Einheiten ansehenMedizinische Versorgung an Bord: Behandlung, Pflege und Todesfälle auf See (STCW A-VI/4-2)
Hafenhygiene: IGV 2005, Seegesundheitserklärung und Schiffshygienebescheinigungen
1Die Lektion in einfachen Worten
Krankheiten überqueren auf Schiffen Grenzen. Die Internationalen Gesundheitsvorschriften legen fest, was der Kapitän vor der Ankunft melden muss. Der Hafenärztliche Dienst entscheidet über das weitere Vorgehen.
Die Internationalen Gesundheitsvorschriften
Die Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) (IGV, englisch IHR) sind ein Vertragswerk der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 196 Staaten nutzen es, um die internationale Ausbreitung von Krankheiten ohne unnötige Behinderung von Verkehr und Handel zu verhindern. Für Schiffe regelt es die Seegesundheitserklärung, die Schiffshygienebescheinigungen und die Rolle der Hafenärztlichen Dienste. Die 2024 beschlossenen Änderungen traten für die meisten Staaten am 19. September 2025 in Kraft. Sie ergänzten die Warnstufe pandemische Notlage.
Die Seegesundheitserklärung
Die Seegesundheitserklärung (MDH) nach dem Muster in IGV-Anlage 8 wird vom Kapitän ausgefüllt und unterschrieben. Ein mitfahrender Schiffsarzt zeichnet gegen. Sie geht an den Hafenärztlichen Dienst, wenn der Hafenstaat sie verlangt. Sie nennt die zuletzt angelaufenen Häfen und fragt nach nicht unfallbedingten Todesfällen an Bord, Infektionsverdacht, ungewöhnlich vielen Erkrankten, aktuell Kranken, eingeholtem ärztlichem Rat, Hygienemaßnahmen und kranken Tieren.
Meldepflichtige Anzeichen
Melde dem Hafenärztlichen Dienst möglicherweise ansteckende Erkrankungen: Fieber, besonders mit Schwäche, Verwirrtheit, geschwollenen Lymphknoten, Gelbsucht, Husten oder Atemnot, ungewöhnlichen Blutungen oder Lähmungen; neuen Ausschlag; starkes Erbrechen oder Durchfall; oder wiederholte Krampfanfälle. Melde früh per Funk oder über den Agenten, damit der Hafen das Risiko bewerten und Hilfe vorbereiten kann. Beschränkungen können trotzdem nötig sein.
Freie Verkehrserlaubnis und Hygiene
Die freie Verkehrserlaubnis ist die gesundheitliche Freigabe zum Einlaufen, Ein- und Ausschiffen von Personen sowie Laden und Löschen von Ladung oder Vorräten. Sie kann per Funk erteilt werden. Zoll- und Einreisefreigaben sind davon getrennt. Eine Schiffshygienebescheinigung dokumentiert die Kontrolle auf Gesundheitsgefahren bei Lebensmitteln, Wasser, Abfall und Schädlingen. Die Bescheinigung über die Befreiung von Schiffshygienemaßnahmen bestätigt, dass keine Risiken festgestellt wurden; die Bescheinigung über Schiffshygienemaßnahmen dokumentiert durchgeführte Maßnahmen. Sie gilt höchstens sechs Monate, verlängerbar um einen Monat.
Deine Aufgabe
Halte medizinische Unterlagen, Falllisten und Impfnachweise der Besatzung bereit: Sie belegen die Angaben in der Seegesundheitserklärung. Beantworte jede Frage wahrheitsgemäß. Folge den Anweisungen des Hafenärztlichen Dienstes zu Isolierung, Untersuchungen, Desinfektion und zur Übergabe von Patienten an Land.
2Wichtige Daten
- IGV (2005)
- Änderungen von 2024: für die meisten Staaten ab 19. Sept. 2025; Anwendbarkeit prüfen
- Seegesundheitserklärung (MDH)
- IGV-Anlage 8; Kapitän unterschreibt, Schiffsarzt zeichnet gegen
- Inhalt der MDH
- Nicht unfallbedingte Todesfälle, Infektionsverdacht, ungewöhnlich viele Erkrankte
- Freie Verkehrserlaubnis
- Gesundheitliche Freigabe für Personen, Ladung und Vorräte; auch per Funk
- Schiffshygienebescheinigung
- Befreiung oder Maßnahmen; höchstens 6 Monate, +1 Monat Verlängerung
3Kernpunkte
- 1
Die IGV (2005) regeln die Seegesundheitserklärung und die Schiffshygienebescheinigungen.
- 2
Der Kapitän unterschreibt die MDH; ein nicht unfallbedingter Todesfall muss angegeben werden.
- 3
Melde Infektionsverdacht früh, damit der Hafen sich vorbereiten kann.
- 4
Die freie Verkehrserlaubnis ist die gesundheitliche Freigabe für Personen, Ladung und Vorräte; sie kann per Funk erteilt werden.
- 5
Schiffshygienebescheinigungen gelten höchstens sechs Monate, mit möglicher Verlängerung um einen Monat.
4Häufige Fehler
Falsch: Melde nur Todesfälle durch Infektionskrankheiten.
Richtig: Die MDH fragt nach allen nicht unfallbedingten Todesfällen an Bord, etwa durch Herzinfarkt.
Falsch: Erwähne ein krankes Besatzungsmitglied erst bei der Ankunft.
Richtig: Melde früh über den Agenten oder per Funk, damit der Hafenärztliche Dienst sich vorbereiten kann; Beschränkungen können trotzdem nötig sein.
Falsch: Eine Schiffshygienebescheinigung gilt ein Jahr.
Richtig: Sie gilt höchstens sechs Monate, verlängerbar um einen Monat, wenn die Kontrolle nicht möglich ist.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Dein Schiff soll in 18 Stunden einen europäischen Hafen erreichen. Ein Besatzungsmitglied hat seit drei Tagen Fieber und Husten, jetzt auch einen neuen Ausschlag. Ein anderes starb letzte Woche an einem Herzinfarkt. Wie gehst du gegenüber dem Hafenärztlichen Dienst vor?
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Fülle die Seegesundheitserklärung wahrheitsgemäß aus: Melde den Erkrankten als Infektionsverdachtsfall. Ein Herzinfarkt ist kein Unfall. Gib deshalb auch den Todesfall mit Datum, ärztlich genannter Ursache und Unterlagen an. Sende die MDH und die frühzeitige Meldung nach Hafenvorgabe über den Agenten. Folge den Anweisungen des Hafenärztlichen Dienstes: Er kann vor der freien Verkehrserlaubnis an Bord kommen, Untersuchungen durchführen und den Patienten an Land bringen lassen.
Prüfungstipps
- IGV (2005), WHO; Änderungen von 2024 für die meisten Staaten seit 19. September 2025 in Kraft.
- MDH: IGV-Anlage 8; Kapitän unterschreibt; nicht unfallbedingte Todesfälle und Infektionsverdacht angeben.
- Freie Verkehrserlaubnis: gesundheitliche Freigabe für Personen, Ladung und Vorräte, auch per Funk. Zoll- und Einreisefreigaben sind getrennt.
- Schiffshygienebescheinigung: Befreiung oder Maßnahmen; höchstens 6 Monate, +1 Monat.
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