Windfäden und Twist richtig lesen
1Die Lektion in einfachen Worten
Windfäden zeigen die Luftströmung auf beiden Segelseiten. Lies sie von oben nach unten, um Schot, Kurs und Twist des Segels zu beurteilen.
Vorliekfäden
Vorliekfäden sind kurze Bändchen knapp hinter der Vorderkante des Vorsegels, dem Vorliek, meist auf drei Höhen. Beide Seiten sollen nach achtern auswehen. Steigt der Faden in Luv, auf der windzugewandten Seite, hole die Schot dicht (ziehe die Leine zur Segelbedienung an) oder falle ab (drehe vom Wind weg). Hängt oder wirbelt der Faden in Lee, auf der windabgewandten Seite, ist die Strömung abgerissen: Fiere die Schot (gib Leine nach) oder luve an (drehe zum Wind).
Steuern oder trimmen
Am Wind lässt du die Schot meist eingestellt und steuerst nach den Windfäden. Bei halbem oder raumem Wind, also Wind von der Seite bis schräg achtern, hältst du meist deinen Kurs und verstellst die Schot.
Twist
Twist ist die Verwindung: Wie weit öffnet sich das Segel oben gegenüber unten? Etwas Twist passt das obere Segel an den scheinbaren Wind an. Das ist der Wind, den du an Bord spürst; oben kommt er meist achterlicher. Zum Prüfen am Wind lässt du die Schot unverändert und luvst langsam an. Beobachte die luvseitigen Vorliekfäden: Steigen die oberen zuerst, ist der Twist zu groß; steigen die unteren zuerst, ist er zu klein. Sie sollen gleichzeitig steigen.
Achterliekfäden
Am Großsegel wehen Achterliekfäden von der Hinterkante aus, oft an den Enden der Segellatten, die das Segel versteifen. Wehen sie nach achtern aus, spricht das für saubere Strömung. Verschwinden sie hinter dem Segel, kann das Achterliek zu geschlossen sein. Beim gleichmäßigen Amwindsegeln gilt oben etwa 50 % Auswehen als Richtwert. Bei Leichtwind oder beim Beschleunigen sollen sie stetiger auswehen. Bei halbem oder raumem Wind hält der Baumniederholer den Baum unten und kontrolliert den Twist. Auf tiefem Vorwindkurs wehen diese Fäden nicht immer zuverlässig aus.
Begriffe zur Segelform
Segelmacher beschreiben die Form mit drei Begriffen. Wölbung oder Profiltiefe beschreibt, wie bauchig das Segel ist. Die Lage der größten Wölbung beschreibt, wo zwischen Vorder- und Hinterkante die tiefste Stelle liegt. Twist ist die Öffnung von unten nach oben. Ein bauchiges Segel liefert Kraft bei Leichtwind und Wellen; ein flaches Segel erzeugt bei Starkwind weniger Widerstand und Krängung (Schräglage).
2Wichtige Daten
- Vorliekfaden in Luv steigt
- Schot dichtholen oder abfallen
- Vorliekfaden in Lee zeigt Strömungsabriss
- Schot fieren oder anluven
- Langsames Anluven: obere Vorliekfäden in Luv steigen zuerst
- Zu viel Twist: verringern
- Langsames Anluven: untere Vorliekfäden in Luv steigen zuerst
- Zu wenig Twist: vergrößern
- Oberster Achterliekfaden des Großsegels am Wind
- Etwa 50 %; mehr bei Leichtwind oder beim Beschleunigen
3Kernpunkte
- 1
Beide Vorliekfäden wehen nach achtern aus: Die Strömung stimmt.
- 2
Luvfaden steigt: dichtholen oder abfallen. Leefaden zeigt Abriss: fieren oder anluven.
- 3
Twist beschreibt, wie weit das Segel oben gegenüber unten öffnet.
- 4
Langsames Anluven: obere Luv-Vorliekfäden steigen zuerst = zu viel Twist; untere zuerst = zu wenig.
- 5
Oberster Achterliekfaden des Großsegels: am Wind etwa 50 % Auswehen; mehr bei Leichtwind oder beim Beschleunigen.
4Häufige Fehler
Falsch: Ein ruhig stehendes, gefülltes Segel ohne Flattern ist perfekt getrimmt.
Richtig: Die Strömung kann trotzdem abgerissen sein. Prüfe die Leefäden. Fiere, bis das Vorliek gerade einfällt, und hole dann etwas dicht.
Falsch: Twist ist ein Fehler; das Segel soll oben und unten im gleichen Winkel stehen.
Richtig: Oben ist der Wind stärker und kommt achterlicher. Der passende Twist richtet das Segel darauf aus.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Hoch am Wind, also so nah am Wind, wie die Segel erlauben, steigen alle drei Luvfäden der Fock. Du fällst ab, bis sie auswehen. Dann luvst du mit unveränderter Schot langsam an: Der obere Luvfaden steigt vor den unteren. Was verstellst du?
Antwort zeigen
Das Abfallen hat die Strömung wiederhergestellt. Steigt beim langsamen Anluven der obere Faden zuerst, ist der Twist zu groß. Versetze den Holepunktwagen, die verschiebbare Umlenkrolle der Schot, etwas nach vorn. Stelle die Schot neu ein und wiederhole den Test. Alle drei Höhen sollen gleichzeitig steigen.
Prüfungstipps
- Luvfaden steigt: dichtholen oder abfallen. Strömungsabriss am Leefaden: fieren oder anluven.
- Langsam anluven mit unveränderter Schot: obere Luv-Vorliekfäden steigen zuerst = zu viel Twist; untere zuerst = zu wenig.
- Oberster Achterliekfaden des Großsegels: am Wind etwa 50 % Auswehen; mehr bei Leichtwind oder beim Beschleunigen.
- Segelform: Profiltiefe, Lage der größten Wölbung, Twist.
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