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Leckstabilitätsberechnungen, Längsfestigkeit und die Tiefgangsbesichtigung (Draft Survey)

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Stabilität≈ 3 Min. Lesezeit

Leckstabilitätsregeln: deterministisch und probabilistisch

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

SOLAS II-1 Teil B-1 bewertet die Unterteilung anhand der Überlebenswahrscheinlichkeit nach einer Kollision. Erfahre, was A ≥ R und die Faktoren p, s und v für dich als Kapitän bedeuten.

Zwei Ansätze

Eine deterministische Regel nimmt festgelegte Schäden an, die das Schiff überstehen muss. MARPOL, IBC-/IGC-Code und die Regeln des Internationalen Freibord-Übereinkommens für verringerten Freibord nutzen diesen Ansatz. SOLAS II-1 Teil B-1 ist probabilistisch: Er schätzt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einer zufälligen Kollision. Die harmonisierten Regeln gelten grundsätzlich für ab 1. Januar 2009 gebaute Fahrgastschiffe und Frachtschiffe ab 80 m, mit festgelegten Ausnahmen bei Anwendung anderer Regeln.

Der erreichte Index A

Für jede Abteilung oder Gruppe benachbarter Abteilungen bezeichnet der Faktor p die statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden nur diese Gruppe öffnet. Der Faktor s beschreibt die Wahrscheinlichkeit, diese Flutung ohne Kentern oder gefährliche Krängung zu überstehen. Ein Faktor v innerhalb von s berücksichtigt wasserdichte Decks: die Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden unter einem solchen Deck bleibt. Jeder Index ist die Summe von p × s über alle Leckfälle.

Drei Tiefgänge

Nutze drei Tiefgänge: ds, den Sommerfreibord-Tiefgang; dl, den leichtesten erwarteten Betriebszustand einschließlich nötigen Ballasts und bei Fahrgastschiffen aller Fahrgäste und Besatzungsmitglieder; und dp = dl + 0,6 × (ds − dl). Leichter Betriebszustand bedeutet nicht Leerschiff. Verknüpfe die Teilindizes zu A = 0,4As + 0,4Ap + 0,2Al. Die genehmigte Mindest-GM-Kurve für die metazentrische Höhe nutzt die untersuchten GM-Werte und Trimmlagen und berücksichtigt auch die Intaktstabilität.

Der erforderliche Index R

Erfüllt ist die Anforderung bei A ≥ R. Für Frachtschiffe über 100 m gilt R = 1 − 128 ÷ (Ls + 152), wobei Ls die Unterteilungslänge ist. Jeder Teilindex muss außerdem 0,5 R bei Frachtschiffen und 0,9 R bei Fahrgastschiffen erreichen. Seit 2020 hängt R bei Fahrgastschiffen von der Personenzahl an Bord ab: 0,722 bei weniger als 400, darüber höher.

Der Faktor s in der Praxis

Im Endgleichgewicht erhöhen ein größerer verbleibender aufrichtender Hebelarm GZmax und ein größerer Bereich positiver GZ den Faktor s bis zu seinen Rechengrenzen: 0,12 m und 16°, beziehungsweise 0,20 m und 20° bei Ro-Ro-Fahrgastschiffsleckfällen mit betroffenem Ro-Ro-Raum. Das sind Rechengrenzen, keine zulässigen Höchstwerte für GZ oder seinen Bereich. Krängung verringert s bei Frachtschiffen über 25° (null bei 30°), bei Fahrgastschiffen über 7° (null bei 15°). Zwischenzustände und das Eintauchen von Öffnungen mit weiterem Wassereintritt können maßgebend sein. Nutze die genehmigte Mindest-GM-Kurve.

2Wichtige Daten

Anforderung
A ≥ R; Teilindizes ≥ 0,5R (Fracht), ≥ 0,9R (Fahrgast)
Erreichter Index
A = 0,4 As + 0,4 Ap + 0,2 Al
Jeder Teilindex
Summe von p × s über alle Leckfälle
R, Frachtschiffe > 100 m
R = 1 − 128 ÷ (Ls + 152)
Teiltiefgang dp
dl + 0,6 × (ds − dl)
s = 0 (Endzustand)
Krängung ≥ 30° bei Frachtschiffen; ≥ 15° bei Fahrgastschiffen

3Kernpunkte

  1. 1

    Deterministische Regeln nehmen festgelegte Schäden an; SOLAS II-1 Teil B-1 ist probabilistisch.

  2. 2

    p = Schadenswahrscheinlichkeit, s = Überlebenswahrscheinlichkeit, v = Einfluss wasserdichter Decks.

  3. 3

    A = 0,4 As + 0,4 Ap + 0,2 Al muss R erreichen, jeder Teilindex bei Frachtschiffen ≥ 0,5 R.

  4. 4

    Die GM-Grenzkurve beruht auf den bei ds, dp und dl angenommenen GM-Werten.

4Häufige Fehler

  • Falsch: A ≥ R bedeutet, dass das Schiff jeden Zweiabteilungsleckfall übersteht.

    Richtig: A ist ein nach Wahrscheinlichkeiten gewichteter Index. Manche Leckfälle können das Schiff weiterhin zum Sinken bringen, selbst bei nur einer betroffenen Abteilung.

  • Falsch: Unterhalb des Mindest-GM zu fahren ist in Ordnung, wenn die Intaktkriterien erfüllt sind.

    Richtig: Die Mindest-GM-Kurve vereint Intakt- und Leckstabilitätsanforderungen. Darunter ist A ≥ R nicht mehr nachgewiesen.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Ein Massengutschiff mit 200 m Unterteilungslänge hat die Teilindizes As 0,30, Ap 0,90 und Al 0,90. Darf das Auslaufen anhand dieser Ergebnisse genehmigt werden?

Antwort zeigen

Nein. R = 1 − 128 ÷ (200 + 152) = 0,636 und A = 0,4 × 0,30 + 0,4 × 0,90 + 0,2 × 0,90 = 0,660. Der Gesamtindex erfüllt die Anforderung. Jeder Fracht-Teilindex muss aber 0,5R = 0,318 erreichen. As beträgt nur 0,30. A allein reicht nicht.

Prüfungstipps

  • A = Σ p s je Tiefgang; A = 0,4As + 0,4Ap + 0,2Al; A ≥ R.
  • Frachtschiff über 100 m: R = 1 − 128 ÷ (Ls + 152); Teilindizes ≥ 0,5R.
  • ds = Sommertiefgang; dl = leichtester Betriebszustand einschließlich nötigen Ballasts; dp = dl + 0,6 × (ds − dl).
  • s bei Frachtschiffen: verringert über 25° Krängung, null bei 30°.

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