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Medizinische Versorgung an Bord: Behandlung, Pflege und Todesfälle auf See (STCW A-VI/4-2)

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Medizin an Bord≈ 3 Min. Lesezeit

Medikamente sicher geben: Verabreichungswege, Injektionen und Betäubungsmittelbuch

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Gib verschreibungspflichtige Medikamente nur nach funkärztlicher Beratung. Prüfe die fünf R, nutze den vereinbarten Weg und erfasse jede Dosis. Halte Betäubungsmittel verschlossen und führe Nachweis.

Nach funkärztlicher Beratung

Verschreibungspflichtige Medikamente aus der Bordapotheke gibst du nur nach funkärztlicher Beratung: Der Arzt wählt anhand deiner Medikamentenliste Mittel, Dosis, Verabreichungsweg und Zeitpunkt. Das medizinische Handbuch erklärt Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendung; es berechtigt dich nicht zum Verschreiben. Frage vor jeder Gabe nach Allergien, anderen Medikamenten und gegebenenfalls einer Schwangerschaft.

Die fünf R

Prüfe vor jeder Gabe die fünf R: richtiger Patient, richtiges Medikament (Wirkstoffname und Stärke), richtige Dosis, richtiger Verabreichungsweg und richtiger Zeitpunkt. Lies das Etikett dreimal: beim Herausnehmen, beim Vorbereiten und vor der Gabe. Prüfe Verfallsdatum und Aussehen. Passt etwas nicht zusammen, halte an und frage nach. Dokumentiere anschließend die Gabe.

Verabreichungswege

Orale Medikamente werden geschluckt; sublinguale lösen sich unter der Zunge auf; inhalative werden eingeatmet; topische werden auf Haut oder Auge aufgetragen; rektale kommen in den Mastdarm. Eine intramuskuläre Injektion geht in den Muskel, eine subkutane ins Unterhautfettgewebe; intravenöse Medikamente gehen in eine Vene. Nutze bei jeder Injektion die zum Medikament passende Einstichstelle, anatomischen Orientierungspunkte und Technik aus deiner praktischen Ausbildung, bestätigt durch den Funkarzt. Orientierungspunkte sind Körpermerkmale zum Auffinden der Einstichstelle.

Eine Injektion geben

Gib Injektionen nur, wenn du ausgebildet und befugt bist, nach funkärztlicher Beratung. Prüfe die fünf R und Allergien. Wasche die Hände, trage Handschuhe und nutze eine neue sterile Kanüle und Spritze. Arbeite aseptisch: Berühre keine sterilen Teile. Beachte die Produktanleitung, auch zur Luftblase in einer Fertigspritze. Desinfiziere die Haut und lass sie trocknen. Nutze die erlernte Einstichstelle, Orientierungspunkte und Technik. Bringe einen festen Kanülenabwurfbehälter zum Patienten; entsorge das Material sofort, ohne die Schutzkappe wieder aufzusetzen. Beobachte und dokumentiere Reaktionen; halte Notfallausrüstung bereit.

Betäubungsmittel

Betäubungsmittel wie Morphin unterliegen gesetzlichen Beschränkungen. Lagere sie in einem gesonderten verschlossenen Fach innerhalb der Bordapotheke; der Kapitän verwaltet den Schlüssel. Trage jeden Zugang, jede Gabe, zerbrochene Ampulle und Entsorgung ins Betäubungsmittelbuch ein: Datum, Uhrzeit, Menge, Patient, anordnende und verabreichende Person sowie Restbestand. Prüfe den Bestand regelmäßig mit einem Zeugen. Beachte die Flaggenstaatvorschriften, etwa die Aufbewahrung des Buchs für zwei Jahre nach dem letzten Eintrag.

2Wichtige Daten

Verschreibungspflichtige Medikamente
Nur nach funkärztlicher Beratung
Fünf R
Patient, Medikament, Dosis, Verabreichungsweg, Zeitpunkt; dann dokumentieren
Etikett prüfen
Dreimal: beim Herausnehmen, Vorbereiten und vor der Gabe
Intramuskuläre Einstichstellen
Erlernte Orientierungspunkte und medikamentenspezifische ärztliche Anweisungen nutzen
Benutzte Kanülen
Nie Schutzkappe aufsetzen; sofort in den Kanülenabwurfbehälter
Betäubungsmittelbuch
Jeder Zugang, jede Gabe, jeder Verlust und jede Entsorgung; z. B. 2 Jahre aufbewahren

3Kernpunkte

  1. 1

    Verschreibungspflichtige Medikamente gibst du nur nach funkärztlicher Beratung.

  2. 2

    Prüfe vor jeder Gabe die fünf R und lies das Etikett dreimal.

  3. 3

    Frage vor jeder Medikamentengabe nach Allergien und anderen Medikamenten.

  4. 4

    Setze nie die Schutzkappe auf eine benutzte Kanüle: Bringe den Abwurfbehälter zum Patienten.

  5. 5

    Dokumentiere jede Bestandsänderung bei Betäubungsmitteln, auch zerbrochene Ampullen, mit einem Zeugen.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Nimm bei schlechter Funkverbindung die übliche Dosis aus dem Handbuch.

    Richtig: Versuche weiter, die Seenotrettungsleitstelle (MRCC) und andere Verbindungswege zu erreichen: Verschreibungspflichtige Medikamente erfordern funkärztliche Beratung.

  • Falsch: Setze die Schutzkappe vorsichtig wieder auf, bevor du die Kanüle zum Abfall trägst.

    Richtig: Dabei entstehen Nadelstichverletzungen. Bringe den Kanülenabwurfbehälter zum Patienten.

  • Falsch: Eine zerbrochene Morphinampulle muss nicht dokumentiert werden.

    Richtig: Trage sie mit einem Zeugen ins Buch ein: Jede Ampulle muss nachgewiesen sein.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Der Funkarzt empfiehlt einem Besatzungsmitglied mit gebrochenem Knöchel ein intramuskuläres Schmerzmittel. Bei der Vorbereitung findet der Offizier zwei Stärken des Mittels in der Bordapotheke. Eine Packung ist letzten Monat abgelaufen. Was muss geschehen?

Antwort zeigen

Halte vor der Vorbereitung an. Bestätige die Stärke mit dem Arzt anhand von Wirkstoffname und Stärke aus der Liste. Nutze die haltbare Packung; lege die abgelaufene zur Rückgabe an Land beiseite. Prüfe die fünf R und Allergien. Lies das Etikett dreimal. Injiziere nur im Rahmen deiner Ausbildung an der angewiesenen Stelle mit den erlernten Orientierungspunkten. Entsorge das Material im Kanülenabwurfbehälter. Dokumentiere Mittel, Dosis, Verabreichungsweg, Uhrzeit, verabreichende Person und Wirkung; trage Betäubungsmittel auch ins Betäubungsmittelbuch ein.

Prüfungstipps

  • Verschreibungspflichtige Medikamente nur nach funkärztlicher Beratung.
  • Fünf R: Patient, Medikament, Dosis, Verabreichungsweg, Zeitpunkt; Etikett dreimal lesen; dokumentieren.
  • Injektionen: erlernter Verabreichungsweg, Einstichstelle und Orientierungspunkte; steriles Material und aseptisches Arbeiten; nie Schutzkappe wieder aufsetzen.
  • Betäubungsmittel: verschlossenes Innenfach, jede Bestandsänderung dokumentieren, Kontrollen mit Zeugen.

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