Basislinien und die Meereszonen nach UNCLOS
1Die Lektion in einfachen Worten
Die Entfernungsgrenzen vor der Küste zählen ab der Basislinie. Jede Zone gibt dem Küstenstaat andere Befugnisse; Festlandsockelrechte betreffen den Meeresboden.
UNCLOS
Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1982 (UNCLOS) trat am 16. November 1994 in Kraft. Es hat mehr als 165 Vertragsparteien, darunter die EU. Die USA sind keine Vertragspartei, erkennen aber die meisten Schifffahrtsregeln als Gewohnheitsrecht an. Das sind Regeln aus allgemeiner Staatenpraxis, die als rechtlich verbindlich anerkannt wird. UNCLOS legt die Zonen, Durchfahrtsrechte und Pflichten der Flaggenstaaten fest.
Basislinien und innere Gewässer
Entfernungsgrenzen vor der Küste zählen ab der Basislinie. Die normale Basislinie ist die Niedrigwasserlinie entlang der Küste, wie sie in den großmaßstäbigen Seekarten des Staates eingetragen ist. Bei tief eingeschnittener Küste oder einem vorgelagerten Inselkranz in unmittelbarer Küstennähe darf ein Staat gerade Basislinien zwischen Punkten ziehen. Außerhalb der Archipelregelung sind Gewässer landwärts der Basislinien, etwa Häfen, Buchten und Flussmündungen, innere Gewässer. Dort hat der Küstenstaat volle Souveränität. Ein allgemeines Durchfahrtsrecht besteht nicht.
Küstenmeer und Anschlusszone
Das Küstenmeer reicht bis 12 NM ab der Basislinie. Der Küstenstaat hat Souveränität über Wasser, Meeresboden und Luftraum. Fremde Schiffe haben aber das Recht der friedlichen Durchfahrt. Dahinter darf ein Staat bis 24 NM ab der Basislinie eine Anschlusszone beanspruchen. Dort darf er Verstöße gegen seine Zoll-, Steuer-, Einreise- und Gesundheitsvorschriften verhindern oder ahnden, die in seinem Hoheitsgebiet oder Küstenmeer begangen werden.
AWZ und Festlandsockel
Die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) reicht bis 200 NM ab der Basislinie. Der Küstenstaat hat Rechte an Ressourcen und bestimmte Hoheitsbefugnisse. Die Freiheit der Schifffahrt und des Überflugs bleibt dir erhalten. Der Festlandsockel umfasst Meeresboden und Untergrund, nicht das Wasser darüber. Er reicht normalerweise bis 200 NM. Darüber hinaus gelten nach Artikel 76 geologische Kriterien und Grenzen von 350 NM oder 100 NM jenseits der 2.500-m-Isobathe, einer Linie gleicher Wassertiefe von 2.500 m. Für unterseeische Bergrücken gelten Sondergrenzen. Erweiterte Grenzen werden auf Empfehlung der UN-Festlandsockelkommission festgelegt.
Hohe See und das Gebiet
Jenseits der AWZ liegt die Hohe See, die allen Staaten offensteht. Der Meeresboden jenseits aller Festlandsockel heißt das Gebiet. Seine mineralischen Ressourcen sind gemeinsames Erbe der Menschheit. Die Internationale Meeresbodenbehörde verwaltet sie. Das BBNJ-Übereinkommen über die biologische Vielfalt der Meere jenseits nationaler Hoheitsbefugnisse trat am 17. Januar 2026 in Kraft. Es ermöglicht Meeresschutzgebiete auf Hoher See.
2Wichtige Daten
- Küstenmeer
- Bis 12 NM ab der Basislinie
- Anschlusszone
- Bis 24 NM ab der Basislinie
- AWZ
- Bis 200 NM ab der Basislinie
- Erweiterter Festlandsockel
- Art. 76: 350 NM oder 100 NM jenseits der 2.500-m-Isobathe; Sondergrenzen
- UNCLOS
- 1982 unterzeichnet, seit 16. November 1994 in Kraft
- BBNJ-Übereinkommen
- Seit 17. Januar 2026 in Kraft
3Kernpunkte
- 1
Miss die Entfernungsgrenzen von Küstenmeer, Anschlusszone und AWZ ab der Basislinie.
- 2
Innere Gewässer: volle Souveränität, kein allgemeines Durchfahrtsrecht.
- 3
Küstenmeer 12 NM, Anschlusszone 24 NM, AWZ 200 NM.
- 4
In der AWZ kontrolliert der Küstenstaat die Ressourcen; die Freiheit der Schifffahrt bleibt dir erhalten.
4Häufige Fehler
Falsch: Die AWZ gehört zum Hoheitsgebiet des Küstenstaates.
Richtig: Die AWZ gibt Rechte an Ressourcen und bestimmte Hoheitsbefugnisse. Die Schifffahrt bleibt frei, wie auf Hoher See.
Falsch: Das Küstenmeer wird ab der Hochwasserlinie an der Küste gemessen.
Richtig: Es wird ab der Basislinie gemessen: normalerweise der Niedrigwasserlinie oder, wo zulässig, geraden Basislinien.
Falsch: In der Anschlusszone darf der Küstenstaat alle seine Gesetze durchsetzen.
Richtig: Diese Befugnisse betreffen Zoll-, Steuer-, Einreise- und Gesundheitsvorschriften. Sie dienen dazu, Verstöße im Hoheitsgebiet oder Küstenmeer zu verhindern oder zu ahnden.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Dein Schiff ist 18 NM von der Basislinie des Küstenstaates entfernt. Es liegt außerhalb des Küstenmeers, aber innerhalb der beanspruchten Anschlusszone. Der Zoll fordert dich zum Stoppen auf, nachdem er zuvor eine rechtswidrige Warenübergabe durch dein Schiff innerhalb des Küstenmeers beobachtet hat. Darf er eingreifen?
Antwort zeigen
Ja. Du bist in der beanspruchten Anschlusszone, innerhalb von 24 NM ab der Basislinie. Artikel 33 erlaubt Zollmaßnahmen zur Ahndung eines Verstoßes im Küstenmeer. Befolge die Anweisung und dokumentiere den Ablauf. Ein Verstoß gegen Fanggerätevorschriften wäre durch diese Anschlusszonenbefugnisse nicht gedeckt. In denselben Gewässern können dafür eigene Ressourcenbefugnisse der AWZ gelten.
Prüfungstipps
- Basislinie: Niedrigwasserlinie; gerade Basislinien bei eingeschnittener Küste.
- Küstenmeer 12 NM (Souveränität); Anschlusszone 24 NM (Zoll, Steuern, Einreise, Gesundheit).
- AWZ: Ressourcenrechte bis 200 NM; erweiterter Festlandsockel: Boden/Untergrund, Grenzen nach Artikel 76 und Prüfung durch die UN-Kommission.
- Hohe See für alle frei; das Gebiet verwaltet die ISA; BBNJ seit 17. Januar 2026 in Kraft.
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