Einheiten ansehenMedizinische Versorgung an Bord: Behandlung, Pflege und Todesfälle auf See (STCW A-VI/4-2)
Infektionsschutz, Isolierung und übertragbare Krankheiten
1Die Lektion in einfachen Worten
In der geschlossenen Gemeinschaft an Bord kann eine Infektion ein Schiff lahmlegen. Unterbrich die Infektionskette früh: saubere Hände, passender Schutz, Isolierung und frühzeitiger ärztlicher Rat.
Wie Erreger sich verbreiten
Eine übertragbare Krankheit kann direkt oder indirekt zwischen Menschen weitergegeben werden, auch über Lebensmittel, Wasser oder Insekten. Erreger verbreiten sich durch Kontakt (Hände und Oberflächen), Tröpfchen (Husten und Niesen aus der Nähe), die Luft (feine Partikel, etwa bei Tuberkulose oder Masern), Lebensmittel und Wasser, Blut und Körperflüssigkeiten sowie Insektenstiche (Malaria, Dengue). Basishygiene gilt bei jedem Patienten: Händehygiene, Handschuhe bei Körperflüssigkeiten, sicherer Umgang mit Kanülen, Reinigung und sichere Abfallentsorgung.
Isolierung
Denke an eine Infektion bei neuem Erbrechen oder Durchfall, Fieber mit Ausschlag oder Husten, Gelbsucht, ungewöhnlichen Blutungen oder zusammenhängenden Fällen. Nutze den Krankenraum oder eine Einzelkammer mit eigener Toilette. Halte die Tür geschlossen und begrenze die Zahl der Pflegenden. Hole funkärztlichen Rat zu Schutzmaßnahmen und Lüftung. Trage bei Körperflüssigkeiten Handschuhe und Schürze oder Schutzkittel, bei Spritzgefahr auch Augenschutz. Bei Verdacht auf luftübertragene Infektionen wie Tuberkulose oder Masern brauchen Pflegende eine Atemschutzmaske mit geprüfter Passform, also eine dicht sitzende Filtermaske. Ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz reicht nicht.
Häufige Probleme auf See
Gastroenteritis, eine Magen-Darm-Entzündung, verursacht Erbrechen oder Durchfall. Isoliere bei Norovirusverdacht bis 48 Stunden nach Ende der Symptome. Wasche Hände mit Wasser und Seife und nutze nach der Reinigung ein laut Etikett gegen Noroviren wirksames Desinfektionsmittel. Atemwegsinfektionen, darunter Influenza und COVID-19, verbreiten sich über die Luft: Masken und Lüftung helfen. Sexuell übertragbare Infektionen verbreiten sich vor allem durch sexuelle Kontakte; Kondome senken das Risiko. Hepatitis bedeutet Leberentzündung. A/E werden oft durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen, B/C durch Blut und B auch durch Sex. Impfungen schützen gegen A/B, nicht gegen C.
Malaria
Malaria wird in tropischen Gebieten durch Mücken übertragen. Denke bei jedem Fieber nach einem Aufenthalt im Malariagebiet daran, auch Wochen oder Monate später. Hole sofort funkärztlichen Rat: Malaria kann innerhalb von Tagen töten. Beuge mit Moskitonetzen, Fliegengittern, langen Ärmeln in der Dämmerung, Mückenschutzmittel und den vom Betriebsarzt verordneten Malariatabletten vor.
Lebensmittel, Wasser und Schädlinge
Viele Ausbrüche beginnen in der Kombüse oder den Wassertanks. Küchenpersonal mit Erbrechen, Durchfall oder Hautinfektionen darf bis zur Freigabe keine Lebensmittel handhaben. Halte kalte Speisen kalt, heiße heiß und lagere rohes Fleisch unter gegarten Lebensmitteln. Desinfiziere Trinkwasser nach dem Leitfaden zur Schiffshygiene der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und bekämpfe Ratten, Schaben und Mücken.
