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Sicherheitsmanagement an Bord: der ISM-Code

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Recht und Wache≈ 3 Min. Lesezeit

Der ISM-Code: Warum es ihn gibt und was er vom Unternehmen verlangt

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Auf Schiffen, die unter SOLAS IX fallen, arbeiten Unternehmen und Besatzung mit einem dokumentierten Sicherheitsmanagementsystem (SMS).

Warum es den Code gibt

Der ISM-Code ist der Internationale Code für Maßnahmen zur Organisation eines sicheren Schiffsbetriebs und zur Verhütung der Meeresverschmutzung. Er entstand nach Unfällen wie dem Kentern der Herald of Free Enterprise 1987. Diese zeigten Mängel an Land und an Bord. SOLAS-Kapitel IX schreibt ihn für erfasste Schiffe auf internationalen Reisen vor: Fahrgastschiffe jeder Größe sowie Frachtschiffe und mobile Offshore-Bohreinheiten ab 500 Bruttoraumzahl (BRZ, englisch GT). Staatlich betriebene Schiffe für nichtgewerbliche Zwecke sind ausgenommen. Nationale Vorschriften können den Geltungsbereich erweitern.

Das Unternehmen

Der Code verpflichtet das Unternehmen: den Schiffseigentümer oder einen Betreiber oder Bareboat-Charterer, der den Schiffsbetrieb und alle Pflichten des Codes übernommen hat. Ein Bareboat-Charterer chartert das Schiff ohne Besatzung. Das Unternehmen muss ein Sicherheitsmanagementsystem (SMS) einrichten und betreiben. Darin ist dokumentiert, wie Unternehmen und Besatzungen Menschen, Schiffe und Umwelt schützen.

Ziele

Der Code soll Sicherheit auf See gewährleisten, Verletzungen und Todesfälle verhindern sowie Umwelt- und Sachschäden vermeiden. Das Unternehmen muss sichere Arbeitsweisen und ein sicheres Arbeitsumfeld schaffen. Es muss alle erkannten Risiken bewerten, die Schiffe, Menschen und Umwelt betreffen, und Schutzmaßnahmen festlegen. Es muss die Fähigkeiten seiner Beschäftigten an Land und an Bord im Sicherheitsmanagement laufend verbessern, einschließlich der Notfallvorbereitung.

Sechs funktionale Anforderungen

Jedes SMS muss enthalten: eine Sicherheits- und Umweltschutzpolitik; Anweisungen und Verfahren gemäß internationalen und Flaggenstaatsvorschriften; festgelegte Befugnisse und Kommunikationswege an Land und an Bord; Verfahren zur Meldung von Unfällen und Abweichungen; Verfahren zur Vorbereitung auf und Bewältigung von Notfällen; sowie Verfahren für interne Audits und Bewertungen durch die Unternehmensleitung.

Vorschriften und Empfehlungen

Das SMS muss sicherstellen, dass du verbindliche Vorschriften einhältst. Es muss auch Codes, Richtlinien und Normen berücksichtigen, die IMO, Flaggenstaat, Klassifikationsgesellschaften und Branchenverbände empfehlen. Das Unternehmen besitzt ein Dokument über die Erfüllung der einschlägigen Vorschriften (DOC), jedes Schiff ein Zeugnis über die Organisation von Sicherheitsmaßnahmen (SMC). Wie der Flaggenstaat dies prüft und die Dokumente ausstellt, lernst du unter Schiffsverwaltung.

Stand 2026

Die letzte Änderung des Codes trat am 1. Januar 2015 in Kraft. Diesen Text wendest du heute an. Im Juli 2026 begann der IMO-Unterausschuss auf seiner Sitzung III 12 mit einer vollständigen Überarbeitung der Umsetzungsrichtlinien, Entschließung A.1188(33). Ziele sind unter anderem digitale Systeme und weniger Papierarbeit. Angestrebt ist 2028. Noch ist nichts aus diesen Arbeiten in Kraft.

2Wichtige Daten

Rechtsgrundlage
SOLAS-Kapitel IX; ISM-Code mit Entschließung A.741(18) angenommen
Verbindlich seit
1. Juli 1998 (erste Schiffstypen); 1. Juli 2002 (weitere Schiffe)
Erfasste Schiffe
International: Fahrgastschiffe; Frachter/mobile Offshore-Bohranlagen ≥500 BRZ
Letzte Codeänderung
MSC.353(92), in Kraft seit 1. Januar 2015
Überarbeitung der Richtlinien
Beginn bei III 12 (Juli 2026); Ziel 2028; nicht in Kraft

3Kernpunkte

  1. 1

    SOLAS-Kapitel IX macht den ISM-Code verbindlich.

  2. 2

    Das Unternehmen trägt die Verantwortung: Eigentümer, Betreiber oder Bareboat-Charterer, der die Pflichten übernommen hat.

  3. 3

    Jedes SMS hat sechs funktionale Anforderungen, von der Politik bis zu Audits und Bewertungen.

  4. 4

    Das Unternehmen muss alle erkannten Risiken bewerten und Schutzmaßnahmen festlegen.

  5. 5

    Die 2026 begonnene Überarbeitung der ISM-Richtlinien ist nicht in Kraft. Wende den geltenden Code an.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Der ISM-Code ist Sache der Besatzung. Das Büro bezahlt nur die Rechnungen.

    Richtig: Der Code verpflichtet das Unternehmen. Es muss Mittel, Unterstützung von Land und ein funktionierendes SMS bereitstellen.

  • Falsch: 2026 wurde ein neuer ISM-Code angenommen.

    Richtig: Die Überarbeitung der Umsetzungsrichtlinien begann im Juli 2026, mit Ziel 2028. Der geltende Code ist seit 2015 unverändert.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Ein neuer Betreiber übernimmt deinen Massengutfrachter und alle ISM-Pflichten. Ein Kollege sagt, Sicherheitsverfahren seien jetzt allein Sache des Kapitäns. Stimmt das?

Antwort zeigen

Nein. Der Betreiber ist jetzt das ISM-Unternehmen. Er muss ein dokumentiertes SMS betreiben, Zuständigkeiten festlegen, Mittel und Unterstützung von Land bereitstellen sowie erkannte Risiken bewerten und Schutzmaßnahmen festlegen. Kapitän und Besatzung setzen das System an Bord um.

Prüfungstipps

  • SOLAS-Kapitel IX macht den ISM-Code verbindlich.
  • Unternehmen: Eigentümer, Betreiber oder Bareboat-Charterer, der alle ISM-Pflichten übernommen hat.
  • Sechs funktionale Anforderungen: Politik, Verfahren, Befugnisse, Meldungen, Notfälle, Audits und Bewertungen.
  • Letzte Codeänderung in Kraft seit 1. Januar 2015; Richtlinienüberarbeitung seit Juli 2026, nicht in Kraft.

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