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Sicherheitsmanagement an Bord: der ISM-Code

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Recht und Wache≈ 3 Min. Lesezeit

Risikobewertung, Rangfolge der Schutzmaßnahmen und Arbeitsfreigaben

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Risiko ist Wahrscheinlichkeit × Schadensschwere. Bewerte eine Arbeit vor Beginn, wähle die wirksamste Schutzmaßnahme und nutze Freigaben für gefährliche Arbeiten.

Gefährdung und Risiko

Eine Gefährdung ist alles, was Schaden verursachen kann: ein Absturz, eine giftige Atmosphäre, eine rotierende Welle. Das Risiko verbindet die Wahrscheinlichkeit des Schadens mit seiner Schwere. Eine Risikobewertung ermittelt die Gefährdungen einer Arbeit, bewertet das Risiko, wählt Schutzmaßnahmen und prüft, ob das Restrisiko akzeptabel ist. Das ist das nach den Maßnahmen verbleibende Risiko. Der ISM-Code verlangt, dass das Unternehmen alle erkannten Risiken bewertet.

Die Risikomatrix

Viele Unternehmen nutzen eine Risikomatrix mit 5 × 5 Feldern. Die Wahrscheinlichkeit reicht von 1, selten, bis 5, fast sicher. Die Schadensschwere reicht von 1, leichte Verletzung, bis 5, Todesfall oder schwere Verschmutzung. Risiko = Wahrscheinlichkeit × Schadensschwere. Häufige Bereiche sind 1–4 niedrig, 5–12 mittel und 15–25 hoch. Bei hohem Risiko beginnst du erst, wenn Maßnahmen es gesenkt haben. Nutze die Matrix und Bereiche deines Unternehmens.

Rangfolge der Schutzmaßnahmen

Wähle zuerst die wirksamste Maßnahme. Beseitigung: Entferne die Gefährdung vollständig, etwa durch Arbeiten von Deck statt durch Klettern. Ersatz: Nutze etwas weniger Gefährliches. Technische Maßnahmen: Schutzabdeckungen, feste Leitern, Lüftung. Organisatorische Maßnahmen: Verfahren, Freigaben, Schulungen, Schilder. Persönliche Schutzausrüstung (PSA), etwa ein Auffanggurt, kommt zuletzt. Sie wirkt nur, wenn jede Person sie richtig verwendet.

Rechenbeispiel

Beim Wechsel einer Vormastlampe auf rollendem Schiff droht ein tödlicher Absturz. Hier gilt: Wahrscheinlichkeit 3 × Schadensschwere 5 = 15, also hoch. Warte auf geeignete Bedingungen. Nutze zugelassenen Zugang, Absturzsicherung, eine Freigabe für Arbeiten in der Höhe und einen Sicherungsposten. Ergibt die Neubewertung Wahrscheinlichkeit 1, beträgt das Restrisiko 1 × 5 = 5, also mittel. Beginne nur, wenn die betrieblichen Akzeptanz- und Genehmigungsregeln erfüllt und alle Schutzmaßnahmen geprüft sind. Maßnahmen können Wahrscheinlichkeit, Schadensschwere oder beides senken. Begründe jede Einstufung.

Arbeitsfreigabe

Eine Arbeitsfreigabe ist eine schriftliche Erlaubnis für gefährliche Arbeiten: Heißarbeiten, also etwa Schweißen, das Betreten geschlossener Räume, Arbeiten in der Höhe oder außenbords sowie an elektrischen Anlagen. Sie nennt Aufgabe, Gefährdungen, Vorkehrungen, Prüfungen und Gültigkeitsdauer. Die verantwortliche Person unterschreibt. Beachte für geschlossene Räume die IMO-Empfehlungen MSC.581(110) von 2025, die A.1050(27) ersetzt haben: Prüfe die Atmosphäre vor dem Betreten und während des gesamten Aufenthalts, auch auf Kohlendioxid.

