Einheiten ansehenLeckstabilitätsberechnungen, Längsfestigkeit und die Tiefgangsbesichtigung (Draft Survey)
Die Methode der Tiefgangsvermessung
1Die Lektion in einfachen Worten
Eine Tiefgangsvermessung bestimmt das Ladungsgewicht aus der Verdrängung vor und nach der Beladung. Jede Korrektur zählt: Ein Zentimeter kann 50 Tonnen entsprechen.
Das Prinzip
Lies die Tiefgänge ab und entnimm die Verdrängung den hydrostatischen Tabellen. Ziehe Ballast, Frischwasser, Bunkervorräte und andere gemessene veränderliche Gewichte ab. Die verbleibende Nettoverdrängung besteht aus Leerschiffsgewicht, Konstante und vorhandener Ladung. Die Konstante umfasst nicht erfasste Vorräte, Ersatzteile und Ablagerungen. Geladene Ladung ergibt sich aus endgültiger minus anfänglicher Nettoverdrängung, sofern Leerschiffsgewicht und Konstante unverändert bleiben. Der UN/ECE-Kodex von 1992 für Kohleladungen beschreibt das einheitliche Verfahren.
Sechs Tiefgänge und die Lote
Lies bei ruhigen Bedingungen vorn, mittschiffs und achtern auf beiden Seiten ab. Mittle die jeweils zusammengehörigen Werte. Korrigiere vordere und achtere Marken auf ihre Lote und versetzte Mittschiffsmarken auf die geometrische Schiffsmitte. Jede Trimmkorrektur hat den Betrag beobachteter Trimm × Längsversatz ÷ Abstand zwischen vorderen und achteren Marken. Das Vorzeichen hängt davon ab, ob der Bezugspunkt tiefer oder flacher als die Marke liegt.
Mittel der Mittelwerte
Nutze die korrigierten Tiefgänge vorn (F), mittschiffs (M) und achtern (A). Das Mittel der Mittelwerte ist (F + A + 2M) ÷ 4. Der Viertelmittelwert, also das nochmals gemittelte Mittel, ist (F + A + 6M) ÷ 8. Er berücksichtigt Aufbiegung oder Durchbiegung, wenn sich der Rumpf in einer gleichmäßigen Kurve verformt. Gehe damit in die hydrostatische Tabelle.
Trimmkorrekturen
Nutze den wahren Trimm: korrigierter achterer minus vorderer Tiefgang in Metern. Verwende hier seinen Betrag. Erste Korrektur (t) = Trimm × LCF (Schwimmflächenschwerpunkt) ab mittschiffs × TPC (Tonnen je Zentimeter Eintauchung) × 100 ÷ LBP (Länge zwischen den Loten). Addiere, wenn LCF zum tieferen Ende liegt; sonst subtrahiere. Zweite Korrektur (t) = 50 × Trimm² × ΔMCTC ÷ LBP. MCTC ist das Moment für 1 cm Trimmänderung; ΔMCTC = MCTC bei QM + 0,5 m minus MCTC bei QM − 0,5 m. Sie wird normalerweise addiert.
Dichte und Abzugsgewichte
Tabellen gelten meist für Salzwasser mit 1,025 t/m³. Nimm Hafenwasserproben an mehreren Stellen und Tiefen und nutze ein Aräometer für Tiefgangsvermessungen. Dichtekorrektur = Δ × (ρ − 1,025) ÷ 1,025. Dabei ist Δ die Verdrängung nach beiden Trimmkorrekturen; ρ ist die Hafenwasserdichte in t/m³. Peile dann jeden Ballast- und Frischwassertank, übernimm die Bunkermengen vom Maschinenraum und ziehe alles ab.
2Wichtige Daten
- Lotkorrektur
- Beobachteter Trimm × Markenversatz ÷ Markenabstand
- Viertelmittelwert
- (F + A + 6M) ÷ 8
- Erste Trimmkorrektur (t)
- Trimm × LCF × TPC × 100 ÷ LBP
- Zweite Trimmkorrektur (t)
- 50 × Trimm² × ΔMCTC ÷ LBP
- ΔMCTC
- MCTC bei QM + 0,5 m minus MCTC bei QM − 0,5 m
- Dichtekorrektur (t)
- Δ × (ρ − 1,025) ÷ 1,025
3Kernpunkte
- 1
Korrigiere Tiefgänge auf vorderes Lot, mittschiffs und achteres Lot, bevor du den Viertelmittelwert berechnest.
- 2
Nutze den Viertelmittelwert (F + A + 6M) ÷ 8 zur Berücksichtigung von Auf- oder Durchbiegung.
- 3
Erste Trimmkorrektur: Das Vorzeichen folgt LCF und Trimm; die zweite wird normalerweise addiert.
- 4
Korrigiere die Wasserdichte; ziehe Ballast, Frischwasser, Bunkervorräte und andere gemessene veränderliche Gewichte ab.
4Häufige Fehler
Falsch: LCF wird in der Tabelle immer ab mittschiffs gemessen.
Richtig: Manche Tabellen geben LCF ab dem achteren Lot an. Rechne vor Anwendung der Formel in einen Abstand ab mittschiffs um.
Falsch: Bei Dünung die Tiefgänge vom Kai abzulesen reicht aus.
Richtig: Lies nahe der Wasseroberfläche ab, möglichst von einem Boot aus, und mittle mehrere Ablesungen. Nutze bei Wellen ein Rohr oder Manometer.
Falsch: Die Dichte ist nur in Süßwasser wichtig.
Richtig: Bei gleichem gemessenem Tiefgang ergibt Wasser mit 1,018 t/m³ etwa 287 t weniger Verdrängung als ein Tabellenwert von 42.000 t für 1,025 t/m³. Die Schiffsmasse ändert sich nicht allein durch eine andere Wasserdichte.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Endvermessung: Trimm 1,20 m achterlastig, LCF 4,0 m achterlich von mittschiffs, TPC 45 t/cm, LBP 160 m, ΔMCTC 36 t·m/cm. Bestimme beide Trimmkorrekturen. Ein Kollege zieht beide ab. Akzeptierst du das Ergebnis?
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Nein. Prüfe jedes Vorzeichen, statt Korrekturen als Abzüge zu behandeln. Erste: 1,20 × 4,0 × 45 × 100 ÷ 160 = +135 t. Achterlicher Trimm und achterlicher LCF zeigen zum selben Ende: addieren. Zweite: 50 × 1,20² × 36 ÷ 160 = +16,2 t, ebenfalls addieren. Insgesamt kommen +151,2 t zur Tabellenverdrängung hinzu.
Prüfungstipps
- Lotkorrektur = beobachteter Trimm × Markenversatz ÷ Markenabstand.
- QM = (F + A + 6M) ÷ 8.
- 1. Trimmkorrektur = t × LCF × TPC × 100 ÷ LBP; 2. = 50 t² ΔMCTC ÷ LBP.
- Dichtekorrektur = Δ (ρ − 1,025) ÷ 1,025; Ballast, Frischwasser und Bunkervorräte abziehen.
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