Einheiten ansehenAussetzen und Führen von Überlebensfahrzeugen und Bereitschaftsbooten (STCW A-VI/2-1)
Freifallrettungsboote: Aussetzen, Simulation und Einholen
1Die Lektion in einfachen Worten
Ein Freifallrettungsboot fällt von einer Heckrampe. Du sicherst alle Gurte, prüfst die zugelassenen Grenzen und befolgst die Aussetz- und Einholverfahren des Herstellers.
So funktioniert es
Ein Freifallrettungsboot liegt auf einer geneigten Rampe, meist am Heck, mit dem Bug zum Wasser. Nach dem Auslösen rutscht und fällt es, taucht mit dem Bug zuerst ein und fährt frei. Die Passagiersitze sind meist zum Bootsheck gerichtet. Nutze zum Aussetzen deinen zugewiesenen Sitz und dessen Gurtsystem. Die zugelassene Freifallhöhe ist die größte erlaubte Fallhöhe, gemessen von der Wasseroberfläche bis zum tiefsten Bootspunkt in Aussetzstellung. Vergleiche vor dem Aussetzen die tatsächliche Fallhöhe sowie Trimm und Krängung mit den zugelassenen Grenzen.
Aussetzen
Steige ein, schnalle dich an, schließe die Luken und prüfe jeden Gurt. Starte den Motor nach Anweisung. Auf die Warnung des Bootsführers, der verantwortlichen Person im Boot, nehmen alle die Abstützhaltung ein. Betätige dann die Auslösung von innen, meist mit einer hydraulischen Handpumpe. Dafür sind mindestens zwei unabhängige Handlungen nötig, um unbeabsichtigtes Auslösen zu verhindern. Nach dem Eintauchen nimmt das Boot sofort Fahrt auf.
Übungen
Unter Aufsicht eines erfahrenen Offiziers steigst du ein, prüfst die Gurte und übst den Aussetzablauf. Beim simulierten Aussetzen übst du das Auslöseverfahren, ohne den Auslösemechanismus tatsächlich zu betätigen. Nutze zugelassene Rückhaltevorrichtungen und Simulationsanweisungen des Herstellers (MSC.1/Circ.1578/Rev.1). Fehlen sie, stoppe und beschaffe sie. Stelle danach die normale Einsatzbereitschaft wieder her. Die Prüfung des Auslösesystems ist eine getrennte Wartungsarbeit. Übungsintervalle behandelt die Lektion zu Alarmen und der Sicherheitsrolle.
Zweite Aussetzvorrichtung und Einholen
Jede Freifall-Aussetzvorrichtung besitzt eine zweite Aussetzvorrichtung, meist einen Davit oder Kran. Sie senkt das Boot an Läufern mit Auslösung ohne Last ab und dient Übungen, Wartung und Einholen. Das Einholen birgt hohe Risiken. Nur erforderliches Bedienpersonal bleibt an Bord, wenn das zugelassene Verfahren es verlangt. Hake bei ruhigen Bedingungen sorgfältig ein. Vor dem abschließenden Sichern auf der Rampe steigen alle gemäß Herstellerreihenfolge aus.
2Wichtige Daten
- Auslösung
- Mindestens zwei unabhängige Handlungen aus dem Bootsinneren
- Sitzposition
- Zugewiesenen Sitz und dessen Gurtsystem zum Aussetzen nutzen; auf Kommando abstützen
- Zugelassene Freifallhöhe
- Größte erlaubte Fallhöhe: Wasser bis tiefster Bootspunkt in Aussetzstellung
- Simuliertes Aussetzen
- Zugelassene Rückhaltung; nicht auslösen; Einsatzbereitschaft wiederherstellen
- Simulationsleitfaden
- MSC.1/Circ.1578/Rev.1 (6. Juli 2026)
- Zweite Aussetzvorrichtung
- Fieren an Läufern mit Auslösung ohne Last; auch zum Einholen
3Kernpunkte
- 1
Vor dem Auslösen anschnallen, Luken schließen und abstützen; Motor zum vorgeschriebenen Zeitpunkt starten.
- 2
Auslösen erfordert zwei unabhängige Handlungen aus dem Bootsinneren.
- 3
Beim simulierten Aussetzen übst du den Ablauf, ohne die Auslösung zu betätigen.
- 4
Mit der zweiten Aussetzvorrichtung einholen; nur nötiges Bedienpersonal bleibt an Bord, wenn das zugelassene Verfahren es verlangt.
4Häufige Fehler
Falsch: Löse zuerst aus und schnalle dich an, während das Boot rutscht.
Richtig: Sichere vor dem Auslösen jeden Gurt, schließe die Luken und stütze dich ab. Befolge den Motorstartablauf des Herstellers.
Falsch: Beim Einholen bleibt die ganze Besatzung an Bord, um die Arbeit zu teilen.
Richtig: Nur erforderliches Bedienpersonal bleibt an Bord, wenn das zugelassene Einholverfahren es verlangt. Ein zugelassenes unbesetztes Einholen kann möglich sein.
Falsch: Nutze simuliertes Aussetzen zur Prüfung des Auslösesystems.
Richtig: Simuliertes Aussetzen betätigt die Auslösung nicht. Ihre Prüfung ist eine getrennte Wartungsarbeit.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Ihr müsst euren Massengutfrachter verlassen. Das Freifallrettungsboot liegt am Heck; alle sind angetreten. Das Schiff sinkt mit dem Bug tiefer, die Heckrampe steigt. Der Zweite Offizier ist Bootsführer.
Antwort zeigen
Vergleiche tatsächliche Fallhöhe, Trimm und Krängung mit den zugelassenen Bootsgrenzen. Das steigende Heck kann die Fallhöhe erhöhen. Bei Überschreitung nicht auslösen und den Kapitän informieren, damit eine zugelassene Alternative genutzt wird. Innerhalb der Grenzen steigt ihr wie geübt ein, sichert jeden Gurt und schließt die Luken. Starte den Motor nach Anweisung. Auf die Bootsführerwarnung abstützen und beide unabhängigen Auslösehandlungen ausführen. Nach dem Eintauchen freifahren, alle zählen und melden.
Prüfungstipps
- Freifall: Heckrampe; zugewiesene Sitze und Gurtsysteme zum Aussetzen; zugelassene Freifallhöhe.
- Auslösen erfordert mindestens zwei unabhängige Handlungen von innen.
- Simuliertes Aussetzen: zugelassene Rückhaltung, keine tatsächliche Auslösung, Einsatzbereitschaft wiederherstellen; getrennt von der Auslösesystemprüfung.
- Zweite Aussetzvorrichtung mit Läufern und Auslösung ohne Last zum Fieren bei Übungen und zum Einholen.
Diese Einheit abschließen
Wenn du sie gelesen hast, beantworte drei Fragen. Mit drei richtigen Antworten schließt du die Einheit ab; nur die Seite zu öffnen zählt nicht.
Meine Notizen zu dieser Einheit
Keine Notizen