Sicherheitsbesprechung

Halte vor Arbeitsbeginn mit allen Beteiligten eine kurze Sicherheitsbesprechung ab: Aufgabe, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und wer die Arbeit stoppen darf. Jeder darf unsicher gewordene Arbeit stoppen. Ändern sich Bedingungen wie Wetter, Plan oder beteiligte Personen, stoppe und bewerte neu.

2Wichtige Daten

Risiko
Wahrscheinlichkeit × Schadensschwere (z. B. jeweils 1–5 bei einer 5 × 5-Matrix)
Häufige Risikobereiche
1–4 niedrig, 5–12 mittel, 15–25 hoch (betriebliche Matrizen unterscheiden sich)
Rangfolge der Schutzmaßnahmen
Beseitigung, Ersatz, technische und organisatorische Maßnahmen, PSA
Rechenbeispiel
Mastarbeit: 3 × 5 = 15; bei neu bewerteter Wahrscheinlichkeit 1 gilt 1 × 5 = 5
Geschlossene Räume
MSC.581(110) (2025), ersetzt A.1050(27)

3Kernpunkte

  1. 1

    Risiko = Wahrscheinlichkeit × Schadensschwere. Bewerte es vor Arbeitsbeginn.

  2. 2

    Wähle zuerst die wirksamste Maßnahme. PSA ist die letzte Schutzstufe.

  3. 3

    Maßnahmen können Wahrscheinlichkeit, Schadensschwere oder beides senken. Begründe die Restrisikoeinstufung.

  4. 4

    Eine Arbeitsfreigabe erfasst Heißarbeiten, geschlossene Räume, Arbeiten in der Höhe und ähnliche Aufgaben.

  5. 5

    Jeder darf unsichere Arbeit stoppen. Bewerte bei geänderten Bedingungen neu.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Mit Auffanggurt sind Arbeiten in der Höhe auf See risikoarm.

    Richtig: PSA ist die schwächste Schutzmaßnahme. Beseitige oder verringere zuerst die Gefährdung, etwa indem du auf einen Ankerplatz und ruhiges Wasser wartest.

  • Falsch: Sobald die Freigabe unterschrieben ist, ist die Risikobewertung abgeschlossen.

    Richtig: Bewerte bei geänderten Bedingungen neu. Schließe die Freigabe erst ab, wenn die Arbeit beendet und der Ort sicher ist.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Du musst einen mit Rundholz beladenen Laderaum öffnen, der 20 Tage geschlossen war, um Laschungen, also Ladungssicherungen, zu prüfen. Die Luke ist offen und die Luft wirkt klar. Ein Kadett will sofort die Leiter hinabsteigen. Darf er hinein, und was muss zuerst geschehen?

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Verhindere das Betreten. Rundholz kann Sauerstoff verbrauchen und Gase freisetzen. Folge dem SMS-Verfahren für geschlossene Räume: Lüfte und nimm von außen Proben an mehreren Höhen und Stellen. Prüfe Sauerstoff, brennbare und relevante giftige Gase, einschließlich Kohlenmonoxid und Kohlendioxid. Betreten nur bei sicheren Messwerten, akzeptablem Restrisiko, genehmigter Freigabe, Sicherungsposten, Kommunikation und Rettungsbereitschaft. Halte Lüftung und Überwachung aufrecht. Verlasse den Raum bei unsicheren Bedingungen.

Prüfungstipps

  • Gefährdung ist die Schadensquelle; Risiko ist Wahrscheinlichkeit × Schadensschwere.
  • Schutzrangfolge: Beseitigung, Ersatz, technische und organisatorische Maßnahmen, PSA.
  • Das Restrisiko muss vor Arbeitsbeginn akzeptabel sein.
  • Freigaben für Heißarbeiten, geschlossene Räume und Höhenarbeiten; MSC.581(110) für das Betreten geschlossener Räume.

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