Aufzeichnungen und Reinigung
Erfasse jeden Fall mit Beginn, Symptomen und Kontakten, um Zusammenhänge zu erkennen. Entferne sichtbaren Schmutz vor dem Desinfizieren. Nutze ein gegen den vermuteten Erreger wirksames Produkt mit der angegebenen Verdünnung und Einwirkzeit: So lange muss die Fläche nass bleiben. Mische nie Reinigungschemikalien. Wasche Wäsche heiß und verpacke verunreinigten Abfall in Beuteln. Halte die Impfnachweise der Besatzung aktuell.
2Wichtige Daten
- Basishygiene
- Händehygiene, Handschuhe, sicherer Umgang mit Kanülen und Abfall, Reinigung
- Isolieren
- Erbrechen/Durchfall, Fieber mit Ausschlag oder Husten, Gelbsucht; Fallhäufungen
- Norovirus
- Bis 48 h nach Symptomende isolieren; reinigen, dann nach Etikett desinfizieren
- Händereinigung bei Ausbrüchen
- Wasser und Seife; Alkoholgel wirkt schlecht gegen Noroviren
- Malaria
- Fieber nach Malariagebiet, auch Monate später: sofort ärztlichen Rat holen
- Küchenpersonal
- Bei Erbrechen, Durchfall oder Hautinfektion keine Lebensmittel handhaben
3Kernpunkte
- 1
Basishygiene gilt bei jedem Patienten, unabhängig von der Diagnose.
- 2
Isoliere mögliche Infektionsfälle früh; Erbrechen oder Durchfall können ohne Fieber auftreten.
- 3
Bei einem Ausbruch mit Erbrechen und Durchfall: Hände mit Wasser und Seife waschen; Flächen reinigen, dann nach Etikett desinfizieren.
- 4
Jedes Fieber nach einem Malariagebiet erfordert sofort funkärztlichen Rat.
- 5
Erkranktes Küchenpersonal darf bis zur Freigabe keine Lebensmittel handhaben.
4Häufige Fehler
Falsch: Bei einem Ausbruch mit Erbrechen reicht Alkoholgel.
Richtig: Alkoholgel wirkt schlecht gegen Noroviren. Wasche Hände mit Wasser und Seife. Reinige Flächen und nutze danach ein gegen Noroviren wirksames Desinfektionsmittel nach Etikett.
Falsch: Fieber Wochen nach dem Verlassen eines Tropenhafens kann keine Malaria sein.
Richtig: Malaria kann Wochen oder Monate später beginnen. Hole sofort funkärztlichen Rat.
Falsch: Ein Koch mit leichtem Durchfall kann vorsichtig weiterarbeiten.
Richtig: Nimm erkranktes Küchenpersonal bis zur Freigabe aus der Lebensmittelarbeit; ein Koch kann die ganze Besatzung anstecken.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Zwei Tage nach dem Auslaufen aus einem westafrikanischen Hafen haben drei Besatzungsmitglieder Erbrechen und wässrigen Durchfall. Der zweite Koch war gestern krank, arbeitete aber weiter. Was tust du?
Antwort zeigen
Behandle es als Ausbruch. Isoliere Erkrankte in Kammern oder im Krankenraum mit eigenen Toiletten; nimm den zweiten Koch aus der Lebensmittelarbeit. Wasche Hände mit Wasser und Seife. Reinige zuerst, desinfiziere dann Toiletten und häufig berührte Flächen nach Etikett. Prüfe gemeinsame Lebensmittel- und Wasserquellen und hole Rat zu verdächtigen Quellen. Erfasse Fälle und Kontakte und hole funkärztlichen Rat; jedes Fieber nach Westafrika könnte auch Malaria sein.
Prüfungstipps
- Übertragungswege: Kontakt, Tröpfchen, Luft, Lebensmittel und Wasser, Blut und Körperflüssigkeiten, Insekten.
- Basishygiene bei jedem Patienten; Isolierung mit eigener Toilette und wenigen Pflegenden.
- Norovirus: Wasser und Seife; reinigen, dann nach Etikett desinfizieren; bis 48 h nach Symptomende isolieren.
- Fieber nach Malariagebiet: dringend funkärztlichen Rat holen.
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