eine Bö das Boot überfordert.

    Fieren stellt die Kontrolle sofort wieder her.

  2. 2

    Hast du wieder Kontrolle, flache zwischen den Böen mit Unterliekstrecker und Vorliekspannung ab. Spanne das Achterstag, soweit es wirkt. Halte dabei die Grenzen des Riggherstellers ein.

    Flachere Segel erzeugen weniger Krängungskraft bei geringem Fahrtverlust.

  3. 3

    Versetze den Holepunktwagen für mehr Vorsegeltwist nach achtern. Fiere für Großsegeltwist die Großschot; der Niederholer muss den Baum steigen lassen. Spiele in Böen bei Bedarf mit Schot oder Traveller.

    Twist lässt oben Wind entweichen. Fieren in Böen hält Krängung und Ruderdruck gleichmäßig.

  4. 4

    Reffe das Groß, wenn du die meiste Zeit fieren musst oder Kontrolle oder Balance schlecht sind.

    Zu viel Segelfläche macht langsamer und belastet Rigg und Crew stärker.

  5. 5

    Verkleinere bei weiterem Bedarf auch das Vorsegel. Prüfe die Ruderbalance erneut.

    Verkleinere nur weiter, wenn Segelkraft oder Balance es erfordern.

3Kernpunkte

  1. 1

    Ab einer gewissen Windstärke bringt mehr Segelkraft nur mehr Krängung und Abdrift.

  2. 2

    Zwischen Böen abflachen: mit Unterliekstrecker, Cunningham, Fall und Achterstag, soweit wirksam.

  3. 3

    Vorsegeltwist: Wagen nach achtern. Großsegeltwist: Großschot fieren; der Niederholer muss den Baum steigen lassen.

  4. 4

    Bei zu viel Druck sofort fieren. In Böen mit Traveller oder Großschot spielen, damit die Krängung gleichmäßig bleibt.

  5. 5

    Musst du das Groß die meiste Zeit fieren? Reffen.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Lass das Groß ständig schlagen, damit das Boot aufrecht bleibt.

    Richtig: Ein ständig schlagendes Groß macht langsam und schädigt das Segel. Fiere in Böen sofort. Reffe, wenn du die meiste Zeit fieren musst oder Kontrolle oder Balance schlecht sind.

  • Falsch: Flache die Segel bei hohem Seegang so weit wie möglich ab.

    Richtig: Wellen brauchen Kraft. Behalte etwas mehr Profiltiefe und Twist, damit das Boot durch die Wellen kommt.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Hoch am Wind bei 16 Knoten, in Böen 22, krängt deine 10-m-Slup in jeder Bö auf 28°. Alles steht noch wie bei 10 Knoten: Unterliekstrecker gefiert, Cunningham lose, Achterstag entspannt, Traveller mittig.

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Fiere das Groß gegen die Böen. Flache dazwischen ab: Unterliekstrecker und Cunningham dicht, Achterstag innerhalb der Herstellergrenzen spannen. Versetze den Holepunktwagen für mehr Twist etwas nach achtern. Lass den Traveller nach Lee und spiele in Böen mit ihm oder der Großschot. Musst du die meiste Zeit fieren oder bleibt die Kontrolle schlecht, reffe das Groß. Verkleinere bei weiterem Bedarf auch das Vorsegel. Prüfe die Balance erneut.

Prüfungstipps

  • In zu starken Böen sofort fieren. Nimmt der Wind zu und bleibt das Boot kontrollierbar: abflachen, Twist und Traveller anpassen; Groß reffen, bei Bedarf auch Vorsegel verkleinern.
  • Abflachen mit Unterliekstrecker und Vorliekspannung; Achterstag spannen, soweit wirksam. Vorsegelfall: Wölbung nach vorn; Achterstag: eventuell weniger Vorstagdurchhang.
  • Vorsegeltwist: Wagen nach achtern. Großsegeltwist: Großschot fieren; der Niederholer muss den Baum steigen lassen.
  • Ständiges Fieren oder schlechte Kontrolle: früh reffen.

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